Serie Bürgermeisterwahl „Hammermäßig was abreißen“

Bürgermeisterkandidat Udo Surmann im Porträt

 „Ich hasse Spießer“, sagt Udo Surmann. Er nimmt die Motorradjacke vom Bügel und zieht sie über sein Jackett. Der graue Stoff lugt zentimeterbreit unter dem Leder hervor, auf seiner Brust prangen abgewetzte Aufnäher. Wenig später fällt die Tür ins Schloss, Surmann braust davon. Auf der Vespa seiner Tochter. So schnell wie er fährt, versucht er auch, an die Spitze der Hertener Stadtverwaltung zu gelangen: Er stellt sich als Bürgermeisterkandidat der Parteilosen Wählergemeinschaft in der Bundesrepublik Deutschland zur Wahl.

Udo Surmann ist anders. Das sieht man nicht nur. Das sagt er auch. „Ich bin jetzt 67 und hab immer noch Mist im Kopf wie mit 15 oder 16. Das Leben ist nicht raus aus mir.“  Der Rentner fährt Skateboard und Inlineskates. Er kann mühelos Ersatzteile für Boote auf Italienisch bestellen und angeblich sogar Flugzeuge reparieren. Er hat nach eigenen Angaben in 23 Berufen gearbeitet, baute Karstadt in Recklinghausen und im Iran ein Atomkraftwerk. In seiner Freizeit schreibt Surmann leidenschaftlich gern. Und zwar Ratsanträge. Oder seine Botschaften auf meterlange Bäckertücher, die er anschließend im Stadtgebiet aufhängt. Seine Politik, so seine Botschaft, sei wie er: offensiv, ungezwungen, niederschwellig.

Angebote für Kinder und Jugendliche ausbauen

Als Junggebliebener möchte er sich, sollte er die Wahl gewinnen, besonders stark machen für die Jugend. „Jugendliche wollen unter sich sein und hammermäßig was abreißen“, sagt er. Das bisherige Angebot dafür sei dürftig und müsse ausgebaut werden. Surmann möchte eine Kartbahn und ein Kindermuseum. „Nicht fördermittel-, sondern spendenbasiert“, betont er. In der Innenstadt, so der Parteilose, fehle es neben den Kitas an temporären Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. So könnten Eltern arbeiten und shoppen gehen, während ihre Sprösslinge flexibel betreut werden.

Hemmschwellen für Unternehmer senken

Mit niedrigeren Grundsteuern möchte Udo Surmann vor allem kleinere Betriebe nach Herten locken, um Arbeitsplätze zu schaffen. „Wir müssen nicht die Bezirksregierung bestimmen lassen, was wir zu tun haben. Aber die Stadt macht bisher einfach keine eigenen Vorschläge“, sagt Surmann. Wird er Bürgermeister, möchte er die Grundsteuer auf 395 Punkte senken, um den Aufwand für kleine und große Betriebe so gering wie möglich zu halten. Surmann möchte auch bürokratische Hürden bei der Unternehmensgründung ausmerzen: „Acht Anträge für eine Baugenehmigung, das darf einfach nicht sein! Wir müssen Hemmschwellen für Unternehmer senken und von der Verwaltung aus mithelfen, behördliches Entgegenkommen zeigen.“ Die Stadt verfolge bislang ein „veraltetes System“, so Surmann, an dem sie nicht arbeiten wolle. „Die kriegen ja ihr Gehalt, egal wie hoch der Schuldenberg ist“, kritisiert der 67-Jährige. Man müsse Kompromisse eingehen, um Bürger und Geld anzulocken, auch mal Gesetze ändern, dafür sei man schließlich Abgeordneter.

Schnellere Entwicklungen wünscht sich der Bürgermeisterkandidat auch in Sachen Herten Forum: „Das kann in einer Woche geplant sein.“ Er sähe das Einkaufscenter am liebsten als Tummelplatz für Künstler und handwerkliches Kleingewerbe, um die obere Ewaldstraße im Anschluss auszubauen „wie in Paris, mit Malern und Künstlern.“

Stadtteilprofile schärfen und kombinieren

Damit Bürgeranliegen künftig genug Beachtung finden, plant Surmann eine Art Kummerkasten-Leitstelle bei der Stadt. Als Leiter der Verwaltung möchte er eine Anlaufstelle, an die sich Bürger mit Problemen jeder Art wenden können. Zudem wolle er sich mit den „kleinen Mitarbeitern“ in der Stadtverwaltung zusammensetzen, viele „sprudeln vor Ideen.“ Sein Paradebeispiel: Sylvia Steffan. „Ob eine Stadt floriert, hängt nicht vom Geld ab, sondern von Ideen“, sagt Udo Surmann. In seinem Gesamtkonzept möchte Surmann diese Ideen nutzen, um Kompetenzen einzelner Stadtteile herauszustellen und sie innerstädtisch zu kombinieren. Das Spargelmuseum in Scherlebeck, der Marktplatz in der Innenstadt: Neben diesen Beispielen gebe es viele Stärken, die die Stadt bisher zu wenig herausgestellt habe. „Nicht einmal ein Schild weist auf den Marktplatz oder das Museum hin. Wie soll das Menschen anlocken?“

Die diesjährige Bürgermeisterwahl ist die bereits siebte Kandidatur des Parteilosen. Bereits 2014 stellte er sich für das Amt zur Wahl, zudem kandidierte er mehrfach im Land- und Bundestag sowie bei der Landrats- und Europawahl. 2013 gründete er gemeinsam mit seiner jüngst verstorbenen Lebensgefährtin die „Parteilose Wählergemeinschaft BRD“. Er bleibt am Ball, selbst wenn er nicht Bürgermeister wird. „Ich sterbe mit 105. So oder so: Die im Rat haben noch lange mit mir zu kämpfen.“

Raphaela Willwerth

Foto: Anna Roskosch

Info und Kontakt

Udo Surmann

Goethestr. 11

45701 Herten

0209/3594222

Udo-Surmann@t-online.de

www.udo-surmann.de