Die AWO baut aus: Neue Kita

Neue AWO Kita

Von außen scheint der kastige Klinkerbau direkt neben der AWO-Wohnstätte Herten bereits fertig. Lediglich zwei Firmenfahrzeuge deuten auf die noch laufenden Arbeiten. Drinnen schraubt gerade ein Handwerker die dunkle Holzgarderobe der „roten Gruppe“ an die Wand. Ein Hauch von frischer Farbe liegt in der Luft. „Nächste Woche kommen Teppiche und Möbel“, sagt die künftige Kita- Leiterin Beate Kullik. „Wir liegen gut in der Zeit.“ Noch sieht es etwas spärlich aus in den drei Gruppen­räumen. Hier eine Spielküche, da ein Schaukelpferd lassen das rege Treiben kaum erahnen, das hier in rund einem Monat herrschen wird. Zwei Gruppen des Typs 1 für je 20 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren und eine des Typs 3 für 25 Kinder zwischen drei und sechs Jahren werden dann die jetzt noch kahlen Räume mit Leben füllen. „Herten wächst wieder“, sagt Kerstin Schäfer, Fachbereichsleiterin Kita-Süd des AWO-Unterbezirks. „Es gibt Zuzüge und eine gestiegene Geburtenrate, und das Angebot an Betreuungsplätzen ist weiterhin nicht auskömmlich.“ 2017 fiel die Entscheidung zum Bau der Kita zwischen Landesjugendamt, Stadt und AWO. Im Sommer 2018 dann der Spatenstich. Errichtet hat das Gebäude ein privater Investor. Die AWO hat einen Mietvertrag über 30 Jahre.

Endlich ein Außengelände

65 Plätze stehen in der Kaiserstraße ab dem Kita- Jahr 2019/2020 zur Verfügung; 25 fallen zugleich durch die Schließung der Kita Gartenstraße weg. 14 Kinder wechseln von dort in die neue Einrichtung. „Die Gartenstraße war nicht mehr ausbaufähig“, erklärt Schäfer. Die Einrichtung war in zwei Wohnungen eines Wohnhauses untergebracht und hatte kein Außengelände. Nun stehe auch pro Gruppe deutlich mehr Platz zur Verfügung, aufgeteilt auf drei Gruppen- und Nebenräume, zwei Schlafräume, einen Bewegungsraum, eine Küche, einen Mitarbeiterraum, ein Büro für die Leitung – und ein Außen­gelände. Das hat zwischenzeitlich knie- bis hüfthohes Unkraut erobert, doch noch während der Sommerferien soll der Wildwuchs einem Rollrasen, Klettergerüst, Rutsche und einer Nestschaukel weichen. Nur zwei Schaukelpferde warten um die Ecke bereits einsam auf einige Liter Rindenmulch und natürlich auf die Kinder.

Viele kulturelle Hintergründe
„In der Gartenstraße hatten wir vornehmlich arabischsprachige Kinder“, sagt Leyla Karil, die von dort in die neue Einrichtung wechselt. Nun werde es gemischter, was gut sei und neue Herausforderungen mit sich bringe, so die Heilerziehungspflegerin und stellvertretende Leiterin. Viele der Eltern seien nicht berufstätig, sogar einige Analphabeten seien darunter. „Sprache, Ernährung und Bewegung werden bei unserer Arbeit eine große Rolle spielen“, sagt Chefin Beate Kullik – vielleicht auch irgendwann als Familienzentrum. Sie freue sich auf die neuen Aufgaben. Die gelernte Erzieherin und langjährige Leiterin der Kita Königsberger Straße hatte vor 32 Jahren ihre berufliche Laufbahn in der Kita Gartenstraße begonnen. „Aber ich habe noch nie eine Einrichtung mit aufgebaut. Das ist noch mal eine schöne neue Herausforderung“, sagt die 53-Jährige. Sieben Erzieherinnen, eine Heilerziehungspflegerin, eine Hauswirtschaftskraft und sie als Leitung werden an der Kaiserstraße arbeiten. Die Fachkräfte seien je zur Hälfte AWO-in- und extern rekrutiert worden – auch das eine große Herausforderung in Zeiten des Fachkräftemangels, sagt Kullik.

Text: Jörn-Jakob Surkemper • Fotos: Markus Mucha