Mit Power zur Pflegekraft

Jelena Velickovic ist Gesundheits- und Altenpflegerin

Ende März war es endlich soweit: Jelena Velickovic hat ihre ersehnte Urkunde erhalten. Sie darf in Deutschland die Bezeichnung Gesundheits- und Krankenpflegerin führen, wie es darauf offiziell heißt. Seit dem 1. April hat die 40-Jährige darüber hinaus eine feste Stelle, zunächst einen Zweijahresvertrag. Sie ist für Martinus Ambulante Dienste am Gertrudis- Hospital unterwegs und pflegt Patienten in deren eigenem Zuhause.

„Die Kollegen kenne ich bereits aus meiner Praktikums­zeit dort – das ist ein supertolles Team“, schwärmt Jelena Velickovic. Ihre Fallmanagerin Margit Lietz freut sich mit ihr: „Wir haben Frau Velickovic direkt nach ihrer Elternzeit in die Betreuung genommen“, sagt die Mitarbeiterin des Jobcenters des Kreis Recklinghausen, „sie war von Anfang an sehr motiviert.“

Als Jelena Velickovic 2007 nach Deutschland kam, war für sie klar: „Ich liebe meinen Beruf und möchte weiter im Gesundheitsbereich arbeiten!“ Elf Jahre war sie in ihrer Heimat als ausgebildete Krankenschwester tätig, „zuletzt auf der Intensivstation der Kardiologie in Pristina“, erzählt die dreifache Mutter. „Es war mühsam, meine Zeugnisse und das Diplom aus Serbien zu beschaffen“, führt sie aus. „Durch den Krieg im Kosovo ist vieles nicht mehr dort, wo es vorher war.“ Allerdings wird der Abschluss aus Serbien in Deutschland erst nach einer zusätzlichen Prüfung anerkannt – oder nach 1250 Praktikumsstunden.

Obwohl Jelena Velickovic bereits an zwei Deutschkursen teilgenommen hatte, entschied sie sich für das Praktikum: „Vorher habe ich zusätzlich einen speziellen Deutsch-Sprachkurs für Pflege und Betreuung besucht.“ Während der gesamten Maßnahme waren Jelena Velickovic und ihre Fallmanagerin in Kontakt. „Persönliche Gespräche sind wichtig“, betont Margit Lietz, „da Frau Velickovic für ihre Arbeit nicht bezahlt wurde, hat das Jobcenter zumindest die Fahrtkosten und die Verwaltungsgebühren übernommen.“

Familienfreundliche Arbeitszeit

Die Arbeitszeiten in den verschiedenen Abteilungen von Innere Medizin über Neurologie bis zum angeschlossenen Ambulanzdienst wurden vor Ort für die Berufsanerkennung genau dokumentiert. Die Arbeit half dabei, die Sprachkenntnisse zu festigen – und den besten Eindruck zu hinterlassen: „Ich hätte anschließend in mehreren Abteilungen anfangen können“, sagt Jelena Velickovic.

Über das Angebot des Leiters der Martinus Ambulante Dienste, Wilfried Weeke, war die Wahl-Westerholterin besonders froh: „Die Arbeitszeit lässt mich noch genügend für meine Familie da sein“, erklärt sie. Aufstehen im Morgengrauen, unterwegs ab kurz nach sechs Uhr und je nach Dienstplan bis zu 20 Menschen versorgen: „Die Patienten waschen, sie anziehen, ihnen Frühstück machen und ihre Medikamente bereitstellen“, so fasst Jelena Velickovic ihre Aufgaben knapp zusammen. „Ein freundliches Gespräch gehört natürlich zu all meinen Besuchen dazu – ich bin doch kein Roboter“, ergänzt sie.

Die drei Kinder Matija (9), Andjela (7) und Marija (5) finden es klasse: Die Mama ist schon zu Hause, wenn sie aus Schule und Kindergarten heimkommen. Morgens ist Papa Nebojsa ganz für die Kinder da. Der 56-Jährige ist in der Gastronomie beschäftigt, seine Arbeit beginnt am Nachmittag. Gutes Timing und Zusammenhalt, das ist und bleibt wichtig bei Familie Velickovic. „Mein Mann hat mir während der gesamten Zeit immer zur Seite gestanden“, sagt die frischgebackene Gesundheits- und Krankenpflegerin. Genau so begeistert sind sie und ihre Fallmanagerin Margit Lietz von der Unterstützung durch das Gertrudis-Hospital Westerholt: „Die Zusammenarbeit war super.“ Zurzeit hat Jelena Velickovic einen Teilzeitjob. „Ich bin außerdem Springerin“, sagt sie, „fällt eine Kollegin aus, packe ich meine Tasche und bin in ein paar Minuten an der Dienststelle.“

Text und Fotos: Dr. Ramona Vauseweh

Info

Jobcenter Kreis Recklinghausen
Bezirksstelle Herten

Margit Lietz
Tel. 02366 1810-0

Martinus Ambulante Dienste

Kuhstraße 25
45701 Herten

Tel. 0209 357050