Junge Erwachsene Mit Leichtigkeit nach oben

Felix Gornys Beruf ist Familiensache

orgens halb zehn in Herten. Felix Gorny ist bereits vor zwei Stunden zum ersten Mal auf das Spitzdach gestiegen, auf dem er heute einen Kamin verschiefert. Im Herbst 2015 hat der 21-jährige im Betrieb seines Vaters Michael (51) seine Ausbildung zum Dachdecker begonnen. „Zuerst war‘s eine Notlösung“, gibt Felix Gorny freimütig zu. Mittlerweile steht für ihn fest: „Das zieh‘ ich durch!“ Anfangs war Vater Michael Gorny über die Entscheidung seines Sohnes fast ein wenig überrascht. „Er ist der beste Azubi, den ich je hatte“, sagt der Dachdeckermeister heute. Felix freut das Lob: „Natürlich solle man immer sein Bestes geben“, meint er, „aber beim Vater gibt man sich wahrscheinlich besondere Mühe.“

Nach dem Abitur hatte Felix zunächst in Bochum Maschienenbau studiert. „Viel zu viel Mathe!“, das wurde ihm im zweiten Semester klar. Zeit, sich neu zu orientieren. Das Problem: „Als ich das Studium an den Nagel gehängt habe, waren die Bewerbungsfristen abgelaufen, nachträglich anderswo einsteigen ging nicht.“ Praktikumsplätze waren kaum zu finden. Das Angebot des Vaters, in den Betrieb hinein zu schnuppern, kam gerade recht. Schnell wurde eine Ausbildung daraus.

Inzwischen kennt Felix sich aus: Waagerechte deutsche Deckung, gezogene Doppeldeckung und mehr – die Zwischenprüfungen sind geschafft. „Die Arbeit ist abwechslungsreich“, findet er, „außerdem hat man mit den verschiedensten Materialen zu tun – von Ton und Beton bis zu Metall.“ Metallarbeiten machen ihm besonders Spaß: „Wenn man da was zu frickeln hat, ist der Tag kurz und die Zeit geht schnell rum.“ Und hat man eine Dachfläche von 180 Quadratmetern fertig gedeckt, ist das durchaus ein Erfolgserlebnis: „Wenn sich dann auch noch der Kunde freut, ist das schon schön“, findet der Azubi. Die Leiter aufwärts, das geht mit Leichtigkeit, auch mit dem schweren Eimer Vorstrichfarbe in der Hand. Höhenangst ist kein Thema: „Wir arbeiten in zwei bis zehn Metern Höhe – waren zum Beispiel auf der Turnhalle des Hertener Gymnasiums.“ Ganz wichtig bei der Arbeit draußen in luftiger Höhe: „Sich des Risikos immer bewusst zu sein“, betont Felix.

Idealer Arbeitsrhythmus

Es gibt so richtig lange Tage: „Einmal hatten wir einen Hubsteiger geliehen“, erzählt der Azubi, „in dieser Zeit war ich mit einem der beiden Gesellen von morgens halb acht bis abends halb sieben dabei.“ Im Normalfall geht’s morgens je nach Jahreszeit zwischen sieben und acht Uhr los, um 16 Uhr zurück zur Werkstatt, ausladen und aufräumen. Im Grunde ist der Arbeitsrhythmus ideal: Denn die Abende und Wochenenden bleiben Felix für seine Leidenschaft, die Musik. Seit seinem fünften Lebensjahr spielt er Schlagzeug, mit knapp 14 Jahren hat er die erste Coverband gegründet. Zurzeit spielt er u.a. bei den blueRoXX, den Hohnerklängen, Nina & the FatPack und in einer Gelsenkirchener Bigband.

Am Feierabend daheim bei Familie Gorny ist der Job zum Glück nur ein Nebenthema: „Klar besprechen wir kurz, was am nächsten Tag anliegt, dann geht’s schneller“, sagt Felix. Im Frühjahr 2018 steht die theoretische Abschlussprüfung an. Inzwischen fragt Vater Michael fast täglich: „Wie stellst du dir deine Zukunft vor?“ Und immer lautet die Antwort seines Sohnes: „Ich weiß es noch nicht!“ Der Rat des Dachdeckermeisters: „Mach anschließend deinen Meister, später kannst du dich dann zum Bausachverständigen weiter­bilden!“ Den Leuten noch eine Weile aufs Dach steigen, das kann sich der künftige Dachdeckergeselle durchaus vorstellen. Einerseits. Andererseits ist da ja noch die Musik. „Vielleicht werde ich doch wieder studieren“, überlegt Felix, „dann aber Schlagzeug!“

Info

Bedachungen Michael Gorny

Am Handwerkerhof 4
45701 Herten

Tel.: 02366 585750