Tim Langer macht Musik, kuratiert Kultur in Herten – und jetzt auch Bücherregale. Sein Debüt zeigt, wie man vom Kinosessel aus eine ganze Welt vermessen kann.
Es gibt diese Sternstunden der Popkultur, die man fast übersieht. Der Film „Joker 2“ gehört dazu. Nach dem bahnbrechenden Erfolg des ersten Teils ist er rigoros gefloppt. Ein großer Triumph für die Macher. Hä? „Der Film sabotiert Erwartungen, legt falsche Fährten und seziert den eigenen Vorgänger. Quasi ein 20-Millionen-Mittelfinger an diese endlose Sequel- und Prequel-Kultur“. Für Tim Langer, vielen als „Tizzle“ bekannt, ist Kunst, die sich weigert, bequem zu sein, ein Geschenk.. Seit Jahren ist er ein Teil der vestischen Kulturlandschaft – Musiker in der Band „Mosaiq“, Mitarbeiter im Hertener Kulturbüro. „Ich habe eine große Liebe für Popkultur“, sagt er – und meint damit Figuren wie Bill Murray, der in „Ghostbusters“ allein mit seinem Gesicht eine Satire schreibt oder Jim Carrey in „Die Maske“, mit seiner überdrehten Albernheit. Oder verregnete Städte, in denen Zukunft plötzlich wieder analog wird. Retro-Futurismus, der nach Öl riecht und trotzdem Richtung Morgen zeigt.
Tim spricht über Filme wie andere über ihre Jugend. Dialoge, die bleiben. Bilder, die Identitäten formen. Welten, die größer sind als die eigene. Im Mai begann er, all das aufzuschreiben. „Dieser Haufen Nerdwissen, Fun Facts, Hintergrundgeschichten und diese ganze Liebe brauchte einfach einen Ort“, sagt er. Am 11. Dezember erschien sein Buch: „Filmfieber: Geschichten von Popcorn und Popkultur.“ 19 Filme bekommen ein eigenes Kapitel, über 40 tauchen im Buch auf. „Es sind keine Zusammenfassungen, sondern persönliche Gefühle und diese Brücke zur Popkultur – was ist passiert, nachdem der Film vorbei war?“, beschreibt er den sehr persönlichen Deep Dive. Ein Best-of seiner Kultschätze: viel 80er, viel Herz, viel VHS-Geist. „Lost in Translation“ steht neben „Star Wars“, „Pulp Fiction“ neben „Kevin – Allein zu Haus“.
Dazu Exkurse über Horror, Superhelden, Serien, Soundtracks, Konzeptkunst. Es geht darum, was Filme hinterlassen. Wie Figuren in Menschen weiterleben. Wie Figuren Lebensphasen begleiten. Wie Popkultur Wunden schließt, Humor schärft, Horizonte verschiebt. Und um das Drumherum: Streaming vs. Kino, das verlorene Knistern im Saal. Tim schreibt auch, weil er hofft, dass kommende Generationen ihre eigenen Heldinnen und Helden finden: starke Frauen wie Ellen Ripley, gebrochene Männer wie der alte Batman, verletzliche Antihelden, zufällige Ikonen, mutige Außenseiter, die man nicht auf Funko-Pop-Regalen findet. „Es soll sich einfach anfühlen, als würde man eine alte Videothek betreten“.
ISBN: 978-3-00-085180-3, 16,99 Euro
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