Gemeinsam neue Wege in der Jugendarbeit gehen

Neue Wege der Jugendarbeit in Herten

Im Jugendzentrum Nord diskutierte HERTEN ERLEBEN mit Karina Spohr, Hofleitung des Hof Wessels, Gisela Groth, Geschäftsführung und Khaled El Osman, Veranstaltungstechniker Jugendzentrum Nord sowie Bettina Dembski, Marketingabteilung, Silke Voß-Schulz, Markt­bereichsdirektorin der Sparkasse Vest und Auszubildende der Sparkasse Vest Cheyenne Kipker welche neuen Wege der Förderung in der Jugend­arbeit es gibt.

Jugendarbeit wird schwerer
„Unsere Arbeit hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Verbale und psychische Gewalt nimmt zu, die Kommunikation wird immer schwieriger und die Verstän­digung mit den Eltern auch. Neben der finanziellen und perso­nellen Unterstützung, brauchen wir vor allem Anerkennung“, so Khaled El Osman über seine momentane Arbeit mit und für Kinder und Jugendliche. Psychische Last Durch Social Media würde die Welt zwar vernetzter, aber dieser Fortschritt birgt auch Gefahren. Mobbing und Feindseligkeiten werden nicht mehr mit Fäusten, sondern mit dem Smartphone aus­getragen: „Früher haben sich die Jugendlichen unmittelbar miteinander aus­einandergesetzt, heute geht es durch die Sozialen Medien und die psychische Gewalt nimmt zu“, so Gisela Groth.

„Wir bieten Alternativen“
Die grundlegende Aufgabe von Jugend­arbeit ist es, Alternativen und posi­tive Erinnerungen zu schaffen, um das Ziel zu erreichen, Jugendliche und Kinder für die Gesellschaft und das Zusammenleben innerhalb einer Gemeinschaft zu stärken. Der Hof Wessels bietet solche Alternativen durch die Wildnis-Freizeit oder Ferien auf dem Hof. Auch das Jugendzentrum veranstaltet Ausflüge und Freizeiten, in denen Heran­wachsende Gemeinschaft erleben und positive Erfahrungen sammeln können. „Nur so ist die Jugendarbeit messbar. Die Kinder und Jugendlichen freuen sich und berichten zuhause darüber“, so Karina Spohr vom Hof Wessels.


Wertschätzen und stärken
Einig war sich die Runde, dass die Jugendarbeit in den Kommunen gestärkt werden müsste - dafür wünschen sich alle Gesprächspartner mehr poli­tischen Rückhalt. Da die finanziellen Rahmenbedingungen in hochverschuldeten Gemeinden wie Herten allerdings eng gesteckt sind, sei es sinnvoll, die Möglichkeiten aus dem Bildungs- und Teilhabegesetz besser auszuschöpfen: „Es wäre schon eine große Hilfe, wenn die Anträge einfacher gestaltet und schneller abgearbeitet werden könnten“, so Silke Voß-Schulz.

Konsequenzen spüren lassen

Die Beteiligten der Diskussionsrunde wünschten sich, dass Eltern, Schule und freie Jugendarbeit mehr an einem Strang ziehen – besonders, wenn es darum geht, Jugendlichen die Konsequenzen ihres Verhaltens aufzuzeigen oder diese im Falle von Fehlverhalten spürbar zu machen. Auf der anderen Seite bräuchten die Praktiker mehr Freiraum für ihre tägliche Arbeit: „Das Jugendschutz­gesetz engt stark ein. In der Arbeit mit Jugendlichen brauchen wir Locke­rungen und Ermessenspielräume, in denen wir agieren können“, erklärt Khaled El Osman. Mehr Wertschätzung, mehr Unterstützung, mehr Freiräume – es geht in der Jugendarbeit sicher nicht nur um mehr Geld, so der Tenor der Runde. Aber die Einrichtungen bräuchten eben auch Mittel, um attraktive Alternativen zu bieten und gegenüber den kommerziellen Angeboten wie Shisha- Bars mithalten zu können, die wie Pilze aus dem Boden schießen und Jugendliche anlocken.

Text: Sandrine Seth, Fotos: Markus Mucha