Liebe Mit Gott leben

Die beiden Franziskanerinnen Daniela und Doris tun den Hertenern gut

Nachnamen spielen keine Rolle. „Die kennt nur der Postbote“, beteuern die beiden Ordensschwestern. In der ganzen Stadt kennt jeder die Franziskanerinnen nur als Schwester Daniela und Schwester Doris. „Die Menschen kommen mit ihren Problemen direkt zu uns“, freuen sich die Frauen. Wer so viel Vertrauen hat, den bitten sie herein an ihren Tisch und haben ein offenes Ohr für alles, was traurig macht und belastet. „Schulden, Krankheit, Streit in der Familie – das kann so vieles sein“, wissen die beiden. Schwester Doris und Schwester Daniela bewohnen eine Vierzimmer-Wohnung im zweiten Stock mit Blick auf den Süder Markt. Ein 12-Parteien-Haus in der Ewaldstraße, „mitten im prallen Leben“, wie sie es nennen. Jede Frau hat einen eigenen Raum für sich: Bett, Schrank, Schreibtisch und PC – und ein paar persönliche Dinge: Fotos von lieben Angehörigen schmücken die Wand, eine Vase mit Tulpen spricht vom nahen ­ ­Frühling. Küche, Bad und Wohnzimmer werden gemeinsam genutzt.

„Im Haushalt ist Arbeitsteilung angesagt“, erklärt Schwester Daniela. Sie saugt Staub und wäscht ab. Ihre Mitschwester kocht das Mittagessen und macht die Wäsche. Klingt nach einer ganz normalen WG. Wäre da nicht das kleine Zimmer, das zur Kapelle geweiht worden ist. Weiße Wände, weiße Vorhänge. Der Schmuck: Ein großes Bild des heiligen Franziskus und ein Tafelkreuz. In einer Zimmerecke ein Altartisch, darüber brennt das Ewige Licht, wie es auch in den katholischen Kirchen brennt. Alle 14 Tage kommt Präses Michael Prinz, um hier mit den beiden Schwestern, weiteren Hausbewohnern und Menschen aus der Stadt die heilige Messe zu feiern. An den anderen Tagen machen sich die Ordensfrauen auf den Weg zu einer Hertener Kirche, in der eine Messe stattfindet: „Wir können beide Auto fahren!“

Für andere da sein

Gemeinsame Spiritualität strukturiert den Tag: „Vor dem Frühstück beten wir das Morgenlob, abends halten wir eine Vesper, das Abendgebet.“ Mit einem kleinen Gebet verlassen die beiden auch stets das Haus: „Wir gehen nie allein!“ Beten stärkt und macht aktiv, so erfahren es die beiden jeden Tag aufs Neue: „Bei allem, was wir tun, bekommen wir unsere Kraft von Gott“, fasst Schwester Daniela ihr Lebensgefühl zusammen. „Alles, was uns an Leid und Sorgen anvertraut wird, kann uns nicht erdrücken – wir geben es im Gebet weiter“, sagen die Franziskanerinnen.

Ihren Eintritt in den Orden haben beide Frauen nie bereut. Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam: „Der Tag, an dem ich meine Gelübde abgelegt habe, war der glücklichste in meinem Leben“, erzählt Schwester Doris. „Der Verzicht auf persönlichen Besitz macht frei, für andere da zu sein“, betonen die Ordensfrauen. Ob bei ihrer früheren Tätigkeit beim Mittagstisch in der Caritas, der täglichen Arbeit in den Tafel-Läden Hertens und im Kinderland, beim Einsatz für Flüchtlinge oder in den Beratungsgesprächen, zu denen die beiden immer bereit sind.

73 Jahre alt ist jede von ihnen inzwischen. Schwester Doris befindet sich seit zwei Jahren sozusagen im Ruhestand, kümmert sich liebevoll um die älteren Nachbarn im Haus. Schwester Daniela will sich noch einmal verändern: „Ich möchte meine Erfahrungen erneut in der Kontaktstelle in der Turmstraße einbringen“, kündigt sie an, „Menschen in Not schnelle Hilfe und die richtigen Ansprechpartner vermitteln.“ Was sich beide Ordensschwestern für die Zukunft wünschen: „Wir wollen uns vermehrt dem spirituellen Leben zuwenden“, da sind sie sich einig, „zum Beispiel erneut Bibelgespräche bei uns anbieten.“ Oder zur heiligen Messe in ihrer Kapelle einladen. Sechs Stühle stehen für gläubige Gäste bereit: „Wir freuen uns, wenn Menschen mit uns feiern möchten.“

Text und Fotos: Dr. Ramona Vauseweh

Info

Schwester Daniela und Schwester Doris

Ewaldstraße 144
45699 Herten

Tel. 02366 419352