So alt wie die AWO

Gertrud Weiser ist seit 70 Jahren Mitglied bei der AWO

Was haben Wohlfahrtsmarken der Post und Gertrud Weiser gemeinsam: Das „Porto mit Herz“ wird 70 Jahre alt. Die Süderin ist seit 70 Jahren Mitglied der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Auch das Motiv der aktuellen Brief­marke – die Märchenfigur das „tapfere Schneiderlein“ – hat ganz viel mit der Ehrenamtlerin gemeinsam. Im Märchen bewältigt der Protagonist als unerschrockener Kämpfer schier unlösbare Aufgaben und wird am Ende mit einem halben Königreich belohnt. Wegbegleiter bescheinigen der Jubilarin ähnliche Qualitäten. Der Vorsitzende des AWO Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen, Christian Bugzel, beschreibt sie als „engagierte Kämpferin“. Sie sei mitunter hart in der Sache, allerdings hierbei mit Herzenswärme stets an Lösungen für die Menschen in Herten interessiert gewesen. Sohn Herbert Werner schätzt an seiner Mutter den „starken Charakter sowie ihr Organisationstalent“, während Schwiegertochter Christel Werner ergänzt: „Sie konnte sehr direkt sein, aber war nicht hinterlistig, sondern immer geradeaus.“


Über 70 Jahre Engeagement

15 Jahre lenkte die inzwischen 99-Jährige die Geschicke des Ortsvereins Mitte-Süd, zwölf Jahre bis 1983 dann den AWO-Stadtverband und prägte wesentlich das soziale Leben in Herten. Während dieser Ägide entstanden das Jugendheim an der Königsberger Straße und der angedockte Kindergarten – Keimzelle späterer Einrichtungen und sozialer Dienstleistungen, etwa die Betreuung von Migranten mit dem ersten türkischen Sozialarbeiter Hertens, Mustafa Ceylan, oder des ersten Ambulant Betreuten Wohnens für Menschen mit pyschischer Erkrankung im Vest. Parallel war Gertrud Weiser in der Politik aktiv. Auf 22 Jahre brachte sie es im Rat der Stadt Herten, ebenso wirkte die Sozialdemokratin im Kreistag. Für ihr soziales und politisches Engagement ist sie mit dem Bundesverdienstkreuz und der Marie-Juchacz- Medaille ausgezeichnet worden.

Ein Runder Geburtstag
Die 70-jährige Mitgliedschaft von Gertrud Weiser fällt in die Zeit, in der der Bundesverband den 100. Geburtstag feiert. Der stellvertretende Vorsitzende des Stadtverbandes Herten, Björn Przybysz, kündigt an: „Am 30. Juni feiern wir mit allen örtlichen AWO- Gliederungen in der Zeit von 11 bis 17 Uhr ein zünftiges Familienfest rund ums Bürgerhaus Süd. Wir hoffen, dass die Mutter der Hertener AWO, Gertrud Weiser, mit dabei sein kann.“ Die Angesprochene hat zwar nicht – wie das tapfere Schneiderlein – ein halbes Königreich errungen, dafür eine Dynastie begründet. Die Söhne Herbert und Winfried sowie die Schwiegertöchter Christel und Marianne sind jüngst für 40-jährige Treue zur AWO geehrt worden. Enkelin Kerstin trägt ebenfalls die soziale Familien-DNA in sich. Sie ist Sozial­pädagogin, allerdings bei der Diakonie.

Text: Michael Polubinski • Fotos: André Chrost

Info

AWO Stadtverband Herten
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45699 Herten
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