Serie Bürgermeisterwahl "Weniger Projekte, konzentrierter arbeiten"

Die Grünen-Bürgermeisterkandidatin Martina Herrmann im Porträt

Sie ist seit 24 Jahren Mitarbeiterin bei Herta. Nebenbei Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat. Vorsitzende des Ortsverbandes, Mitglied des Landesfinanzrates, des Gleichstellungsausschusses im Städte- und Gemeindebund, auch im Umweltausschuss mischt sie mit. Die Liste der Posten von Martina Herrmann lässt sich fortführen. Bald soll ein weiterer hinzukommen: Die 55-Jährige möchte Bürgermeisterin werden.

Das Handy klingelt. Martina Herrmann kramt in ihrer Handtasche, klappt die grüne Smartphone-Hülle auf. Ein Display-Reiniger mit Grünen-Logo kommt zum Vorschein, dann nimmt sie das Gespräch an. „Ich bin mit Leib und Seele in der Partei vertreten“, sagt Martina Herrmann kurz darauf, „Politik ist mein Hobby“. Bis Anfang des Jahres war selbst die Wohnung der Politikerin grün: „Bei mir zu Hause war quasi das Parteibüro. Erst als die Grünen die Räume an der Ewaldstraße bezogen haben, hatte ich wieder Platz im Wohnzimmer.“ Kurz danach ging der Wahlkampf los. Neben acht Konkurrenten stellt sich Martina Herrmann am 22. Mai als Bürgermeisterkandidatin zur Wahl. Es ist das zweite Mal, dass sie für die Grünen ins Rennen geht.

Die Innenstadt öffnen

Wird sie gewählt, möchte Martina Herrmann unter anderem die Innenstadt angehen. „Ich setze auf kleinen, inhabergeführten Einzelhandel. Zu einer Innenstadt gehört doch, dass man einkaufen gehen kann“, sagt die gebürtige Süderin. Außerdem wolle sie mit einer freundlichen Umgestaltung des Bramhügels Anschluss an den Hertener Süden schaffen: „So wird alles offener, einladender.“

Das zurzeit brachliegende Herten-Forum betrachtet Martina Herrmann als Chance für die Innenstadt. Sie hofft, dass das geplante, im Umkreis einzigartige Outlet-Konzept auch Käufer aus den Nachbarstädten lockt. „Die Kaufkraft in Herten ist ja leider nicht sehr hoch. Da passt ein Outlet ganz gut.“

Gewerbesteuer senken macht Herten attraktiver

Im Anschluss möchte sie die Innenstadt sukzessive wieder aufbauen. Geringere Gewerbesteuern sollen Einzelhändler überzeugen, sich in der Innenstadt niederzulassen. „Geringe Gewerbesteuern spülen zwar weniger Geld in die eh schon klamme Stadtkasse,  aber sie bedeuten eine langfristige Investition in die Attraktivität der Innenstadt. Schnell kann man in Herten gar nichts bewirken, dafür fehlen die Gelder“, sagt Herrmann. Die Stadt müsse sich insgesamt mehr um Unternehmer bemühen, fordert die Kandidatin.

Martina Herrmann ist Hertenerin durch und durch. Im Süden geboren lebt sie mit ihrem Ehemann seit 1980 wieder im Haus ihrer Eltern. 2007 trat sie bei den Grünen ein. Hauptsächlich, um in der Frauenpolitik etwas zu bewegen: „Ich möchte, dass es Müttern leichter gemacht wird, nach der Schwangerschaft weiter arbeiten zu können. Runter mit den Kitagebühren, längere Betreuungszeiten. Es ist mir wichtig, dass eine Familie für Frauen keinen Karriereknick bedeutet – so wie bei mir damals.“

Frauenpolitik ist ihr Steckenpferd

Mit 20 machte Martina Herrmann eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Drei Jahre arbeitete sie im Wanne-Eickeler Maschinenbaubetrieb Schwing, dann wurde sie schwanger mit ihrem Sohn Marcel, heute 32. „Ich wollte in Teilzeit gehen, aber man ließ mich nicht“, sagt Herrmann. Sie verließ das Unternehmen, bekam ihre Tochter Kira (29). Ein Jahr später heuerte sie als Telefonverkäuferin bei Herta an. „Ich hätte mir beruflich mehr gewünscht“, sagt die Politikerin heute. Herta ist sie treu geblieben. Seit 15 Jahren arbeitet sie im Vertrieb des Unternehmens. Und tritt neben dem Beruf politisch für die Interessen arbeitender Mütter ein: „Das ist mir unheimlich wichtig.“

Sparen, aber besonnen

In ihrer Haushaltsrede kritisierte Martina Herrmann zu Anfang des Jahres die hohe Verschuldung der Stadt. Die SPD habe zu viele Sparmaßnahmen durchgedrückt, ohne sie auf Nachhaltigkeit zu prüfen. Martina Herrmann sagt: „Ich würde weniger Projekte angehen und dafür konzentrierter arbeiten." Sparpotenzial sieht die Grünen-Kandidatin unter anderem auf Zeche Westerholt: „Da wird Geld für ein Wachhäuschen ausgegeben oder ein Modellhaus, das der RAG gehört, energetisch saniert. Ich frage mich: Wofür?“ Investiert werden solle stattdessen in Jugendzentren. Anlaufstellen und Plätze „zum Abhängen“ seien Mangelware im Stadtgebiet, so Herrmann.

Durchmischte Gesellschaft macht Herten stark

Eine besondere Stärke Hertens sei hingegen die ethnische und kulturelle Vielfalt der Gesellschaft. "Die Integration der Griechen, Italiener und türkischen Gastarbeiter hat bei uns prima geklappt. Wieso sollte das jetzt nicht auch mit anderen Nationen gelingen? Ich sehe die Zuwanderung als Chance für Herten, neue Einwohner zu gewinnen und andere Kulturen kennen zu lernen."

Raphaela Willwerth

 

 

Info und Kontakt

Die Grünen Herten

Ewaldstraße 66

45699 Herten

02366- 84148

info@gruene-herten.de

martina.herrmann@gruene-herten.de