Wie der Vater, so der Sohn

Beruflich und privat spielen die Bruns in einer Liga.

Es ist gewagt, Parallelen zwischen den Basketball-Familien Stockton und Bruns zu ziehen: John Stockton, bester Passgeber aller Zeiten in der US-Profiliga NBA und Mitglied vom unvergessenen „Dream Team“. Auf der anderen Seite Wolfgang Bruns, Korbjäger in Herten. Eins verbindet die Clans: Die Söhne agieren auf der gleichen Position ihrer Väter und zelebrieren in der Halle die ererbten Fähigkeiten. Michael Stockton spielte übrigens vier Jahre in Deutschland. Familie Bruns – das steht in der Region für gutklassigen Basketball. Christoph („Kiki“) Bruns ist Kapitän des Zweitliga-Teams von Citybasket Recklinghausen. Vater Wolfgang, bis 1987 auf Korbjagd, trug ebenfalls die Kapitänswürde beim damaligen TuS Herten.

Bei den Bruns-Männern hat die Genetik weitere Spuren hinter­lassen. Rechtsanwalt Wolfgang Bruns hat offenbar auch seine juristischen Fähigkeiten weitergegeben. Allerdings betont er: „Christoph hat sich das Jura-Studium selbst ausgesucht.“ Der Nachkomme bestätigt das: „Es war mein Herzenswunsch Jura zu studieren. Mir gefällt die Selbständigkeit. Das hat Charme, selbstbestimmt arbeiten zu können.“ Im September 2016 ist Christoph zur Kanzlei gestoßen, die sein Vater gemeinsam mit den Partnern Hans-Gerd Voß und Hans-Bernd Riepenhoff in der Stadtmitte aufgebaut hat. Der als kritisch bekannte Vater sagt: „Wir ergänzen uns prima. Aktuelles Wissen trifft auf Erfahrung.“ Christoph dribbelt das Kompliment zurück: „Super Zusammenarbeit, auch wenn wir uns im Büro unterschiedlich organisieren. Mein Vater hat mir was zugetraut. Das möchte ich mit Qualität zurückzahlen.“

Genetischer Fingerabdruck

Wie der Senior im engsten Wortsinn seinen genetischen Fingerabdruck hinterlassen hat, zeigt der Junior auf dem Basketball-Feld. Der Spieler verfügt über ein „butterweiches Händchen“, wie es Basketball-Experten sagen. Gemeint ist die Fähigkeit des Shooting Guards, den Gegnern reihenweise von jenseits der 6,75 Meter-Linie die gefürchteten „Dreier“ einzuschenken. Fast über­flüssig zu erwähnen, dass der Vater häufig die Bälle genau auf diese Art in den Körben versenkte. „Wolfgang durfte keinen Moment Zeit haben. Dann flogen uns die Dreier nur so um die Ohren“, erinnert sich ein leidgeprüfter Gegner von einst.Eng verbunden mit Wolfgang Bruns ist das Aufblühen des Basketball-Sportes in Herten, die der Rechtsanwalt mit Pionieren wie Karsten Osterwald, Diethart Berg, Peter Henzler und Karl Diehl ermöglicht hat. Schon früh stellte er sich für die Vorstandsarbeit zur Verfügung. Als Jugendlicher spielte Sohn Christoph für die Löwen, später in der Hertener Zweitliga-Mannschaft.

Allerdings hatte er sich mehr Einsatzzeiten gewünscht und wechselte den Verein. Inzwischen läuft er in der siebten Saison für Recklinghausen auf. „Ich gehöre zum Inventar.“ Während seiner Karriere traf er einige Male auf seinen alten Hertener Verein. „Das war nicht ganz so leicht. Ich hing ja mit meinem Herzen auch an den Löwen“, sagt der Sportler, in dessen Trophäenschrank der Pokal der Deutschen Uni-Meisterschaft 2011 steht.Im Frühjahr 2017 sind Meisterschaft und Pokale für „Kiki“ Bruns weit, weit weg. Durch Verletzungen gebeutelt, musste sein Team den Abstieg in die 1. Regionalliga hinnehmen. Für die regionale Basketball-Szene ist die Aussicht allerdings verlockend, denn die Fans der Hertener Löwen und die Citybasket-Anhänger können in der nächsten Saison wieder packende Revier-Derbys erleben.

Text: Michael Polubinski • Fotos: Robin Droste