„Es gibt keine langweiligen Tiere“

Winfried Harder arbeitet seit 43 Jahren als Tierpfleger

Der Beruf Tierpfleger wurde Winfried Harder in die Wiege gelegt. Sowohl sein Vater als auch sein Onkel verdienten ihre Brötchen schon im Ruhr-Zoo Gelsenkirchen. So manche freie Stunde verbrachte Winfried Harder also bereits als Kind bei Tieren aus fernen Ländern. Oft schaute er einfach nur so vorbei, manchmal half er Vater und Onkel aus. Aus den Stunden wurden schließlich Jahre: Im November dieses Jahres macht der Tierpfleger aus Herten-Mitte sein 43. Arbeitsjahr in der heutigen Zoom-Erlebniswelt komplett.

„Gestern ist ein neuer Luchs angekommen“, nickt Harder in einem für Besucher nicht zugänglichen Gebäude Richtung Stahltür. Er arbeitet zwar originär im Futtermagazin, ist aber außerdem für die Bauernhoftiere und die Quarantänestation zuständig. Für drei bis vier ­Wochen ist die Wildkatze in der Isolierstation untergebracht, bevor sie ins Gehege zum Kater gesetzt wird. „Wir versorgen den Luchs komplett“, sagt der 58-jährige Tierpfleger, „wir ­machen sauber, wir füttern, wir geben Medikamente.“ Auch Kotproben nehmen Harder und seine Kollegen. Sie helfen der Tierärztin Dr. Pia Krawinkel zu entscheiden, wann das Tier in sein neues Zuhause im Gelsenkirchener Alaska- Revier kann.

Mit zwei Elefanten fing alles an
Angefangen hatte für Winfried Harder alles mit zwei kleinen Elefanten. Er half seinem Onkel dabei, die Mini-Dickhäuter mit der Flasche zu füttern. Seine Bäckerlehre brach er nach einem Jahr ab, als der Ruhr-Zoo ihn als Tierpfleger ­engagierte. „Ich muss mich wohl nicht ganz ­ungeschickt angestellt haben“, lacht er. Seitdem hat der dreifache Vater und vierfache Großvater in allen Revieren der heutigen Zoom-Erlebniswelt gearbeitet: Er sorgte für Raubkatzen und Bären, peppelte kleine Kängurus und Tiger auf. Bei der Frage nach seinem Lieblingstier legt sich ein bisschen Wehmut in Winfried Harders Blick. „Ich hatte eins“, sagt er und meint die Elefanten­dame Artaida, für die er seit ihrem ersten Tag im Ruhr-Zoo zuständig war. Als aus dem Ruhr- Zoo 2004 die elefantenfreie Zoom-Erlebniswelt wurde, brachte er die liebgewonnene Kuh in ihr neues bulgarisches Domizil – den Zoo von Sofia. „Wir sind noch 14 Tage dort geblieben und haben sie beobachtet.“

Der insgesamt sechs Jahre dauernde Umbau von einem Tierpark, der seine besten Tage längst hinter sich hatte, in eine der modernsten Anlagen Europas hat den 58-Jährigen nachhaltig beeindruckt: „Besonders spannend war, dass umgebaut wurde, während der Betrieb weiterlief. Man konnte tagtäglich sehen, wie sich etwas tut.“ Stolz macht Winfried Harder heute noch, dass er und einige seiner Tierpfleger-­Kollegen ein Stück weit in die Modernisierung einbezogen wurden. Ihre Erfahrungen aus jahrzehntelanger Arbeit flossen zugunsten von Tier und Mensch in die Gestaltung der Zoom-Erlebniswelt ein.

Bevor Harder ins vergleichsweise beschau­liche Futtermagazin wechselte, wo er noch heute arbeitet, war er Revierleiter in der Erlebniswelt Alaska. Da war schon ein bisschen mehr los. Aber: „Man kommt irgendwann mal an den Punkt, an dem man sich fragt: Muss ich den Stress noch haben?“ Und Tiere, so der Mann aus Herten, würde er heute ja schließlich auch noch versorgen: „Es gibt keine langweiligen Tiere.“

Tobias Mühlenschulte

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Zoom-Erlebniswelt

Bleckstraße 64
45889 Gelsenkirchen

www.zoom-erlebniswelt.de

Eintritt zwischen 12,50 und 19,50 Euro