Inklusion ist nicht einfach „all inklusive“: Paten dringend gesucht!

Do
05
Jul
Zeit:
17:00 - 19:00

Ein paar Momente schenken Hertener Kindern eine Zukunft!

„In der aktuellen Situation in unserem System behindern wir ‚unsere‘ Kinder.“ Susanne Schulte-Hullern ist Schulleiterin an der Süden Grundschule in Herten und entschlossen. Sie ist entschlossen, nicht zuzulassen, dass Kinder zurück bleiben, gar nicht erst eine Chance bekommen.

Das klingt im ersten Moment alles nach politischer Phrasendrescherei, aber die Lehrerin ist drastisch deutlich: „Wir müssen mit ansehen, wie Kinder gar nicht erst eine Chance bekommen.“ In manchen Klassen fallen alle Schülerinnen und Schüler ausnahmslos durch die Fahrradprüfung, weil sie nicht wissen, wie man Rad fährt. „Würde ich die Kinder am Straßenverkehr teilnehmen lassen, wären die meisten am nächsten Tag tot.“Die Zahl der Nichtschwimmer ist hoch, und die Hausaufgabenpflicht wird für Kinder, deren Eltern keine Notwendigkeit im Erledigen der Aufgaben sehen oder gar keinen Schreibtisch haben, zur Tortur.

„Wir gehen als Schule, bei Organisationen und Ämtern an unser Limit, müssen vieles geschehen lassen, weil wir nicht genug Leute sind, die helfen können.“ Allerdings können Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg durchs Schulsystem und - im Idealfall - in den Beruf nicht so lange darauf warten, bis irgendein Entscheider in der Politik eine Lösung herzaubert. Wo soll die auch herkommen - diese Frage steht den Beteiligten an dem Projekt „Inklusiver Stadtteil Herten-Süd“ ins Gesicht geschrieben.

Bei der vierten Veranstaltung des Projekts - nach den Themen „Freizeit und Wohnen“, „Bildung“ und „Mobilität und Kommunikation“ - geht es am Donnerstag, 5. Juli, um „Arbeit“: „Welche Möglichkeiten und Chancen gibt es, wo liegen die Hemmnisse auf dem Weg zur Inklusion?“ Nach dem Referat können sich die Gäste austauschen und über Erfahrungen und Ideen beraten.

„Um ‚unseren‘ Kinder ein wenig Anleitung zu geben, wenn die Eltern es nicht können, sind wir auf Hilfe angewiesen.“ Ehrenamtliche Paten könnten die Lösung sein. Menschen, die Kindern helfen möchten, etwas aus ihren Talenten und ihrem Wissensdrang zu machen. Die sie mal zu so Terminen wie „Kinder-Uni“ begleiten, mit ihnen Rad fahren üben oder bei den Hausaufgaben helfen. Möglichkeiten gibt es zahllose, sie müssen nur wahrgenommen werden. Susanne Schulte-Hullern: „Sonst verkümmern uns immer mehr junge Menschen.“ Und sie fügt ein paar erschütternde Fakten hinzu: „Es gibt Kinder, die waren noch nie in einem Wald, würden so gerne eine Sportart erlernen oder haben schlichtweg ein wenig Rhythmus in ihrem Alltag dringend nötig.“

Auch Stephanie Galla, OGS-Leiterin an der Süder Grundschule, sieht das ähnlich. „Ich wünschte, es würde ein Netzwerk von Helfenden geben, damit Inklusive eben auch bedeutet, dass wir in unserem System niemand dabei ‚behindern‘, ein aufgeschlossener und wissbegieriger großer Mensch zu werden.“

Text: Mareike Graepel • Foto: Markus Mucha

Info:

Nächsten Veranstaltung des Projekts „Herten-Süd: Beleben. Besuchen. Dabei sein.“
am Donnerstag, 5. Juli, um 17 Uhr bei PROSOZ (Ewaldstr. 261).

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