Serie Bürgermeisterwahl Politik in großen Schritten

Alexander Letzel (SPD) im Porträt

Juso mit 18, Ratsmitglied mit 23, Fraktionsvorsitzender mit 26 - und jetzt  Kandidat der SPD für das Bürgermeisteramt in Herten: Der Werdegang Alexander Letzels wirkt zielstrebig, geradlinig, konsequent auf eine politische Karriere ausgerichtet. Doch der 29-Jährige nennt andere Gründe für sein politisches Handeln: „Mein Antrieb war und ist heute immer noch das Thema Gerechtigkeit“, sagt Letzel.

Letzel ist Hertener Junge, geboren 1986, aufgewachsen auf dem Paschenberg. Als einziger Sohn in einer Familie, in der Politik zwar Tagesgespräch war, aber keine klare parteipolitische Prägung herrschte. Noch vor seinem Abi auf dem Hertener Gymnasium geht Alexander Letzel 2004 in die Politik. Der engagierte Juso fällt wenig später Uli Paetzel auf, der ebenfalls noch jung im Amt des Bürgermeisters ist und frischen Wind in die Hertener SPD bringen will. Paetzel holt Alexander Letzel als sachkundigen Bürger in einen Ratsausschuss. 2009 wird Letzel in den Rat gewählt, 2012 übernimmt er den Fraktionsvorsitz der SPD.

Doch wer dem Zwei-Meter-Mann schlicht Politik in großen Schritten unterstellen will, schließt zu kurz: Im  Gespräch wägt er gerne ab, neigt eher zur Analyse denn zu Aktionismus, zu Nüchternheit statt übereiltem Eifer. Mit seinem Programm hat sich Alexander Letzel früh – im Januar – für den Wahlkampf positioniert: Bildung, Arbeit, Familie. Naheliegend für einen Sozialdemokraten, der selbst gerade Vater geworden ist und mit seiner Verlobten Stefanie und dem kleinen Julian eine Familie gegründet hat.

Aber Politik aus „Betroffenheit“ lehnt Letzel ab: Die Themen Bildung und Familie haben ihn seit dem Studium der Politik- und Sozialwissenschaften an der Ruhr-Uni begleitet. Für die Bertelsmann-Stiftung arbeitete Letzel schon als Student, später als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum Thema familiengerechte Kommune. Das Modellprojekt zeige, wie Kommunen „Präventions­ketten" aufbauen können, damit Hilfsangebote im Lebensumfeld von Kindern und Familien ankommen. Derzeit ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in dem Projekt „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ bei der Bertelsmann Stiftung tätig.

Prävention – so früh wie möglich

Im Bereich Familie ist sein Programm daher mit einem Wort formuliert: „Familiengerechtigkeit". „Familien sind die Keimzelle unserer Gesellschaft, aus ihnen erwächst unsere Zukunft. Wir müssen uns intensiv um ihre Bedürfnisse kümmern: Etwa im deutlichen Ausbau der Plätze in Kindertageseinrichtungen und der Flexibilisierung deren Öffnungszeiten sowie im Offenen Ganzstagsbereich. Eine gute und chancengleiche Bildung muss oberste Priorität haben. Bildungschancen dürfen in Herten nicht vom Geldbeutel abhängen“, sagt Letzel.

Auch Prävention sei wichtig. Letzel ist sicher, dass der Euro am besten investiert ist, wenn Kinder aus sozial schwachen oder bildungsfernen Haushalten so früh wie möglich Unterstützung bekommen. Herten sei hier bereits gut unterwegs, sagt der Sozialdemokrat, denn es gebe ein Netzwerk der frühen Hilfen für Kleinkinder sowie Hilfsangebote im Grundschulalter. So will Letzel als Bürgermeister das Gute besser machen – vor allem durch ein Übergangs­management von der Kita zur Grundschule und zur weiterführenden  Schule. Wie soll das funktionieren, wenn die Personalausstattung schon heute dünn ist? „Wir müssen die Jugendhilfe noch näher an die Einrichtungen heranrücken – an Kitas und Schulen, ins vertraute Umfeld der Familien", sagt Letzel.

Wirtschaftsförderung als Chefsache

Chefsache ist für Alexander Letzel das Thema Arbeitsplätze: „Die Wirtschaftsförderung muss zurück ins Rathaus", glaubt der SPD-Kandidat. Engere Abstimmung mit der Verwaltungsspitze, mehr Rückkopplung, persönlicher Einsatz des Bürgermeisters – davon verspricht sich Letzel noch mehr Potenzial. Dabei hält er die Linie der Hertener Wirtschaftspolitik für richtig: Neue Entwicklung auf den Zechenbrachen, nach dem Muster von Zeche Ewald, wo 1000 Arbeitsplätze geplant und inzwischen über 1400 entstanden seien. So setzt der Bürgermeisterkandidat große Hoffnung auf die Gelände von Schlägel und Eisen und mittelfristig auch auf das Areal der Zeche Westerholt.

Bei aller Zuversicht bleibt Letzel Realist: „Wir wissen leider, dass wir trotz größter Anstrengung in Zukunft nicht jeder Bürgerin und jedem Bürger in  Herten einen Arbeitsplatz in unserer Stadt anbieten können." Dafür reichen die Flächen nicht – denn die 60 Prozent Grün im Stadtbild müssen geschützt bleiben. Deshalb sei das Thema Mobilität wichtig, um es den Menschen zu ermöglichen, auch Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Region gut zu erreichen und trotzdem in Herten wohnen bleiben zu können. Die Parks, Halden und bäuerlich geprägten Grundzüge bewertet Letzel als Pfund, das Herten als Wohnstadt attraktiv macht. „Dieses Profil müssen wir weiter schärfen. Die positive Einwohnerentwicklung in den letzten beiden Jahren zeigt, dass wir uns damit erfolgreich dem Ruhrgebiets-Trend der Abwanderung entziehen können."

Quartiere entwickeln

Auf die Entwicklung der Wohnquartiere will Alexander Letzel besonderes Augenmerk legen. „Nach den großen Stadtentwicklungsprojekten ist es jetzt Zeit für eine Bestandsaufnahme: Was haben wir erreicht? Wo sind wir gefordert?" Handlungsbedarf sieht er nach wie vor in Langenbochum und am Paschenberg – und natürlich in der Innenstadt.

Reizthema Innenstadt

Gerade bei diesem Reizthema mahnt der SPD-Mann mehr Realismus an: „Bei allen schönen Plänen für ein Gesundheits-Zentrum müssen wir so ehrlich sein zu sagen: Da der Stadt das Grundstück und das Gebäude nicht gehören, könnten wir das nur mit einem neuen, potenten Investor – und der ist derzeit nun einmal leider nicht in Sichtweite."

Auch von frommen Wünschen nach inhabergeführtem Einzelhandel auf der südlichen Ewaldstraße müsse man sich verabschieden: „Die Veränderung des Kaufverhaltens macht den Innenstädten leider schwer zu schaffen. Deshalb wollen wir hier neue Nutzer aus dem Bereich Bildung und Jugendarbeit ansiedeln." Die Waldritter in der ehemaligen Woolworth seien dafür ein erster Ankerpunkt, eine runderneuerte, dezentrale VHS könne an der Ewaldstraße für weitere Belebung sorgen. Der Handel solle stattdessen an der Hermannstraße und Kranzplatte gestärkt werden – und darum, so sein Fazit, „war es richtig, dass wir schon jetzt das neue Pflaster gelegt haben“. Basta.

Text: Stefan Prott

Fotos: Jonas Alder

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