Glücksgöttin für die Innenstadt

Wie Jobcenter, Caritas und rebeq Langzeitarbeitslose auf neuen Wegen unterstützen wollen

Fortuna heißt die römische Glücks- und Schicksalsgöttin. Und nicht von ungefähr hat ein neues Projekt für die Hertener Innenstadt diesen Namen: ForTUNa. Sein Glück machen, sein Schicksal in die Hand nehmen: Das soll der Name signalisieren. Und Menschen, die bislang nicht gerade vom Glück verwöhnt waren, sollen genau das „TUN“. Dazu bekommen sie Hilfe und tatkräftige Unterstützung – wenn sie wollen. Denn alles ist freiwillig. In der Arbeit mit in Langzeitarbeits­losigkeit lebenden Familien wird ForTUNa neue Wege beschreiten. Hinter den Schwierigkeiten bei der beruflichen Integration stehen bei vielen erwerbslosen Menschen, neben fehlenden Qualifika­tionen, zumeist vielfältige individuelle und soziale Probleme, die das Projekt in den Blick nehmen wird. Koordiniert wird ForTUNa von der Caritas und der rebeq, einer Tochter­gesellschaft der Arbeiterwohlfahrt. Mit im Boot sind das Jobcenter, das Familienbüro, eine Kooperation von Caritas und Diakonie und die Stadt Herten. Im Gespräch ist man mit vielen anderen Beteiligten, die für die Innenstadt tätig sind.

Im Rahmen des Handlungskonzeptes „Neustart Innenstadt“ wendet sich ForTUNa speziell an Langzeitarbeitslose. Der wichtige Ansatz ist hier, die gesamte Familie in den Blick zu nehmen. Die Notwendigkeit für ein umfassendes Sozialprojekt in der Innenstadt wird durch Zahlen deutlich: Von 3 965 Einwohnern, die im Innenstadtbereich leben, sind 1 363 Hartz-IV-Bezieher. Das ist mehr als ein Drittel der dort lebenden Bevölkerung.

Intensive Einzelfallberatung

Freia Lukat (Caritas), Christoph Kothes und Kim Jonner (beide rebeq) machen in einem Gespräch klar, wie sie soziale Arbeit verstehen. Freia Lukat: „Wir gehen zu den Menschen hin, und wir machen intensive Einzelfallberatung.“ Zusätzlich will man mit unterschied­lichen Projekten (Filme, Theater und mehr) dazu beitragen, dass die Beteiligten ihre eigenen Kompetenzen erkennen. „Kreative Arbeit kann das unterstützen“, sagt Freia Lukat. Bevor ein Mensch über Arbeit und Beruf nachdenken könne, müsse er zunächst einmal wieder an sich selbst glauben. Soziale Teilhabe und Arbeitsmaktintegration ergänzen sich in der methodischen Arbeit. Erst wenn die persönlichen Fähigkeiten erkannt sind, aktive Mitgestaltung, Teilhabe und der Aufbau einer Beziehungskultur gelungen ist, können die jeweiligen Fähigkeiten bewusst bei der Arbeitsmarktintegration eingesetzt werden. Ob Behördenpost oder Finanzprobleme: Jede Art von Beratung und Unterstützung wird die rebeq leisten, die von jeher Beratungs- und Bildungsangebote für arbeitslose Menschen und besonders benachteiligte Zielgruppen entwickelt. Das Problem Langzeitarbeitslosigkeit nimmt Christoph Kothes sehr ernst. Auch wenn innerhalb eines Jahres die Zahl der Arbeitslosen in Herten insgesamt leicht zurückgegangen ist (von 12,1 auf 10,9 Prozentpunkte), sagt er: „An der Sockelarbeitslosigkeit hat sich nichts geändert.“

„Projekt zum Erfolg führen“

Kim Jonner will daher in der Innenstadt speziell die Gruppe der 14- bis 27-Jährigen erreichen: „Viele von ihnen haben schon reichlich Misserfolge erlebt.“ Die Caritas wendet sich besonders an Familien und Alleinerziehende. Vor diesem Hintergrund ist das Familien­büro mit seiner langjährigen Erfahrung in der aufsuchenden Arbeit mit im Boot. Vier Jahre haben das Jobcenter in Herten und die Träger an den Plänen gearbeitet, die nun umgesetzt werden sollen. Auf drei Jahre ist das Projekt ForTUNa aus­gerichtet. Zurzeit werden zwei Projektbüros als Anlaufstellen ein­gerichtet. Das der Caritas ist demnächst an der Hospitalstraße 10 zu finden, das der rebeq in der Fußgängerzone Ewaldstraße. Freia Lukat, Christoph Kothes und Kim Jonner haben ein Ziel: „Wir wollen alles tun, um dieses Projekt zum Erfolg zu führen.“

ForTUNa könnte wegweisend sein. Zum einen für das Jobcenter, das neue Wege erprobt, um in Zukunft mit veränderten Maßnahmen mehr Menschen helfen können. Zum anderen könnte sich aus ForTUNa ein Zentrum für soziale Integration bei der Stadt Herten entwickeln. „Es ist ein Experiment“, sagen die Beteiligten und wünschen sich auch – Glück.

Text: Dagmar Hojtzyk • Fotos: André Chrost

Info

Ansprechpartner*innen

Jobcenter Kreis Recklinghausen
Bezirksstelle Herten
Tel. 02366 1810-0

Caritas
Freia Lukat
Tel. 02366 304465

AWO (rebeq)
Kim Jonner
Tel. 02366 180422
Mobil 0176 16162071

Das Projekt ForTUNa wird mit Mitteln des Landes NRW aus dem Programm „Starke Quartiere, starke Menschen“ zu 90 % gefördert. Darin sind auch Gelder des Europäischen Sozialfonds (ESF) ent­halten. Das Jobcenter fördert mit 10 %. Vier Vollzeitstellen werden eingerichtet, je zwei bei der Caritas und der rebeq.