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Vom Gottes- zum Mietshaus
Eckhard Klein und Architekt Hermann Klapheck vor St. Johannes – dem Kirchenbau, den sie gemeinsam gerettet und neu gedacht haben. Foto: Andre Chrost

Vom Gottes- zum Mietshaus

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Angelika Herstell

Die Abrissgenehmigung lag schon vor, doch St. Johannes wurde gerettet. Heute leben dort Menschen in einem ganz besonderen Ambiente.

Hier zu leben“, sagen Stephanie und Mathias Mogel, „fühlt sich für uns wie Urlaub an“. Mit ihrer Katze wohnen sie im Erdgeschoss der ehemaligen St.-Johannes-Kirche – ein Zuhause, das man nicht alle Tage findet. Jahrelang suchte das Ehepaar nach einem Einfamilienhaus, fand aber nichts, was wirklich passte. „Es musste etwas Besonderes sein“, sagt Mathias rückblickend. Fündig wurden sie schließlich eher zufällig, „im Vorbeifahren“. Heute haben die Mogels in Bertlich genau das, was sie sich gewünscht haben: eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung, dazu eine eigene Terrasse und einen kleinen Garten – ein Ort, den sie sich ganz nach ihren Vorstellungen eingerichtet haben.

Dr. Hermann Klapheck (l.) und Eckhard Klein
Das erhaltene Altar-Mosaik – Herzstück der ehemaligen Kirche, das heute allen Bewohnern offensteht. Foto: Andre Chrost

Schlafen in der Sakristei

Die Stufen, die heute vom Wohn- ins Schlafzimmer führen, waren einst der Zugang zur Sakristei. Stefanie weiß es wertzuschätzen, in einer ehemaligen Kirche zu wohnen – und sie genießt es. Freunden und Verwandten zeigt sie stolz das Mosaik im Treppenhaus. „Man muss der Kirche nicht verbunden sein, um das superschön zu finden“, sagt sie. St. Johannes hat neues Leben bekommen – nur ganz anders als zuvor.

Bauingenieur Eckhard Klein und Architekt Dr. Hermann Klapheck haben hier 14 hochwertige Wohnungen geschaffen, behutsam eingebettet in die besondere Architektur des Gebäudes. Sogar der Kirchturm wurde in die Dachgeschosswohnung integriert. Und auch das neuneinhalb Meter hohe sakrale Mosaik des Altarraums bleibt allen Mietern zugänglich – ein Anblick, der den Betrachtern regelmäßig den Atem raubt. „Das Mosaik sollte nicht hinter Wänden verschwinden“, sagt Klapheck.

Mit Respekt hat er sich der Aufgabe, die Kirche umzubauen, genähert. „Kirchen sind wichtig für die Menschen. Viele verbinden damit Erinnerungen an Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern. Für das Mosaik haben damals viele Gemeindemitglieder Geld gespendet.“ Dass das Kirchengemäuer gerettet wurde, ist eine Win-Win-Situation. Die Gemeinde musste keinen Cent für den Abriss ausgeben. Im Gegenteil: Der Verkauf brachte sogar Einnahmen – und die neuen Mieter sind stolz, in einer beeindruckenden Landmarke zu wohnen.

Stephanie und Mathias Mogel
Stephanie und Mathias Mogel in ihrem
Wohnzimmer – ein Zuhause, das für sie ,,wie Urlaub" ist. Foto: Andre Chrost

Respekt und Raffinesse

Die vergleichsweise hohen Mietkosten findet das Ehepaar Mogel gerechtfertigt. Eine alte Kirche zu erhalten sei nun mal aufwendiger als ein Neubau. Und, wie gesagt: „Das Ambiente ist einmalig! Darüber hinaus ist alles modern und auf dem neuesten Stand“. Energetisch durchdacht mit Erdwärme und Photovoltaikanlagen, effizient geplant und langfristig kostensparend. Der eigentliche Retter des Hauses ist der Hertener Eckhard Klein. Er hat tief in die Tasche gegriffen, die Kirche gekauft und anschließend für rund fünf Millionen Euro umbauen lassen – gemeinsam mit Architekt Hermann Klapheck, und das in einer bemerkenswert kurzen Zeit von nur drei Jahren.

Nur wenige Wohnungen sind noch frei. Für Klein und Klapheck ist St. Johannes nicht das erste gemeinsame Bauprojekt. Dabei führt Klein „hauptberuflich“ ein Unternehmen für Systemböden. Das mit den Häusern, sagt er schmunzelnd, das sei eben sein Hobby. „Andere gehen Kegeln, ich bau Häuser“, kokettiert der Macher. Neue Bauprojekte stehen bereits in den Startlöchern – darunter auch ein Hotel auf Schlägel & Eisen.

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