Lebenshilfe plant Wohnprojekt

Lebenshilfe plant Wohnprojekt

Was Doris Link-Stein beruflich macht, klingt erstmal sperrig. „Ambulantes unterstützendes Wohnen“ – diesen Fachbereich leitet die Sozialarbeiterin bei der „Lebenshilfe Mitte Vest“. Dahinter verbergen sich ganz handfeste, lebenspraktische Hilfen für rund 60 Menschen mit Behinderung in Herten: „Wir gehen mit unseren Klienten zum Arzt, unterstützen im Haushalt, helfen bei der Wohnungssuche, begleiten bei ­Konflikten am Arbeitsplatz, organisieren Freizeitangebote wie jüngst das Sommercamp im Forsthaus Haidberg (Marl) und moderieren bei Problemen in der Partnerschaft. Im Einzelfall reicht das bis hin zur Ernährungsberatung. Etwa wenn jemand in der Familie an einer Gluten-Intoleranz leidet. Nicht zu vergessen der Papierkram mit Behörden und Förderern.“

Oberstes Ziel aller Hilfen ist: „Unsere Klienten sollen in der eigenen Wohnung möglichst selbständig leben können.“ Anspruch auf eigenes Leben Weil das zwölfköpfige Team von Doris Link-Stein meist im unmittelbaren ­Lebensbereich der Klienten aktiv ist, sind Aktivitäten der Lebenshilfe selten auf dem Radarschirm der Öffentlichkeit sichtbar. Hinzu kommt, dass der Sozialverband — abgesehen von der Geschäftsstelle an der Kaiserstraße 95 — noch keine eigene Einrichtung in Herten unterhält. Das kann sich ändern.

 

 

Geschäftsführer Stefan Wilms Kuballa: „Aktuell planen wir ein Wohnprojekt für junge Menschen mit geistiger Behinderung.“ Mit Recklinghausen, wo die Lebenshilfe Mitte Vest e.V. ihre Zentrale ­unterhält, zählt Herten zum mög­lichen Standort. Klaus Bultmann aus Herten-Süd, bis 1991 zunächst ehrenamtlicher Vorsitzender und bis zur Pensionierung hauptamtlicher Geschäftsführer, sagt zum Bedarf: „Eltern treibt sorgenvoll die Frage um, was passiert mit unserem behinderten Kind, wenn wir nicht mehr da sind.“ Unabhängig davon hätten Menschen mit Behinderung einen Anspruch auf ein eigenes Leben. Dafür setzt sich die Lebenshilfe ein. Notwendiges und Wünschenswertes fällt schon mal durch die Maschen von Förder-Richtlinien. Dann springt die Stiftung Lebenshilfe ein.

Das Gesicht dazu ist Manfred Withus, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes. Der pensionierte Versicherungsdirektor verkauft Gewürze beim Feierabendmarkt Kulinaris im Glashaus, kooperiert mit Lions und Rotariern bei Konzerten, nutzt seine Kontakte. So kommen jährlich in der Spitze bis zu 30.000 Euro zusammen. Und wenn Menschen mit Behinderung einmal fliegen wollen? Dann kriegt es Manfred Withus hin, dass Dr. Raimund Utsch und Jürgen Kayser vom Flugplatz Loemühle die zwölf jungen Leute einladen. „Ein positiv umtriebiger Mensch“, lobt Stefan Wilms Kuballa.

Text:Michael Polubinski • Fotos: Markus Mucha

Info

Lebenshilfe Mitte Vest e.V.
Kaiserstraße 95
45699 Herten
Tel. 02366 9376163
www.lebenshilfe-mitte-vest.de