Zurück in die Natur

Die Renaturierung der Emscher-Nebenläufe

Dass die Nebenläufe der Emscher aus ihrem Betonbett befreit werden und wieder frei und unberührt fließen dürfen, ist Teil des Emscher-Umbaus – und ein Meilenstein des Projekts.

Mehr Lebensqualität für Hertener
Seit 1992 arbeitet die Emschergenossenschaft daran, Abwasser nicht mehr in die Emscher, sondern in unterirdischen Kanälen ablaufen zu lassen und den Ruhrgebiets-Fluss sowie seine Nebenläufe zu renaturieren – damit die Emscher wieder ein naturnaher Lebensraum wird. Mit einem Investitionsvolumen von rund 5,38 Milliarden Euro ist der Emscher-Umbau eins der größten Infrastrukturprojekte Deutschlands. Allein in Herten plant die Emschergenossenschaft Investitionen in Höhe von insgesamt 157 Millionen Euro. „Unser Emscher-Umbau ist nicht nur eines der wichtigsten wasserwirtschaftlichen Vorhaben in der Region, sondern es ist ein internationales Vorzeigeprojekt mit städtebaulichem Mehrwert für Mensch und Natur“, sagte Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft und ehemaliger Bürgermeister der Stadt Herten, beim ersten Spatenstich vor gut zwei Jahren: Bereits im Sommer 2017 startete der Bau neuer unterirdischer Abwasserkanäle entlang des Resser Bachs und des Backumer Bachs in Herten. Am Holzbach haben die Arbeiten im Frühjahr 2019 begonnen, seit Juli ist bereits der zweite Bauabschnitt in Bearbeitung. Er erstreckt sich auf der Rückseite der Sienbeckstraße entlang des Holzbachs und im Bereich des Schnorrgrabens in Gelsenkirchen-Resse.


Live dabei sein
Stück für Stück können die Hertener miterleben, wie nach und nach wieder ein natürlicher Lebensraum für Wasserbewohner entsteht. Zuerst wird das unterirdische Kanalsystem gebaut und danach die Gewässer ökologisch verbessert. Zukünftig sollen die Bäche nur noch sauberes Quell-, Grund- und Regenwasser transportieren. Für mehr Lebensqualität für Menschen, Tiere und Natur. In Herten sind ein Radweg von der Uhlandstraße bis zur Waldstraße mit Anschluss an die Zechenbahn und ein kleiner Radwegeabschnitt entlang der Zeche Ewald geplant. So möchte die Emschergenossenschaft die Natur an den Gewässern erlebbar machen. Bis zum Jahr 2030 soll insgesamt ein Wegebestand von 300 Kilometern im Emschergenossenschafts- und im Lippeverbands-Gebiet entstehen.

Generationenprojekt
Die Emschergenossenschaft plant im Zuge des Emscher-­Umbaus ein neues Entwässerungssystem, dessen Hauptschlagader der Abwasserkanal Emscher zwischen der Klär­anlage Dortmund-Deusen und dem Klärwerk Emscher- Mündung im Städtedreieck Dinslaken-Oberhausen-Duisburg ist. Auf einer Länge von 51 Kilometern wird dieser die Abwässer von rund 2,26 Millionen Einwohnern sowie umfangreiche Abwassermengen von Industrie und Gewerbe aufnehmen und sie den Kläranlagen zuleiten.

Text: Dr. Felicitas Bonk, Fotos: Andreas Fritsche/ EGLV

Info

Die Bauarbeiten und die Inbetriebnahme für den Abwasserkanal Emscher (AKE) laufen Schritt für Schritt ab: Zuerst musste an 200 Standorten der Baugrund überprüft werden, damit ein solches Projekt überhaupt realisierbar ist. Der Hauptkanal soll einen Innendurchmesser von 2,80 Metern haben. Nach erfolgreicher Prüfung begannen bereits vor Jahrzehnten die ersten Bauarbeiten. Ende 2021 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein.