Luxemburg in Herten

„Ein grandioses Friedensprojekt“

Zweisprachig aufgewachsen in Luxemburg, studiert in Deutschland, engagiert als Entwicklungshelfer im Sudan, dann als Arzt und Psychoanalytiker tätig in den Ardennen, im Rheinland, in Westfalen und im Ruhrgebiet: Dr. Luc Turmes ist ein echter Grenzgänger. Der Leiter der LWL-Klinik Herten für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin lebt seit über 40 Jahren in Deutschland – „weiterhin mit luxemburgischen Pass, aber ohne luxemburgisches Bankkonto“, wie er hinzufügt. „Wir Luxemburger sind gerne gute Europäer: Wir liegen im Herzen Europas und haben in der Vergangenheit immer schlechte Erfahrungen mit Nationalismus gemacht,“ sagt Turmes, dessen Heimat im Laufe der Jahrhunderte von Niederlanden, Belgien, Frankreich oder Deutschland immer wieder beansprucht, verkauft, besetzt wurde. Die Europäische Union ist für ihn daher nicht nur ein Garant für den Wohlstand, sondern vor allem „ein grandioses Friedensprojekt: Meine Generation ist die erste, die keinen Krieg erlebt hat“, sagt der 62-Jährige, der es bewundert, „dass Adenauer und De Gaulle so klug waren, sich die Hand zu reichen, und Mitterand und Kohl das später wiederholt haben“. Die aktuellen Fliehkräfte in Europa sieht er mit Sorge: „Wir haben nach dem Krieg gehofft, dass sich die Idee des Euro­zentrismus durchsetzen würde, aber vielleicht waren wir im Umgang mit Russland nicht verbindlich genug“, befürchtet Dr. Turmes. „Und was die osteuropäischen Staaten anbetrifft: Ich glaube, die Erfahrungen mit den demokratischen Werten des Westens sind dort noch nicht überall so gefestigt.“ Für den 26. Mai hofft er auf ein starkes Zeichen: „Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen zur Wahl gehen und wir einen breiten demokratischen Konsens erzielen.“

Text: Stefan Prott • Fotos: Markus Mucha