Junge Erwachsene Abgefahren – und ausgebremst

Max Grün: Vom Cockpit ins Klassenzimmer

Führerschein mit 17? Max Grün entwischt ein Grinsen. Das erste Auto bekam er mit 14. Der Schlüssel zum Suzuki Swift GTI lag unterm Weihnachtsbaum wie bei Gleichaltrigen die Spielekonsole. Jetzt, mit 19, fährt er BMW. 200 PS, mit Stahlkäfig und einem einzigen Sportsitz. Kein Pappenstiel. Mit 140 in die Kurve, mit 220 km/h auf gerader Strecke, dem Nürburg- oder Hockenheimring.

Vollgas hat Max schon immer gegeben. Mit fünf zum ersten Mal beim Motorsportclub Herten im Kart gesessen, mit 12 neben zahlreichen anderen Titeln den vierten Platz im Bundesfinale geholt. Während die Schulfreunde vom Rollerführerschein träumten, drehte der Westerholter Testfahrten auf Profi-Strecken. In seiner ersten Saison im Rennauto wurde er NRW-Meister, im September 2016 Vize bei der Deutschen Amateur Rundstreckenmeisterschaft auf dem Hockenheimring. Sein letztes Rennen vor der Vollbremsung: dem Abitur. Max schält sich in seinen Rennanzug. Ein dreifarbiger Riesen-Strampler, viel zu warm mit normaler Kleidung darunter an diesem sonnigen Nachmittag. Die Tore der Doppelgarage sind geöffnet. Pokale, Reifenstapel, Werkzeuge, mittendrin der BMW, darüber ramponierte Kart-Verkleidungen. Eine Spielwiese für Schrauber, für Vater und Sohn. Mittlerweile sind beide hier nicht mehr so oft.

Ein Jahr Pause jetzt, haben die Eltern gesagt. Max hat seinen BMW in die Garage gefahren – und statt den Fuß aufs Gas die Schulbank gedrückt. Am Recklinghäuser Max Born Berufskolleg paukt der 19-Jährige gerade für sein Fachabi mit Schwerpunkt Maschinenbautechnik. Ob er sauer sei, dass seine Karriere im Rennsport vorerst auf Eis liegt? „Nein“, beteuert Max, „ich merke, dass es richtig ist, auch wenn ich die Entscheidung selbst so nicht getroffen hätte. Aber das mit der Schule wäre sonst beinah in die Hose gegangen.“ Früher, da stand das Lernen hinten an: „Teilweise wurde ich Donnerstag und Freitag vom Unterricht befreit, damit ich schon mittwochs zu Rennen fahren kann“.

Irgendwas mit Autos

Max dreht die Zündschlüssel im Schloss, der Motor heult auf. Knatternd rollt der Wagen auf den Garagenhof, es riecht nach Abgas und Benzin. „Wenn ich das schon rieche! Da hört’s bei mir schon wieder auf“, sagt Max und steigt aus. Der Ausstieg fiel dem Hertener nicht leicht, auch wenn das Rennfahren für ihn nie mehr war als ein Hobby. Max ist da ganz Realist: „Rennfahrer? Klar wäre das ein Traum. Aber das ist zu 99 Prozent nicht machbar. Nur über Leistung kommst du nicht nach vorne, da musst du richtig Kohle haben. Ich rede von 15.000 bis 150.000 Euro – und dann bist du bei Formel4.“ Was Max jetzt wichtig ist? Seine erste eigene Wohnung, bis Ende des Jahres will er Zuhause ausgezogen sein. Die Freundin. Das Abi – und der Berufseinstieg. Und ja, gern „irgendwas mit Autos“, ob kaufmännisch oder mechanisch, Hauptsache kein Studium, „ich hab kein Bock, nochmal fünf Jahre lang Stoff in den Kopp zu kriegen.“ In der Schule laufen Berufstests, doch ein konkreter Plan ist daraus nicht entstanden. „In meinem Kopf ist immer der Hintergedanke: Was du jetzt entscheidest, machst du dein Leben lang.“

Was Max sicher weiß: „Den Motorsport, irgendwie will ich das beibehalten“. In einem Jahr will er wieder anfangen zu fahren. Vom eigenen Geld. Und bis dahin? „Ist die Konkurrenz froh, dass sie mich los ist“.

Text: Raphaela Willwerth • Fotos: Markus Mucha

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