Drei Wünsche: Regen, regen und nochmals Regen

Regen, Regen und noch mehr Regen

Die Wiesen in der Kleingarten­anlage „Gut Grün“ an der Polsumer Straße sind gelb und trocken. Doch die Hobbygärtner sind gelassen, sagt Udo Lipke, Vorsitzender des Vereins mit 60 Parzellen. Trocken und gelb ist auch ein Großteil des Landes von Bauer Karl Godde. Gelassen kann er nicht sein. Für ihn geht es um bares Geld, seinen Betrieb, die Existenz seiner Familie und der Angestellten. Gemeinsam ist Udo Lipke und Karl Godde allerdings: Sie bewahren Ruhe und wünschen sich dringend Regen. Karl Godde nennt ein Beispiel für seine Situation. Normalerweise wird vier- bis fünfmal im Frühjahr und Sommer Gras als Futter für die rund 120 Kühe geerntet. Zweimal konnte bisher geerntet werden. „Ein drittes Mal wird es wohl nicht geben“, sagt Bauer Godde, dessen Blick immer wieder auf sein Handy und die Wetter-App fällt.

Futter und Strom muss bezahlt werden
Die Konsequenz des Wassermangels für ihn ist: Er muss Futter zukaufen. „Der Zukauf einer Ernte bedeutet rund 60.000 Euro allein für die Kühe, gerechnet auf ein ganzes Jahr.“ Zwar ist dieses Jahr bisher nicht ganz so trocken, wie das Jahr 2018, wo schon ab April fast kein Tropfen Regen mehr in unserer Region herunterkam, doch teurer als Jahre mit Regen wird es auf alle Fälle wieder. Mangel an Regen und steigende Temperaturen haben auch indirekte Wirkungen. Karl Godde: „25.000 Kilowattstunden mehr an Strom haben wir 2018 verbraucht, allein durch die Lüfter in den Kuhställen und die Kühlung der Selbstbedienungs-Automaten.“ Karl Godde hat seinen bäuerlichen Betrieb in Disteln an der Marpenstraße, den er in dritter Generation führt, breit aufgestellt. 90 Hektar Land werden bewirtschaftet, hauptsächlich Mais als Futter für die Kühe, Wintergerste, Hafer und Erdbeeren. Es gibt einen Selbst­bedienungs-Hofladen mit eigenen und regionalen Produkten, eine Milchtankstelle, eine Fahrrad-Raststätte mit Milchhütte und kleinem Spielplatz, Gemüsegärten, die in Kooperation mit „Meine Ernte“ vermietet werden, Hühner und einiges mehr. „Mais und Kartoffeln sind jetzt die Problem­pflanzen“, sagt Godde. Neue Erdbeeren nachpflanzen, wie es regelmäßig geschehen muss, macht jetzt auch wenig Sinn. Die Konsequenz in diesem Fall: „Je später die Erdbeerpflanzen in den Boden kommen, umso geringer ist der Ertrag im nächsten Jahr.“

Die Folgen sind schwerwiegend
„Wenn das dieses Jahr wieder so wird wie 2018, dann wird es eng“, sagt Karl Godde. Zwar gab es im letzten Jahr eine Dürrebeihilfe vom Staat, doch die kam in Disteln nicht an. Godde: „Da die Verluste auf den gesamten Betrieb gerechnet werden, kamen wir an den Prozentsatz nicht ran.“ Wasserknappheit weiter gedacht, bedeutet für Karl Godde: Er müsste den Tierbestand reduzieren und eine Be­regnungsanlage kaufen. „Das ist schweineteuer. Unter 50.000 Euro geht da nix.“ Bohrlöcher, um an Wasser zu kommen, sind da noch nicht mit­gerechnet. Fünf müsste er auf jeden Fall haben. Die Kleingärtner von der Polsumer Straße haben es gut, weil sie auf Sand gebaut haben – so paradox das klingt. Udo Lipke: „Das Wasser läuft hier immer schon so weg. Wir haben uns mit der Bepflanzung darauf einrichten müssen.“ Hätten Hobbygärtner und Landwirt aber drei Wünsche bei einer guten Fee frei, dann wäre das: Regen, Regen und nochmals Regen.

Text: Dagmar Hojtzyk Fotos: Christian Kuck