Bingospiele, Kirmestage und eine Weltreise

Die AWO-Tagespflege in der Scherleburg

Frischer Backfisch, Gummientenschießen auf der Badewanne und Dosenwerfen – all das gab es auf der Kirmes in der AWO-Tagespflege Haus Scherleburg. Natürlich war es keine echte Kirmes, aber eben eine kleine, eigene für die Tagesgäste der Einrichtung. Solche Veranstaltungen gehören zu den Wochenevents, die Einrichtungsleiterin Gabriele Brosker für die Senioren mit viel Kreativität plant. „Wir finden für jeden etwas, bei dem er sich einbringen kann“, sagt die 55-Jährige. „Das, was die Menschen draußen selbst nicht mehr tun können, holen wir eben hierher.“ Auch Martina Waldner, Fachbereichs­leitung der Arbeiterwohlfahrt, ist von dem Konzept der Tagespflege überzeugt.

„Da merkt man wirklich, was die Leute noch können, das ist schön“, sagt sie. Die Tagespflege im Haus Scherleburg kümmert sich um ältere und kranke Menschen, die im Alltag Struktur benötigen, aber noch fit genug sind, um zuhause zu leben, und nicht in ein Altenheim umziehen müssen. 20 Plätze bietet die Tagespflege an. Die meisten Tagesgäste werden von Angehörigen um 8 Uhr in die Einrichtung gebracht oder von einem Service, den die AWO mit dem Deutschen Roten Kreuz organisiert, abgeholt.

Ein Team aus Pflegefach- und Betreuungskräften kümmert sich dann in einem vielfältigen Programm um die Tagesgäste. Nach einem gemeinsamen Frühstück kochen einige Senioren das Mittagessen, in Kleingruppen können die anderen Zeitung lesen oder spielen. „Wir sind eigentlich wie eine große Familie. Wir führen einen Haushalt, aber jeder macht das, was er kann“, sagt Brosker.

In 20 Jahren Pflege hat sich viel verändert

In 20 Jahren Pflege hat sich viel verändert, stellen die beiden Frauen immer wieder fest. „Früher ging es bei der Tagespflege nur ums Betreuen, mal mit den Menschen reden. Heute gibt es viel höhere Pflegeanforderungen, das hat sich stark gewandelt“, sagt Martina Waldner. Heute ginge es auch viel mehr darum, den Tagesgästen eine feste Struktur im Alltag zu geben oder nach Krankheiten auf genügend Bewegung oder feste Mahlzeiten zu achten. Vor allem bei demenzkranken Gästen habe sich die Pflege und der Umgang vielseitig verändert.

An diesem Vormittag sitzen rund 15 Senioren an dem großen hölzernen Tisch. „Die Fünfundzwanzig!“, ruft einer der Pfleger, der am Ende der Tischgruppe sitzt. Eifrig suchen die Senioren die Zahlen auf ihren Bingozetteln und schauen, ob sie ein Kreuz zeichnen können. An einem runden Holztisch in der Küche nebenan sitzen Erika Podsadlowski und Maria Bolowich und schauen den anderen Senioren zu. „Ich komme sehr gerne hierhin. Es ist schön, dass hier alle zusammen sind“, sagt die 79-jährige Podsadlowski. „Hier macht einfach alles Spaß“, ergänzt ihre 84-jährige Freundin. Dann fügt sie mit einem Lächeln hinzu. „Wir nehmen alles mit.“

Eine Weltreise mit Postkarten für Angehörige

Langweilig wird den Senioren in der Tages­pflege im Haus Scherleburg nicht. Das nächste Wochenevent steht schon: Die Tagesgäste gehen auf Weltreise. Das Essen ist in dieser Woche auf verschiedene Länder abgestimmt, zusammen mit den Pflegern durchforsten die Senioren den Atlas, schauen, was es in dem jeweiligen Reiseland zu entdecken gibt. Was natürlich nicht fehlen darf: eine Postkarte für die Angehörigen. Die darf dann jeder Tagesgast per Post verschicken.

Text: Lisa Mathofer • Fotos: Markus Mucha

Info

AWO-Tagespflege Haus Scherleburg

Scherlebecker Straße 260
45701 Herten

Tel. 4888