Schmacht am Schacht

Schmacht am Schacht

„Hmmmmm, was für ein leckerer Geruch,“ denkt sich meine Nase, während ich über das alte Zechen­gelände von Schlägel und Eisen schlendere. Ein Duft, der scheinbar kilometerweit die Luft erfüllt. Nun schaltet sich mein Gehirn ein: „Das ist Currywurst! Da möchte ich hin!“ Meine Schritte werden immer größer…

„Komm rüber Peter, deine Pommes sind feddich“, schreit Frikadellen-Kalle aus dem Grillwagen des „Imbiss am Schacht“ auf Schlägel und Eisen. „Aber ich heiße doch gar nicht Peter“, tönt es aus ein paar Metern Abstand zurück. „Dann eben Hans oder wie auch immer… Trab an, die Fritten werden kalt.“ Frikadellen-Kalle heißt eigentlich Karl-Heinz Bernhardt und ist ein richtiges Ruhrpott-Original. Er trägt sein Herz auf der Zunge und ist immer für einen lustigen Spruch zu haben. „Seit der Eröffnung im März rockt er hier jeden Vormittag die Bude“, sagt sein Sohn Sebastian Bernhardt, der zusammen mit Patrick Barciaga den Imbiss betreibt. „Seinen Spitznamen hat er bekommen, weil er einfach die besten Frikadellen macht.“ „Das ist wahr!“, ruft ein Gast, der gerade herzhaft in seine Bulette beißt. „Saftiges Hack, ordentlich Zwiebeln – das geht immer!“

Fünf von fünf Sternen

„Hmmmmm, Frikadellen…“ – nun schaltet sich auch mein Magen ein. Ich laufe weiter auf den Grillwagen zu. „Ich könnte hier Stammkunde werden“, höre ich einen Mann sagen, der an einem Tisch sitzt und es sich schmecken lässt. „Ja, dafür, dass ich eigentlich keine Pommes mag, sind die schon verdammt gut“, erwidert seine Sitznachbarin. Nun möchte ich es genau wissen und trete näher an den Tisch. Das Ehepaar Isabel und Jens Rank fängt an, die Fritten auf Herz und Nieren zu prüfen: Geschmack, Knusprigkeit, Gewürz – durchweg bewerten sie mit fünf von fünf Sternen. Mein Hunger wird immer größer ...

Von Süßkartoffelpommes bis hin zu kalten Getränken – am „Imbiss am Schacht“ ist für jeden Geschmack etwas dabei. Auch eine Mittagskarte hängt hier groß aus, darauf zu lesen: Hack-Reispfanne, Ratatouille mit Baguette, italienischer Salat mit Ciabatta. „40 bis 50 Mitarbeiter der umliegenden Firmen kommen hier täglich zum Mittagessen vorbei“, sagt Patrick Barciaga. „Da ist schon eine Menge los.“ Aber auch Radfahrer, Spaziergänger und die Jugendlichen, die auf dem daneben gelegenen Parcours-Gelände trainieren, gehören zur Kundschaft des „Imbiss am Schacht“.

 

 

Endlich am Imbiss-Schalter ange­kommen! Ich entscheide mich ganz klassisch für Pommes-Currywurst. Der leckere Duft hat sich zu tief ein­gebrannt, als dass ich mich für etwas anderes entscheiden könnte. Das Ehepaar Rank hatte völlig Recht mit ihrer Bewertung. Eigentlich komisch, denke ich mir, da keiner der beiden Betreiber aus der Gastronomie stammt. „Unsere eigentliche Arbeit ist eine ganz andere. Die Idee entstand aber quasi währenddessen“, sagt Sebastian Bernhardt. „Ja“, ergänzt Patrick Barciaga, „bei einer unserer Touren bemerkten wir, dass es hier eigentlich nichts im Umkreis gibt. Und da haben wir den Entschluss gefasst, vor dieser tollen Kulisse einen Imbiss zu eröffnen.“ „Danke schön, eine wirklich gute Entscheidung“, sagen meine Nase, mein Magen und mein Kopf gleichzeitig.

 

Text: Anna Roskosch  

Fotos: Markus Mucha

Video: Markus Mucha