Eine Frau am Altar – aber klar!

Marlies Hugenroth ist Pastoralreferentin in der katholischen Kirche

Ein freundliches, offenes Gesicht, ein Lachen in der Stimme. „Guten Tag,“ ruft sie und winkt. Dann ist sie auch schon mit dem Fahrrad um die Ecke. „Immer unterwegs im Namen des Herrn,“ sagt sie und lacht wieder. Doch man soll sich nicht täuschen: „Die Frau weiß, was sie will.“ Das sagt der ehemalige Westerholter Pfarrer Klaus Lunemann über Marlies Hugenroth. Die 55-Jährige ist Pastoralreferentin und Ansprechpartnerin der Katholischen Kirchengemeinde St. Martinus. Zur Pfarrei gehören inzwischen außer Westerholt die Ortsteile Bertlich, Langenbochum und Scherlebeck.

Was will sie? Sie will die christliche Botschaft überbringen. „Ich glaube, dass Menschen Vorbilder brauchen, die das Christsein leben und nicht nur davon erzählen.“ Dazu geht sie mit der Zeit. „Früher war Gesetz, was sich in der Kirche abspielte. Das ist nicht mehr so. Allein unser Ding machen, ist nicht zukunftsträchtig“, sagt sie. „Heute muss man sich vernetzen.“ Und: „Wir erfüllen keinen Selbstzweck, sondern sind für die Menschen da.“ Damit meint sie, dass die Kirche auch Dienstleister ist. „Wenn Menschen von uns noch etwas wollen, dann sollten wir darauf eingehen, allerdings ohne allem nachzugeben.“ Für Marlies Hugenroth ist es wichtig, einen Konsens herzustellen.

Wenn Marlies Hugenroth am Altar der Martinuskirche steht, fällt es nicht schwer, sie sich als Priesterin vorzustellen. Doch das können Frauen in der katholischen Kirche nach wie vor nicht werden. Würde sie es wollen?

Fortschritt in der Kirche

„Für mich war das nie eine Frage“, sagt sie, „für mich ist es sehr viel wichtiger, das Frauen in Leitungs- und Entscheidungsgremien sitzen.“ Das Bistum Münster sei da fortschrittlich. In der Priesterfrage lenkt sie den Blick vom „kleinen Deutschland“ auf die große Welt. „Vom Theologischen her muss man auf die Weltkirche gucken.

Was ist mit den vielen Ländern, die nicht so weit sind wie Deutschland? Wir müssen im Gespräch bleiben. Für mich selbst hängt die Aufgabe nicht an der Weihe. Das ist nicht meine Baustelle.“ Am 1. Januar 1999 fing sie in St. Martinus an, selbstbewusst („Ich bin schließlich genauso Theologin wie ein Priester“) aber auch gelassen („Auf Konfrontation hatte ich keine Lust mehr“).

Dennoch, klare Kante war und ist ihr wichtig. „Hätte es unter Lunemann hier nicht geklappt, wäre ich in den Schuldienst gegangen.“ Diese Mischung aus Selbstbewusstsein und Gelassenheit, Humor und Ernst in der Sache hat sie bis heute gut getragen durch ihr vielfältiges Arbeitsgebiet. Als Pastoralreferentin engagiert sie sich in der Kinder- und Jugendarbeit. Sie ist geistliche Beirätin der Katholischen Frauengemeinschaft und zuständig für die religiösen Angebote. Sie ist Beirätin der Kolpingsfamilie, zuständig für die Firmvorbereitung, den Beerdigungsdienst, Trauergespräche und Feiergestaltung.

Schulgottesdienst, Trauerfeiern und einige Wortgottesdienste stehen auf ihrem Plan. An der Martinischule, der Barbaraschule und der Martin-Luther-Schule erteilt sie insgesamt zehn Stunden Religionsunterricht. Ihr ist wichtig, eng mit den Kollegien zusammen zu arbeiten. „Ich will kein Name auf dem Papier sein. Wenn ich etwas mache, dann will ich auch Kontakt zu den Menschen haben.“ Den hat sie in Westerholt ohne Zweifel. Würde sie ihren Weg noch einmal so gehen? Marlies Hugenroth antwortet ohne zu zögern: „Ich würde das genauso wieder machen.“ Und sie lacht – natürlich.

Text: Dagmar Hojtzyk • Fotos: Marco Stepniak

Info

Katholische Kirchengemeinde St. Martinus 

Freiheit 14
45701 Herten