Liebe Wagnis mit Happy End

Online-Liebe: Wagnis mit Happy End

Karoline Jürges und Dominik Hasler wirken wie ein frisch verliebtes Paar. Häufig tauschen sie Blicke und Berührungen aus, nennen sich beim Kosenamen. Dabei sind sie schon seit fast zehn Jahren zusammen. Kennengelernt haben sie sich im Internet. Zufällig bei StudiVZ.Im Sommer 2007 hatte Dominik Hasler sich neu im damals beliebten Social Media-Portal angemeldet. „Am Anfang hatte ich dort noch nicht so viele Kontakte“, erzählt der 33-jährige Westerholter. Karoline Jürges hat ihn „gegruschelt“ – das war in dem Netzwerk eine unverbindliche Form der Kontaktaufnahme. Die Verbindung blieb.„Wir waren aber beide gar nicht auf der Suche nach einer Beziehung“, erinnert sich die 35-Jährige. Sympathisch war der gebürtigen Salzwedelerin der Junge aus dem Ruhrgebiet trotzdem. Und als sie sich ein halbes Jahr später den Arm gebrochen hatte, chattete er intensiv mit ihr. „Da haben wir dann auch angefangen zu telefonieren.“ Kurz darauf planten die beiden das erste Treffen. Sie zeigte Dominik ihre Wahlheimat Minden, bot ihm „das volle Programm“: Sightseeing-Tour und ein gemeinsames Essen.„Ich war mega aufgeregt, so richtig mit Kribbeln im Bauch“, das weiß Karoline Jürges auch nach fast zehn Jahren noch genau. Auch Dominik Hasler reiste mit gemischten Gefühlen an: „Ein bisschen Risikobereitschaft gehört ja schon dazu, jemand fremdes zu treffen“, sagt er. Das Wagnis wurde belohnt. Mit einem Kuss zum Abschied. Und der Aussicht auf weitere Treffen.Alle zwei bis drei Wochen nahm einer von beiden die rund 170 Kilometer weite Fahrt auf sich, um den neuen Schwarm zu sehen.

Dazwischen lagen tägliche Telefonate. Und nach wie vor etwas Ungewissheit: „Eine Fernbeziehung ist ja manchmal schwierig“, meint Dominik Hasler. Im Oktober 2008 fragte er aber doch: „Willst du mit mir gehen?“  –  „ganz romantisch mit Kerzen und Blumen“, verrät Karoline Jürges. „Da musste ich einfach ja sagen.“Dreieinhalb Jahre pendelten die beiden regelmäßig zwischen Herten und Minden. Dann fasste Dominik den Entschluss, nach Ostwestfalen zu ziehen – schweren Herzens: „Ich vermisse das Ruhrgebiet jeden Tag“, gibt er zu. „Deshalb habe ich mir kleine Bezugspunkte geschaffen.“ Jede Menge Familienfotos aus Herten zieren die Wände der Wohnung. Und auf dem Sims im Badezimmer steht eine Bergbau-Ente. „Und ich versuche so oft wie möglich, in die Heimat zu fahren.“ Das gilt übrigens auch für Karoline, die in Sachsen-Anhalt aufgewachsen ist. Das Heimweh war nicht die einzige Umstellung, die das Zusammenleben mit sich brachte: Der Alltag förderte so einige Marotten zutage, die die beiden vorher nicht voneinander kannten. „Ich bin zum Beispiel viel unordentlicher als Dominik“, sagt Karoline Jürges. „Dafür ist er sehr wählerisch beim Essen.“ Geschadet haben die Macken der Beziehung nicht: Seit vier Jahren sind die beiden auch verheiratet. „Und wir telefonieren in den Pausen auf der Arbeit immer noch täglich miteinander“, das ist ihnen wichtig


Text: S. Hasler • Fotos: Markus Mucha