Zwischen Schulranzen und Kamera

Kinder erklären die AWO

9:35 Uhr. Alles auf ­Anfang. Noch eben die Stimme räuspern, den pink-roten Scout Ranzen über die Schulter werfen und dann kann es losgehen. Kamera ab. Klappe die zweite. „Hallo ich bin Amanda“, „...und ich bin Nis“. Diese aufregende Erfahrung durften die zwei Hauptdarsteller des neuen Films über die AWO drei Monate lang machen. Anlass ist ein besonderes Jubiläum: Die Arbeiterwohlfahrt feiert 2019 ihren 100. Geburtstag – und das war für den RDN Verlag in Recklinghausen Grund genug, einen Film über den Wohlfahrtsverband zu drehen: Hundert Jahre Einsatz für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz. Genau diese Botschaft wollten Markus Mucha, Jörn-Jakob Surkemper undTatjana Hetfeld vom RDN-Redaktionsteam und „Die schlauen Reporter“, bestehend aus der achtjährigen Amanda und dem zehnjäh­rigen Nis, transportieren. Und zwar in einem zwölfminütigen Erklärfilm, der ganz bewusst für Kinder gedacht und mit Kindern gemacht ist. Für die Produktion hat sich der RDN Verlag dafür den Filmemacher George Sommer aus Recklinghausen an Bord geholt. „Seit vielen Jahren realisieren wir größere Filmprojekte ­gemeinsam mit George. ­Dieses Projekt war dabei mit Abstand das Aufwändigste“, erklärt Projektleiterin Tatjana Hetfeld. Mehrere Wochen sind „die schlauen Reporter“ der AWO auf den Grund gegangen und wollten wissen: Wofür steht die AWO? Welche Einrichtungen stehen dahinter? HERTEN ERLEBEN hat einen Blick hinter die Kulissen der Filmproduktion geworfen. Ob in der Wohnstätte für Menschen mit Behinderung oder in der Kita, die jungen Reporter haben in fünf Bereiche ihre Nase reingesteckt und mit ihrer unverblümten, charmanten Art nachgehakt. Dass sie auf dieser Reise sogar auf ein Therapieschwein treffen oder bei dem ambulanten Pflegedienst mitfahren dürfen, hätten sich Amanda und Nis nicht ausmalen können. Regisseur George Sommer konnte während der Dreharbeiten beobachten, wie die kleinen Moderationstalente aufblühten: „Die Kinder wurden mit der Zeit immer ­lockerer. Sie durften in Lebensbereiche ­hineinschauen, die sie sonst nicht kennengelernt hätten.“



Von der Idee zum Konzept
Die Grundidee des Films war, Kinder die Geschichte der AWO erzählen zu lassen. ­ So kam es auch zu einem Castingtermin. Kinder von Mitarbeitern und Bekannten haben sich vor eine Kamera gestellt und vorgesprochen „Wir haben in einem Team geschaut, ob die Kinder eine gewisse ­Präsenz haben“, beschreibt Tatjana Hetfeld vom RDN Verlag den Auswahlprozess. Letztendlich haben aber alle Kinder, die sich beworben haben, eine Rolle bekommen. Doch nicht nur die Filmcrew musste gut durchdacht werden, sondern auch die Konzeption: Zuerst entwickelte das Team aus Redakteuren und Grafikern ein Storyboard. Kameraeinstellungen, Off-Texte und Übergänge zu den einzelnen Einrichtungen sind festgelegt worden. Eine Drohne für ­Panoramaluftbilder kam auch zum Einsatz. Weiter ging es mit der Suche nach geeigneten Drehorten. Ein Highlight, das un­bedingt abgelichtet werden musste und durchaus für Stirnrunzeln sorgte, war das Therapie-Schwein Felix. „Ein Film wird immer etwas anders, als man ihn sich ­vorgestellt hat. Man weiß nie was man vorfindet. Der Film ist zum Beispiel auch länger geworden als geplant, einfach weil es so viele interessante Bereiche gab“, ­erklärt George Sommer.

AWO packt mit an
Beim Dreh selbst konnte der Filmproduzent voll und ganz auf die Unterstützung des Wohlfahrtsverbands zählen. Die AWO hat unter die Arme gegriffen, wo es nur ging: „Ob es um die Bereitstellung des Archivmaterials ging oder um die Geduld der Beteiligten, wenn Szenen neu gedreht werden mussten – das hat alles super geklappt “, lobt er.

Final Step: Schneiden
Beim Schneiden des Films ging es darum, die Dramaturgie so zu gestalten, dass der Zuschauer dranbleibt. „Nach etwas ruhigeren Szenen im Seniorenzentrum muss ein Überraschungs­moment kommen – schnellere Schnitte oder dynamische Musik“, erklärt der Filmemacher. Zum Schluss ging es in die Korrekturphase: „Es gibt ganz viele Dinge zu beachten, Übergänge und korrekte Formulierungen gehören dazu“. Als die Filmproduktion fertig ist, zeigt sich auch George Sommer erleichtert: „Ich freue mich, wenn ein Projekt geschafft ist. Positive Rückmeldungen und Lob machen mich natürlich stolz.“ 16:25 Uhr. Die letzte Szene steht an. Amanda und Nis stehen in der Redaktion: „Und, habt ihr alles gecheckt?“. Beide grinsen in die Kamera. Geschafft!

Text: Nina Hahn • Fotos: Markus Mucha • Video: sommer medien Filmproduktion und RDN Verlag