Ein Antrieb für die Zukunft

Wasserstoffstadt Herten

160 Kilometer pro Stunde, so steht’s in den Papieren – „das wollen wir noch ausprobieren“, sagt Dr. Klaus Telges, Vertriebsleiter der Hertener Stadtwerke. Seit einem halben Jahr haben die Stadtwerke ein Wasserstofffahrzeug im Fahrzeug-Pool. Auf gut 5.000 Kilometern hat das Vertriebsteam den neuen Hyundai ix35Fuel Cell inzwischen für Dienstfahrten nutzen können. Und ist begeistert: „Der Wagen fährt sich komfortabel“, findet der Vertriebsleiter, „das Fahren macht richtig Spaß.“ Noch ein Vorteil: „Ein Wasserstoff­fahrzeug macht keinen Lärm!“ Getankt werden kann der Wagen nun auch in Herten, „das dauert etwa fünf Minuten.“ Eine Füllung reicht bis zu 450 Kilometer weit. Die reinen Treibstoffkosten kommen denen eines Benziners nahe: ca. zehn Euro für 100 Kilometer. Aber: Dieses Verkehrsmittel erzeugt keine schädlichen Luftemissionen. „Es ist genial, ein Auto zu fahren, das als einziges Abgas Wasserdampf produziert“, erklärt Dr. Telges, „wenn das nicht ein Antrieb für die Zukunft ist, was dann?“

 

‚Grüner Wasserstoff‘: Ministerin Ursula Heinen-Esser informiert sich bei der AGR
Die Themen ‚Entsorgungssicherheit, Energieeffizienz und Klimaschutz‘ standen im Fokus eines Besuchs von NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser bei der AGR in Herten. Im Fokus stand die Produktion von ‚grünem‘ Wasserstoff zur Dekarbonisierung der Logistik und für den Bedarf an neuen Deponiekapazitäten für die Entsorgungssicherheit in der Region. Die Ministerin verschaffte sich einen Überblick, wie die Produktion von Wasserstoff aus der thermischen Abfallbehandlung möglich ist. Dieser ‚grüne‘ Wasserstoff soll künftig die eigenen Fahrzeuge antreiben: Die Logistik- Tochter AGR-DAR erhält im kommenden Jahr das erste wasserstoffbetriebene Sammelfahrzeug für Gewerbeabfall. Neben einer Reihe von E-Autos sind bereits vier Wasserstoff-PKW bei der AGR im Einsatz.

Ein Stück Zukunft wird Gegenwart
Auf Ewald auch Wasserstoff tanken Unmittelbar neben dem Anwenderzentrum h2herten auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald können Elektrofahrzeuge mit Brennstoffzelle wieder auftanken. An dem Zukunftsstandort befinden sich nun eine von deutschlandweit siebzig Wasserstoff­tank­stationen und eine Ladesäule für Elektroautos mit Batterie. „Die Stadt Herten ist Vorreiter, damit andere mit­reiten“, so Bürger­meister Fred Toplak in seiner Rede bei der Eröffnung der Wasserstofftankstelle Herten. Am 14. Juni wurde die Wasserstoff-(H²)-Station Herten feierlich von H2 Mobility und Linde im Beisein von Landrat Cay Süberkrüb, Partnern, Investoren und dem Bürgermeister eröffnet. Mit der vierten H2-Station im Ruhr­gebiet geht der bundesweite Tank­stellennetz­aufbau voran.


Wasserstoff ist die Allzweckwaffe der Energiewende

Er kann fossile Energieträger in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität ersetzen und Strom langfristig speichern. H2 wird in vielen Industrieprozessen eingesetzt. Vor allem in Chemie- und Stahlindustrie senkt er den CO2-Ausstoß erheblich. Mit dem Anwenderzentrum h2herten, der Wasserstofftankstelle, ersten Anwendungen bei der AGR und der Stadt und dem h2-netzwerk-ruhr ist Herten ein Ankerpunkt für die Entwicklung der Wasserstoffregion Emscher-Lippe. Deshalb bietet sich die Erweiterung des Anwenderzentrums an.
Dr. Babette Nieder, zuständig bei der Hertener Beteiligungsgesellschaft für das Thema Innovation und Nachhaltigkeit

Text: Dr. Ramona Vauseweh, Sandrine Seth • Fotos: AGR/Frank Rogner, Markus Mucha