Liebe Alte Liebe, frischer Zauber

Paul-Heinz und Else Sander sind seit Jahrzehnten ein Paar

Die Blicke treffen sich. Plötzlich hält die Welt den Atem an, so, als warte sie nur darauf, dass sich ihre Hände berühren. Gerade sind sie sich begegnet – doch sofort ist es um sie geschehen. Bereits die Griechen in der Antike glaubten an Liebe auf den ersten Blick, Shakespeare schrieb darüber, die Beatles sangen davon; dass der Gefühlshaushalt nach nur einem Blick von derart tiefen Empfindungen überwältigt werden könnte, ist vielleicht etwas vermessen. Geborgenheit und Nähe entstehen im Lauf einer gemeinsamen Geschichte.

So wie bei Paul-Heinz und Else Sander. Ihre Liebe besteht aus Vertrauen, Intimität, Fürsorge, Zuneigung. Das erste Rendezvous hatten die Beiden vor einem halben Jahrhundert in der Gaststätte Köhler auf der Ewaldstraße. „Kennen­gelernt haben wir uns im Taxi. Paul war der Fahrer, ich saß im Fond“, erinnert sich die 83-Jährige und ihre Augen leuchten wie damals. Zwei Jahre später heiratete das Paar im Standesamt Herten.

„Der erste Blick verschafft nur Gewissheit, dass vom anderen Anziehung ausgeht. Das immerhin passiert in einem Wimpernschlag“, sagt Paul-Heinz Sander und philosophiert mit der ganzen Erfahrung seiner 84 Lebens­jahre: „Generell neigen wir Menschen dazu, unsere Vergangenheit mit den Augen der Gegenwart zu betrachten: So wie es jetzt ist, muss es immer gewesen sein. Innige Paare projizieren ihr Glück rückwirkend in die Vergangenheit und erschaffen so einen Mythos ihrer Liebe. Das mag eine Illusion sein – aber eine, die selbst einer alten Liebe frischen Zauber verleiht.“

Text und Foto: Birgit Frey