Serie Bürgermeisterwahl „Damit Herten wieder sprudelt“

Richard Lorisch (FDP) kandidiert für das Bürgermeisteramt

Richard Lorisch räuspert sich. „Wahlkampferkältung“, erklärt er, hält kurz inne und nippt an seinem Mineralwasser. Dann spricht er über die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit in Herten: „Wir müssen uns mit dem Jobcenter zusammen setzen. Sowas muss Chefsache sein“, sagt er und hofft, dass dieser Titel bald ihm gebührt. Denn Richard Lorisch, 38, seit 2013 in der FDP, kandidiert für das Bürgermeisteramt. Und hat schon sehr genaue Vorstellungen von seiner Tätigkeit: „Ein Bürgermeister gehört nicht auf Geburtstage, sondern auf Handwerkermessen. Damit wir all die in Arbeit bringen, die bisher keinen Job haben.“

Herten ist hoch verschuldet. Aber Rechtsanwalt Richard Lorisch kennt sich aus mit Miesen. Nach Auslandsaufenthalten in England und Italien, Mitgliedschaften in Studentenverbindungen und einem Ritterorden, ist der gebürtige Hertener seit 2010 Fachanwalt für Insolvenzrecht mit Gemeinschaftskanzlei in der Innenstadt. Zuvor absolvierte er ein Fernstudium mit Schwerpunkt Sanierungs- und Insolvenzmanagement. Eine Karriere mit Botschaft: Fällt die Wahl am 22. Mai auf ihn, bringe er den Laden auf Vordermann, so Lorisch. 

Von Richard Lorischs Krawatte grinst eine Horde Enten. Ein Schuss Schabernack im Kleinkarierten seines Anzuges, seriös kombiniert mit Hemd und Manschettenknöpfen. Lorisch sieht sich gerne so. „Ich kann alles auch mit Selbstironie angehen, so kommt man gut durchs Leben.“ Das mit Herten hingegen, so macht er klar, nimmt er sehr ernst: „Hier sind so viele gute Grundstrukturen gegeben, dass man denkt: Mensch, da klemmt doch irgendwo ein Rad, das man lösen muss, damit Herten wieder sprudelt.“ Das passende Werkzeug hat der FDP-Fraktionsvorsitzende seiner Meinung nach parat: „harte angebotsorientierte, aber nachhaltige Politik.“

Verwaltung reduzieren, PROSOZ und Stadtwerke verkaufen

Harte Politik. Richard Lorisch macht schnell klar, was er damit meint: „Was bringt uns das, wenn ich mich hinstelle und sage, alles geht ohne Einschnitte“, so der 38-Jährige, „wenn ich das behaupten würde, könnte ich mich selbst nicht mehr im Spiegel angucken.“ Angesichts der hohen Verschuldung werde der Haushalt nur durch das niedrige Zinsniveau zusammengehalten. Lorisch fürchtet eine Zinswende, die die Stadt in die finanzielle Misere stürzt.

„Wir können nicht immer nur den Zinsen hinterherlaufen. Mein Ziel ist eine handlungsfähige Stadt“, sagt Lorisch. Ein Schritt zum ausgeglichenen Haushalt sei unter Umständen, „und jetzt komme ich zu dem Punkt, an dem ich mich unbeliebt mache“, die Stadtverwaltung nach eigehender Prüfung auf Kernbereiche zu verkleinern oder Vermögenswerte zu veräußern. Lorisch betont: „Ein Personaleinschnitt ist nicht mein Ziel, sondern ein Mittel, um den Schuldenberg abzubauen. Ich finde das auch schmerzhaft und es macht mir keinen Spaß, die Verwaltung zu reduzieren.“

Als weitere Maßnahme käme für Richard Lorisch der Verkauf des Softwareunternehmens PROSOZ in Frage: „Verkaufen und mit dem Geld Schulden tilgen, statt es für anderen Konsum zu nutzen.“ Zudem sei zu prüfen, ob die Produkte der Stadtwerke überhaupt Abnehmer fänden. Falls nicht, könne man die Stadtwerke zum Teil oder ganz privatisieren.

Angebotsorientierte Politik statt "Planwirtschaft"

Lorisch bezeichnet sich selbst als „Freund der Politik der kleinen Schritte“, deren Ergebnisse später, aber nachhaltig sichtbar seien. Lorisch kritisiert die Wirtschaftspolitik der SPD-Führung als "nachfrageorientiert"und will sich stattdessen auf die Angebotsseite konzentrieren. Er wolle bestehende Angebote nutzen, statt „Wunschlisten“ zur optimalen Belegung des Herten-Forums, der Läden in der Innenstadt oder der Industrieflächen zu erstellen. „Ich bin kein Freund von Planwirtschaft und nicht sehr glücklich, wenn die Stadt versucht, einzugreifen.“ Aufgabe der Stadt sei es, Infrastrukturen für Unternehmer zur Verfügung zu stellen und anschließend zu gucken, wie und von wem diese genutzt werden. „Ich finde das gruselig. Wenn die Hertener Politik bemerkt, dass ihr Plan, wen sie wo ansiedeln möchte, nicht aufgeht, lässt sie Dinge vor sich hingammeln, statt einen Plan B zu entwickeln.“

"Planwirtschaft" schränke Entwicklungen nur ein – etwas, das Herten sich nicht erlauben könne, so Lorisch. Sein Paradebeispiel ist das Konzept „Wasserstoffstadt“. Lorischs Bilanz fällt nüchtern aus: „Wir haben einen Turm, der nicht funktioniert und Räder, die ausgesondert wurden. Man kann sich doch als Bürgermeister nicht hinstellen und sagen: Das hier ist die Energie der Zukunft. Wenn Politiker meinen, sie seien schlauer als die Wirtschaft und Forschung, wird das meist gefährlich für das Portemonnaie der Steuerzahler. Wir dürfen nichts mit Geldern anschieben, sondern müssen abwarten, ob sich gewisse Sparten von selbst gruppieren.“

„Menschen schaffen Wertschöpfung“

Ähnliches plant der Kandidat mit der Innenstadt. Er möchte die untere Ewaldstraße von der Vitusstraße her für den Verkehr öffnen und Parkplätze vor den Läden bereitstellen, um die Immobilien für Unternehmer attraktiver zu machen und den Bereich zu beleben. „Wertschöpfung können ja nur Menschen schaffen, der Rest ist Infrastruktur“, sagt Lorisch.

Das gilt auch in der Flüchtlingsfrage. Lorisch möchte die Geflohenen schnell einbinden, ihnen die deutsche Sprache vermitteln und Anliegen unbürokratischer abarbeiten. „Die Menschen sollen ankommen können. Das schafft Perspektiven – und motiviert.“ Um das zu erreichen, wolle er an die Kirchen, Arbeitgeber, Vereine und Vermieter appellieren, aktiv zu werden. „Zu meinen, ein Bürgermeister könne alleine etwas bewegen, das ist schon etwas staatsgläubig“, so Lorisch.

Im Privaten stemmt Lorisch alleine ganze städtebauliche Projekte. Zumindest im Kleinen: Im Keller hat er eine Eisenbahn. Eine Großbaustelle, wie er selber sagt. Denn seit er in der Politik ist, liegt der Bausatz brach, Schienen stehen auf nacktem Untergrund, kein Baum, kein Wartehäuschen, keine Landschaft. Seine Frau witzelt: „Das ist ja schlimmer als das Herten-Forum.“ Lorisch lacht. Und räuspert sich. Wahlkampferkältung.

Text: Raphaela Willwerth

Fotos: Anna Roskosch

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