Digitalisierte Bildung

Lernen, Arbeiten und Lehren im digitalen Zeitalter

Funktioniert gute Bildung heute noch ohne Digitalisierung? Oder lernen Schülerinnen und Schüler besser mit Smartphone und Tablet? Welche Skills brauchen Jugendliche, um im späteren Arbeitsleben zu Recht zu kommen? Wieviel Medienkompetenz muss die Schule vermitteln? Das waren Themen beim ersten Kamingespräch der neuen Reihe „Demokratie erleben“, zu der die Volkshochschule gemeinsam mit HERTEN ERLEBEN einlädt. Zum Auftakt sprach Chefredakteur Stefan Prott mit Dr. Karsten Schneider, Dezernent Bildung und Soziales der Stadt Herten, Rainer Pawliczek, Schulleiter der Willy-Brandt-Realschule Herten, Gabi Trapp von der VHS Herten und Tobias Krupp vom DGB-Bezirk Emscher-Lippe.


Die Landes- und Bundesregierung haben mit vollmundigen Ankündigungen den DigitalPakt Schule beschlossen. Wie weit ist die Umsetzung an den Hertener Schulen fortgeschritten?

Dr. Karsten Schneider: Durch den DigitalPakt Schule muss Herten in die Bildung investieren. Das ist grundsätzlich gut. Um die fortschreitende Digitalisierung umsetzen zu können, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Diese Rahmenbedingungen, die digitale Prozesse nutzbar für die Bildung machen, sind die großen Herausforderungen. Und da ist Herten durch die Infrastruktur, die nach und nach aufgebaut wird, gut aufgestellt.

Die Willy-Brandt-Schule beschäftigt sich seit Jahren mit Medienkonzepten, die allerdings schon mehrfach aktualisiert werden mussten, weil der technische Fortschritt sich so schnell ent­wickelt. Welche Schwerpunkte setzen Sie mit Ihrem aktuellen Medienkonzept für digitale Bildung?
Rainer Pawliczek: Wir setzen ganz stark auf den Ausbau von Medien­kompetenzen. Das bezieht sich nicht nur auf die Weitergabe dieser Medienkompetenzen, sondern auch auf die Fortbildung des Lehrkörpers. Die Lehrer und Lehrerinnen müssen schließlich wissen, wie sie das Gerät im Unterricht nutzen können. Und da fehlt es noch an Qualifikationen. Dennoch müssen wir betonen, dass klassische Bildung immer noch sehr wichtig ist und die digitale Technik den Unterricht sinnvoll ergänzen und unterstützen wird. Der Lehrer ist eine wichtige Bezugsperson für die Schüler und wird künftig ein größeres methodisches Portfolio nutzen können.

Digitalisierung wird die Arbeitswelt in den kommenden Jahren rasant verändern. Werden die Jugendlichen in der Schule genügend auf das vorbereitet, was sie in der digitalen Arbeitswelt von Morgen erwartet?
Tobias Krupp: Nicht nur die Schulzeit wird immer digitaler. Dieser Weiterbildungsprozess geht in der Arbeitswelt weiter. VR-Brillen werden stärker genutzt und auch digitale Arbeitspläne und Kommunikationstools werden häufiger verwendet. Wer als Jugend­licher oder als Kind weniger Berührung mit Digitalisierung und modernen Prozessen hatte, dem fällt es auch im Arbeitsleben deutlich schwerer.


Wie kann die VHS dazu beitragen, dass Medienkompetenz mehr Gewicht bekommt?

Gabi Trapp: Wir sehen eine große Chance in der digitalisierten Bildung. Die VHS kann zum Beispiel zusätzliche Kurse und Hilfestellungen geben, um die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Doch dort sollte der Lernprozess nicht enden: Es ist wichtig, dass den Kindern und Jugendlichen auch von zu Hause bei­gebracht wird, welche Risiken, zum Beispiel Fake News oder Cybermobbing, in der digitalen Welt herrschen.

Wir wollen Technologie nicht verdammen und können sie auch nicht ignorieren wie der Heizer auf der E-Lok. Es ist viel Gutes dabei, dass das Wissen der Welt mit einem Mausklick erreichbar ist und, dass Bildung als Kulturgut im Netz geteilt wird. Welche Chancen verspricht uns die Bildung im digitalen Zeitalter?
Gabi Trapp: Digitalisierte Bildung ist ein riesiges Aufgabenfeld von Schule, Stadt und öffentlichen Bildungsträgern. Doch es ist nicht nur herausfordernd, sondern zugleich eine Chance. Es bilden sich ganz neue Möglichkeiten, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und Bildung so jedem zugänglich zu machen.
Dr. Karsten Schneider:
Arbeit und Leben werden immer digitaler, mobiler und vernetzter. Wir als Stadt unter­stützen diese Entwicklung, so gut es geht.
Rainer Pawliczek: Digitalisierung ist eine große Chance in der Bildung. Wichtig ist, dass wir die Kinder und auch nachhaltig das Schulpersonal kompetent machen und nicht auf Modernisierung verzichten.

Das Gespräch führten Stefan Prott und Sandrine Seth

Fotos: Markus Mucha 

Info

Mit dem DigitalPakt Schule wollen Bund und Länder für eine bessere Ausstattung der Schulen mit digitaler Technik sorgen. 5 Milliarden Euro, davon 3,5 Mrd. Euro in dieser Legislaturperiode, werden vom Bund zur Verfügung gestellt. Der Bund finanziert die notwendige Infrastruktur und die Länder steuern die Entwicklung medienpädagogischer Konzepte durch die Schulen und stellen die Qualifizierung von Lehrkräften sicher. Die Hertener Schulen erarbeiten gerade Konzepte für die Beantragung von digitaler Ausstattung – denn die Voraussetzung für die Beantragung von Mitteln aus dem DigitalPakt ist die Vorlage eines technisch-pädagogischen Konzeptes nach dem Grundsatz „Keine Ausstattung ohne Konzept“. (Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung)