„Das Beste aus meinem Leben machen“

Neue Chance

„Ich lebe nicht in der Vergangenheit. Ich versuche das Beste aus meinem Leben zu machen.“ Das sagt Jennifer Schulz. Die Hertenerin ist 31 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Was ihr Leben zurzeit besonders macht: Trotz ihres reifen Alters ist sie stolze, erste Auszubildende in der Umweltwerkstatt des Diakonischen Werkes. Seit August macht sie mit Unterstützung durch das Jobcenter in Herten im Diakonie-Kaufhaus eine Betriebliche Einzelumschulung. Jennifer Schulz will Verkäuferin werden und hat das Ausbildungs­angebot, dass ihr Jobcenter und Diakonie ermöglichen, „mit Kusshand genommen“, wie sie sagt. Zurückblicken will sie nicht, weil es da viele Hürden gab, mit denen sie sich nicht belasten will. Mit einem Ein-Euro-Job ist sie 2018 bei der Diakonie eingestiegen. „Ich habe mich hier sofort wohlgefühlt“, erzählt sie. Das mag der Grund sein, warum von diesem Zeitpunkt an alles klappte, und die Verantwort­lichen ihr Potenzial erkannten.


Schnelle Entscheidung
Holger Lorenzen ist Betriebsleiter der Umweltwerkstatt. Ihm gefällt die zukunftsorientierte Art von Jennifer Schulz: „Sie hat sich innerhalb von zwei Minuten für die Ausbildung entschieden.“ Dabei ist ihm und ­Ursula Dahlmeyer, der betreuenden Fallmanagerin vom Jobcenter in Herten, völlig klar, welche Umstellung das bedeutet. Doch es passte eben. Für Ursula Dahlmeyer ist das der zentrale Punkt bei der Betrieblichen Einzelumschulung: „Das ist ein Instrument, das wir sehr individuell einsetzen können, um Langzeit­arbeitslosen mit einer fundierten Berufsausbildung eine Perspektive zu bieten.“ Die Kosten trägt dabei d as Jobcenter, nicht der Arbeitgeber. Die Umweltwerkstatt stellt den Arbeitsplatz und die Ausbilderin. Die Ausbildung für Jennifer Schulz findet wegen ihrer Lebens- und ­Berufserfahrung in verkürzter Form statt, dauert 16 statt 24 Monate. Zuvor hat sie schon in der Textilabteilung des Kaufhauses an der Langenbochumer Straße gearbeitet. Aber jetzt geht es für Jennifer Schulz „erstmal richtig los“, wie Holger Lorenzen sagt: „Jetzt lernt sie richtig Material- und Warenkunde.“ Viermal die Woche arbeitet sie im Kaufhaus, einmal pro Woche besucht sie das Berufskolleg. Auch dort hat sie schon ihren ersten Erfolg eingefahren, bekam für die Präsentation ihres Ausbildungsbetriebs ein „Gut“. Wenn Jennifer Schulz die Ausbildung zur Verkäuferin erfolgreich abgeschlossen hat, könnte sie auch noch weitermachen. Eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau liegt dann im Bereich des Möglichen. Die Entwicklung von Jennifer Schulz, die Förderung durch das Jobcenter und die Diakonie, die Betriebliche Einzelumschulung und der Ausbildungsplatz sind für Diakonie-Sprecher Michael Wiese das Paradebeispiel dafür, warum es die 1984 gegründete Umweltwerkstatt überhaupt gibt: „Viele denken zuerst an das Kaufhaus. Doch es gibt die Werkstatt nicht, um Kleidung zu verkaufen. Die Umweltwerkstatt gibt es nur, um lang­zeitarbeits­losen Menschen eine Chance zu geben.“ Jennifer Schulz ist auf dem besten Weg, ihr selbst gestecktes Ziel zu erreichen. Und vielleicht mit einem Gedanken an die Vergangenheit, sagt sie: „Im Moment bin ich stolz, dass ich die Kurve gekriegt habe.“

Text: Dagmar Hojtzyk, Foto: André Chrost

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