Oh, wie schön wäre Panama!

Conny Kaiser sammelt fürs segelnde Klassenzimmer

24.000 Euro – holla, das ist eine Menge Geld. Reiche Eltern können ihren Kindern ohne mit der Wimper zu zucken die Teilnahme an einem schulischen Segeltörn ermöglichen. Unsere 15-Jährige Leserin muss selbst zusehen, wie sie die Gebühren zusammen bekommt. Sie hat HERTEN ERLEBEN erzählt, warum sie für die Schule Segel hissen und das Deck schrubben möchte. „Guten Tag, ich bin Constanze Kaiser, 15 Jahre alt, liebe meine Heimat Herten, gehe aber auf Spiekeroog aufs Internat, und lese dort aber immer euer Magazin“ – diese Mail erreichte die HERTEN ERLEBEN-Redaktion aus heiterem Himmel. Schön, dass unser Heft auch im hohen Norden bekannt ist. Und vielleicht demnächst auf der ganzen Welt, sogar in der Karibik. Constanze – kurz: Conny – träumt davon, bald im segelnden Klassenzimmer zu sitzen und zu pauken, auf einem Zweimast-Schoner nicht nur für die Schule zu pauken, sondern auch mit anzupacken. „Von der Hermann-Lietz-Schule (für die die junge Hertenerin ein Stipendium bekommen hat, Anm. d. Red.) aus gibt es schon lange eine Kooperation mit der ‚High Seas High School‘“, erklärt Conny. „Jedes Jahr dürfen einige Schülerinnen und Schüler mit über den Atlantik segeln, nach Panama, Costa-Rica, in die Karibik, nach Teneriffa.“ Erfahrungen, die die Jugendlichen bei einer solchen Reise machen, sind unbezahlbar – und deswegen auch tatsächlich teuer.


Conny: „Ich kann nicht einfach mit der Kreditkarte der Eltern wedeln, ich muss mir das erarbeiten.“ Sie ist wild entschlossen und hat bereits zahllose Briefe geschrieben und um Spenden und Unterstützung gebeten. „Unter anderem habe ich alle Shanty-Chöre in Deutschland angeschrieben, und viele Fernsehsender und Zeitschriften.“ Und Conny fügt hinzu: „Meine Familie in Herten, meine Schul­familie auf Spiekeroog und viele Freunde und Bekannte unterstützen die Idee.“ Ihr ist klar, von welch großer Summe sie spricht. „Aber dennoch haben meine Familie und ich begonnen, viel Energie und Zeit zu investieren, um Menschen und Institutionen anzusprechen, mich bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Dabei sind schon 8.000 Euro zusammengekommen, die von Menschen, die eng mit der Schule und dem Projekt verbunden sind, verwaltet werden.“ 24.000 Euro sind kein Pappenstiel, natürlich, aber die fleißige Schülerin ist sich der Chance bewusst, die so ein Schulprojekt mit sich bringt. „Ich verspreche auch, dass ich nicht seekrank werde“, lacht sie und öffnet einen Atlas. Mit dem Finger fährt sie die mögliche Route ab, wohlwissend, dass so ein Törn kein Zuckerschlecken ist. „Alle müssen mit anpacken und vor allem auch miteinander klarkommen – das ist ein gutes Training, persönlichkeitsbildend und Horizonte eröffnend.“ Geographie, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Politik, Geschichte, Englisch, Französisch – auf den Schiffen des segelnden Klassenzimmers gibt es das Alles nicht nur in den Büchern. Sondern in echt.

Text: Mareike Graepel • Fotos: André Chrost

Info

Wer Constanze Kaiser unterstützen möchte, kann mit ihr direkt Kontakt aufnehmen (c.kaiser.2003@gmail.com) oder auf dieses Konto spenden:
Constanze Kaiser · Sparkasse Vest
IBAN: DE33426501501067012748