Kurzer Draht zu langen Hälsen

Martina Ernst aus Disteln kümmert sich in der Zoom Erlebniswelt um die Giraffen.

„Hallo Pupsi!“ Martina Ernst öffnet das Tor zum Außengehege der Giraffen. Bulle Kito, „der Chef in der Truppe“, äugt skeptisch über den meterhohen Zaun, bis er die Naschereien entdeckt, die die Tierpflegerin dabei hat. Fünfzehn Minuten später hat Martina Ernst vier Packungen Knäckebrot verfüttert, doch Jadranka, Kito und Hans kriegen den langen Hals nicht voll. Neugierig senken sich die Giraffenköpfe zur Hand der Hertenerin, die die letzten Scheiben der knusprigen Köstlichkeit festhält. „Knäcke ist für die Giraffen wie Schokolade“, sagt Ernst und lacht, weil Hans seinen Kopf auf ihrer Schulter ablegt, um auch die letzte Scheibe zwischen ihren Fingern hervorzuluchsen. Bei ihrer Leibspeise sind die Giraffen durchaus wählerisch: „Finncrisp muss es sein, das Knäckebrot anderer Hersteller mögen sie nicht.“

Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter

Seit 29 Jahren arbeitet die Wahl-Distelnerin in der Zoom-Erlebniswelt, dem Zoo im benachbarten Gelsenkirchen. Nach einem beruflichen Ausflug in die Themenwelt Alaska ist sie vor fünf Jahren zu ihren Lieblingen, den Giraffen, zurückgekehrt – und wurde begrüßt wie eine alte Bekannte. Aja-Sabe, die älteste unter den Langhälsen, kennt Martina noch aus Zeiten des Ruhrzoos. „Als ich acht Jahre später zurück nach Afrika kam, durfte ich sie direkt anfassen – bei anderen Tierpflegern lässt sie das nicht zu. Das war super schön“, sagt Martina Ernst, die schon ihre Ausbildung in der heutigen Zoom-Erlebniswelt absolviert hat. Sie kennt ihre Pappenheimer in- und auswendig: Kito mag sein Gemüse nur geschnitten, nicht gestampft, und vom Porree nur das Weiße. „Sonderwünsche. Männer eben!“, kommentiert Ernst trocken. Und winkt ab: „Jedes Tier hat so seins“. Zum Beispiel die Antilopen, die das Außengehege mit den sieben Giraffen teilen. „Die sind echt pingelig“, sagt die gelernte Tierpflegerin, „wenn es nur einen Tropfen regnet, wollen sie rein.“ Auch das dienstälteste Stachelschwein freut sich, wenn Martina Ernst auf ihrer täglichen Tour bei ihr Halt macht:

„Der Stachelschwein-Oma gebe ich immer heimlich Leckerchen, damit in der Gruppe kein Neid aufkommt.“ Heute hat Martina Ernst Frühschicht. An erster Stelle steht morgens die Truppenversorgung: Die Giraffen kriegen Pellets, Luzerne und frisches Laub, dann gibt’s das Frühstück für die Antilopen. Zwischendrin erledigt sie „Kleinkram“, wie Martina Ernst es nennt: die Gehege der Stachelschweine und Vögel säubern, dann ab ins Raubtierhaus, um Rindfleisch, Hühner und Kaninchen zu verfüttern. „Zu den Löwen hab‘ ich eher nicht so den Draht“, sagt Ernst, „ich mag lieber Huftiere.“ Am Nachmittag geht’s erneut zu den Giraffen: je ein Zehn-Liter-Eimer Gemüse wartet auf die Langhälse – und auf der Anlage will der Kot eingesammelt werden, stolze drei Schubkarren voll.

Knochenjob aus Leidenschaft

Trotzdem: Martina Ernst mag ihren Job. So sehr, dass sie neben zahlreichen Wochenenden freiwillig auch die Feiertage hier verbringt. In ihren fast 30 Dienstjahren hat sie nur einen Heiligabend zu Haus verbracht. „Ich finde das nicht schlimm. Die Tiere sind doch meine Familie, ich muss denen doch Frohe Weihnachten wünschen. Außerdem bringe ich ihnen jedes Jahr etwas Besonderes mit.“ Und wenn Martina Ernst dann mal Zuhause ist, verbringt sie Zeit mit ihrem Mann – und ihrem gemeinsamen Privatzoo. Zwei Hunde, sechs Hühner, drei Schlangen, Kaninchen und Mäuse hat die Tierpflegerin daheim. Ungewöhnlich findet sie das nicht: „Ganz viele meiner Kollegen haben auch Tiere zu Hause. Die meisten von uns sagen: ohne? Auch nach Feierabend nicht.

Autor: Raphaela Willwerth
Fotos: Markus Mucha

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