Liebe Liebe: Mehr als nur Chemie? Oder doch alles nur Hormone?

Liebe - wissenschaftlich betrachtet

Das Herz schlägt schneller, die Knie werden weich, der Puls rast und Schweiß bricht aus – und trotzdem: Es fühlt sich so gut an! Beim Verliebtsein reagiert der Körper ähnlich wie in einer Stresssituation: „Weil unser Gehirn dafür sorgt, dass Dopamin ausgeschüttet wird, nehmen wir unsere Reaktion auf Stresshormone wie Adrenalin im Körper als positiv und beflügelnd wahr“, sagt Sandra Kienle, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Pychotherapie an der LWL-Klinik Herten.

Gegensätze ziehen sich tatsächlich an

Der Auslöser fürs Verliebtsein: Tatsächlich sind es zumeist Äußerlichkeiten! „Wenn wir einen potentiellen Partner sehen, der uns gefällt, gelangen diese Reize ins Gehirn“, erklärt die Medizinerin. „dort wird der Nucleus accumbens – das Belohnungszentrum – aktiviert, unser Stoffwechsel verändert sich.“ Der Dopaminspiegel steigt, bewirkt Wohlbefinden, Erregung und Motivation. Da ziehen sich Gegensätze durchaus an: „Was man nie mochte, findet man plötzlich toll – weil der Partner es mag“, fasst es Sandra Kienle zusammen. Der Grund dafür: „Hirnregionen, die für rationale Entscheidungen und die Einschätzung eines Menschen zuständig sind, werden in dieser Phase heruntergefahren.“

 

 

In der Anfangsphase des Verliebtseins dominiert das positive Bild des anderen. So kann Liebe durchaus schon mal blind machen. Frischverliebte leiden an Serotoninmangel – ähnlich wie Menschen mit Zwangserkrankungen.

Der Effekt: Durch das Sinken des Stoffes, der den Informationsfluss im Gehirn kontrolliert, konzentriert man sich verstärkt auf das attraktive Gegenüber. „Entwicklungspsychologen nennen Liebe oftmals einen Kunstgriff der Natur, um die Fortpflanzung zu sichern“, sagt Sandra Kienle. Allerdings geht das Verliebtsein zumeist in Liebe über und kann zu langen Beziehungen zwischen Menschen führen. In dieser Phase werden sogenannte „Treue- und Kuschelhormone“ produziert: Oxytocin – der Stoff der auch beim Stillen ausgeschüttet wird und die Mutter-und-Kind-Bindung stärkt – sorgt für den Aufbau einer Bindung zum Partner. Vasopressin bestärkt das Gefühl der Sicherheit und des Behagens im Miteinander.

Liebe ist wissenschaftlich nicht nachweisbar

Aber Paarbindungen lassen sich nicht allein auf biochemische Abläufe während ihrer Entstehung reduzieren. „Die Bindungserfahrungen aus unserer Kindheit beeinflussen unsere späteren partnerschaftlichen Beziehungen“, sagt die Ärztin. Was für das Funktionieren von Beziehungen außerdem eine entscheidende Rolle spielt: „Das ist die Selbstliebe“, betont Maren Mauelshagen. „Gemeint ist damit eine gesunde und grundsätzliche Selbstbejahung“, führt die Diplom-Sozialpädagogin und Heilpraktikerin für Psychotherapie aus, „dazu muss man nicht perfekt sein, gerade die kleinen Fehler machen ja oft liebenswert.“ Nur, wer in dem Bewusstsein lebe, ein liebenswerter Mensch zu sein, könne die Liebe anderer annehmen.

Fest steht: Liebe ist als solche wissenschaftlich nicht nachweisbar. „Nachweisbar ist nur, dass beim Verliebtsein bestimmte Regionen im Gehirn aktiv sind und Stoffe produziert werden, die sonst in dieser Konstellation nicht produziert werden“, führt Sandra Kienle aus. Dass Liebe uns gut tut, steht außer Frage. Denn: „Ohne zu lieben, ist das eigene Leben unerfüllt und einsam“, sagt Maren Mauelshagen, „Menschen sind auf Gemeinschaft angelegt.“ Anhaltspunkte dafür, dass Liebe und Partnerschaft die Gesundheit stabilisieren, haben Wissenschaftler an der Universität von Otago bereits 2015 gefunden: Menschen in Partnerschaften leben gesünder, Verheiratete haben die höchste Lebenserwartung und das geringste Risiko, an psychischen Problemen zu erkranken.

Text, Fotos: Dr. Ramona Vauseweh

Info

Profis in Sachen Herz und Seele:


LWL-Klinik Herten
Sandra Kienle
Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Pychotherapie
Oberärztin der Ambulanz und Tagesklinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Im Schlosspark 20
45699 Herten
Tel.: 02366 802-0
Mail: info-herten@lwl.org
Web: www.lwl-klinik-herten.de

Maren Mauelshagen
Heilpraktikerin (Psychotherapie) und Diplom-Sozialpädagogin
Tel.: 0209 51302581
Mail: post@wegefinden-info.de
Web: www.wegefinden-info.de