Typisch Frau?! Von Rolf zu Rita

Rita Nowak wurde als Mann geboren

Rita Nowak ist eine stattliche Person: mittelgroß, schlank, mit wallenden Haaren – und sie war ein Mann. Vor 60 Jahren kam Rita als Rolf zur Welt und merkte bereits als Kind, dass damit etwas nicht stimmen konnte. Heute lebt sie als Frau in Recklinghausen und fühlt sich endlich wohl in ihrer Haut.

Dabei war dieser Weg nicht leicht für sie. „Es ist entscheidend, wie das Umfeld auf die Form des Trans­gender-Outings reagiert," erklärt sie. Insbesondere Reaktionen von Vorgesetzten im Job, der Familie und aus dem Freundeskreis hätten viel damit zu tun. „Es ist ein langer und schwerer Weg, den man geht und zunächst macht man ihn allein und hinterfragt sich dabei auch immer wieder." In Ritas Fall war die Reaktion positiv. Die aktive Grünenpolitikerin und Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Lesbenpolitik outete sich 2012. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits aktives Ratsmitglied in Recklinghausen. „Die haben schon etwas blöd geguckt, als ich das erste Mal im Kleid, damals noch als Mann, im Rathaus erschienen bin," erzählt sie und lacht. Richtig Herzklopfen habe sie damals gehabt und Angst, vor Ablehnung und Stigmatisierung, doch die blieb aus.

Endlich leben, wie man ist

Kein Regelfall, denn Ausgrenzung und Homophobie kommen auch in Deutschland weiterhin oft vor. Schätzungsweise 45 Prozent der homo- und transsexuellen Menschen in Deutschland litten nach ihrem Coming-Out allein 20151 unter Diskriminierung durch ihr direktes Umfeld – Tendenz anhaltend. Rita Nowak ist froh, dass ihr diese Erfahrung erspart geblieben ist. Heute ist die 60-Jährige nicht nur optisch, sondern auch amtlich eine Frau. „Ich habe sogar eine neue Geburts­urkunde bekommen,“ erzählt sie stolz. Es sei eine Befreiung, endlich so zu leben, was man tatsächlich sei. Zukünftig möchte die Sprecherin der BAG und Vertreterin der Landesarbeitsgemeinschaft Queer weiter stärker gegen Trans- und Homophobie vorgehen. Aktuell steht für sie daher erst einmal eine Reise in den Kosovo an, wo sie mit einem Filmteam auf die Diskriminierung aufmerksam machen will. Angst vor Gefahren gegen ihr Leben hat sie dabei nicht: „Wer Angst hat, verändert nichts,“ sagt sie. Das klingt nach einem Lebensmotto.

Text: Jennifer Bayne • Fotos: Markus Mucha