Digital ist ideal

Digital ist ideal

… Lehrerin:
Die Tablets in der Klasse einsetzen zu können, in allen Fächern, das ist eine tolle Sache“, sagt die Klassenlehrerin Birsen Celebi. „Die Kinder haben Spaß am Umgang mit den Geräten, es lernt sich viel schneller und umfangreicher.“ Weil es aber in der digitalen Ausstattung der Tablets Einschränkungen gibt, sind einige Dinge, die privat möglich wären, nicht machbar. „An den PCs im Computerraum kann man leichter kontrollieren, was die Schülerinnen und Schüler gerade machen, ja, aber so viele Sachen gehen mit den Tablets viel leichter.“ Einen Film drehen zum Beispiel, oder Mathe- und Vokabel-Apps nutzen. „Im neuen Schuljahr wollen wir eine Powerpoint-Präsentation erstellen.“ Und übrigens: „Die Jugendlichen müssen trotz Tablets noch mit der Hand schreiben, sich Notizen machen und mit der Hand ihre Hausaufgaben erledigen.“

…Schüler: „Wir haben vor den Ferien in zwei Gruppen die Vorbereitungen für die Präsentation gemacht – wir wollen die Donau und den Rhein vorstellen“, erklärt Virgina Krakau, 11. „Wir durften also mit den Tablets recherchieren, wie lang und wie tief die Flüsse sind, wo sie lang fließen.“ Früher, so die Schülerin, musste man für solche Recherchen in den Computerraum gehen. „Joa“, nickt ihr Mitschüler Colin Weber, 12. „Die anderen Klassen sind schon ein wenig neidisch, dass wir die Tablets nutzen dürfen.“ Die beiden nutzen privat Tablets und Smartphones fast ausschließlich zur Unterhaltung, haben auch uneingeschränkten Zugang zum Internet. Virgina: „Muss ich zuhause was recherchieren, mache ich das am Handy, das geht am schnellsten.“ Und Colin fügt hinzu: „Ich denke, dass wir mehr lernen, wenn wir in der Schule Tablets nutzen dürfen.“

…Eltern:

Die Sorge einiger HERTEN ERLEBEN-Leser, die Schülerinnen und Schüler würden an Schreibkompetenz einbüßen, teilt Jürgen Pospiech, Vater und Klassenpflegschaftsvorsitzender, nicht: „Ganz im Gegenteil, ich glaube, dass der gezielte Umgang mit den Tablets die Jugendlichen Fähigkeiten erlernen lässt, die sie ohne die Geräte nicht hätten, oder zumindest nicht so leicht lernen würden.“ Mit den Tablets sei es möglich, tatsächliche und umfangreiche neue Lernmöglichkeiten auszuschöpfen. „Mit dieser Tablet- Klasse wird an der Rosa-Parks-Schule ein Anfang in vielen Bereichen gemacht, das finden wir als Eltern toll.“ Bisher nutzten die Kinder hauptsächlich mit ihren Smartphone das Internet zum Spielen, Musik hören und um auf den unterschiedlichsten Plattformen ihre Spuren in Form von Bilder, Texten und Musikbeiträgen zu hinterlassen. Der Bereich Internet-­Sicherheit, der Umgang mit dem Thema Internet-Mobbing und das soziale Miteinander seien ebenfalls mittler­weile so wichtige Lerninhalte, dass man sie nicht mit einem Merkblatt „erledigen“ kann, sondern sie im täglichen Leben andauernd wahrnehmen müsse. „Natürlich waren die Kinder erst voller Freude – so wie wir damals, als die ersten Computer erschwinglich wurden – und dann wurde schnell klar: Damit wird gearbeitet“, schmunzelt der Vater. „Aber wir und unsere Kinder finden die Tablets und wie die Lehrerinnen und Lehrer sie einsetzen super.“

 

… die Behörde:

Die Schulen in Herten sind alle mit PCs ausgestattet, die Oberstufen der weiterführenden Schulen auch mit Laptops“, sagt Jörg Kersten, Bereichs­leiter für Schule und Sport bei der Stadt Herten. „Das ist verständlicherweise nicht flächendeckend möglich, und schon gar nicht für jeden einzelnen Schüler.“ Dass die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7.1. der Rosa-Parks- Schule mit einem Klassensatz Tablets ausgestattet worden sind, als ein gemeinsames Experiment von RDN-­Verlag, Sparkasse Vest Recklinghausen und Hertener Stadtwerke, findet er gut. „Grundsätzlich muss die Digitalisierung der Schulen weiter ausgebaut werden – das ist nicht eine Frage des Ob, sondern des Wie.“ So steht im neuen Schuljahr als Modell­projekt dem Hertener Gym­nasium ein Klassensatz iPads zur Verfügung. In Sachen „Gute Schule 2020“ ist Herten auf einem guten Weg. „Alle kommunalen Schulen werden mit WLAN ausgestattet, das Gymnasium gerade eben während der Sommerferien“, so Kersten. 

 

Interviews: Mareike GraepelFotos: Privat, Stadt Herten, Markus Mucha, Mareike Graepel