Test "Leben retten und cool aussehen"

Die Trinkflaschen der Marke "soul bottles" wollen ökologisch, stilvoll und gesund sein.

„Einfach geil“, „sexy“ und „cool“– Worte, mit denen sich nur Flaschen beschreiben können. Nicht bei Tinder. Sondern auf einer Verpackung. Die ist aus Pappe, 100 Prozent recycelbar, aus nachhaltiger Beschaffung und, wer achtet nicht darauf, mineralölfrei bedruckt. Denn die Trinkflasche der Marke „soul bottles“ will nicht nur geil, sondern auch öko sein.

Eine Kombination, die Abwehrmechanismen auslöst. Drei Wochen lang steht die Flasche unangetastet auf meinem Schreibtisch. Das Mahnmal des Hipstertums schreit mich an: „voll ökologisch, stilvoll und gesund!“, „Nachhaltigkeit ist jetzt sexy!“ oder „Leben retten und cool aussehen!“ Irgendwann muss ich die Flasche testen. Schlage „irgendwann“ im Duden nach. Von „jetzt“ steht da nix.

Montag in der Redaktion. Es klingelt. Zwei Oberarme kommen durch die Tür. Der Mann will den Wasserspender nachfüllen und die leeren Kanister gleich mitnehmen. Ein Kanister thront auf dem Spender, er ist zu einem Drittel voll. „Will das mal eben einer leer machen?“ Birgit Ridderskamp, Anzeigenverwalterin, fragt in die Runde, ohne ihr Büro zu verlassen.

Die mit der Flasche auf dem Tisch fühlt sich angesprochen. Beim Öffnen der Verpackung bereue ich das. Ein Stück Pappe liegt obenauf. „Smile and say hi to your new soulmate!“ ist darauf gedruckt. Instinktiv will ich die Flasche aus dem Fenster werfen. Bleibe stark und nehme sie mit zum Spülbecken. Den Flaschenhals zwischen Wasserhahn und Spülbeckenwand zu bugsieren, erfordert Tetris-Vorkenntnisse. Dann ein Wunder: Obwohl die Flasche größer ist als ein Glas, lässt sie sich leicht unter dem Wasserspender befüllen. Die Verpackung erklärt: „soulbottles haben eine 29 mm Öffnung.“ Das ist größer als üblich und angeblich „optimal, um daraus zu trinken.“

"Du wirst es lieben, aus mir zu trinken"

Wer das Spülmittel vor dem Erstgebrauch ordentlich ausgewaschen hat, erfreut sich dann der Geschmacksneutralität, mit der die Flasche „aus hochwertigem italienischen Glas“ wirbt. Weil die Flasche nicht unter die Kaffeemaschine passt, teste ich sie nur mit Wasser.

Mit einem satten „plöpp“ öffnet sich der Bügelverschluss. Ansetzen, trinken – das Mindeste, was man von einer Trinkflasche erwarten kann, auf Anhieb erfüllt. Wow! Die Verpackung sagt, dass ich es lieben werde, aus meiner Soulbottle zu trinken und ich sie mir immer wieder befüllen will. Tatsächlich ist das so. Mit 0,6 Litern Fassungsvermögen ist die Flasche für den Büroalltag angenehmer, als für jedes Glas Wasser einzeln zum Wasserspender zu gehen.

Motive von "Künstlern aus der ganzen Welt"

Schön anzusehen ist das auf die Flasche gedruckte, filigrane Motiv namens „Jellyfish in a bottle“. Eines von „20 tollen Designs“, klärt die Verpackung auf, sämtlich von „jungen Künstlern aus der ganzen Welt“. Eine Lena Schilberg hat die spülmaschinenfesten Kopffüßler gezeichnet. Und sie wurde, oh Überraschung, natürlich am Verkauf beteiligt. Apropos: 23,49 kostet die Seelenflasche, die über den Energiesparshop der Hertener Stadtwerke erhältlich ist.

Zu schwer, aber dicht

Schade: Mit 470 Gramm Gewicht ist mir das Teil zu schwer für die Handtasche. Außerdem bollert das dickwandige Glas im Fahrradkorb. Aber ein Schlagloch beweist, dass der Flascheninhalt den Kopfstand auslauffrei übersteht: die Gummidichtung am Keramikstopfen hält, nun ja, ordentlich dicht. Klarer Pluspunkt gegenüber dem klassischen Wasserglas. Ein weiterer: Ein besserer Überblick darüber, wie viel ich getrunken habe. Sind zwei Flaschenfüllungen geleert, ist die Hälfte des Tagesbedarfs an Wasser fast gedeckt.

Fazit: Ein tolles Produkt für’s Büro - wenn es erstmal ausgepackt ist. Die Verpackung besser nicht lesen, sondern umgehend dem Recycling zuführen. Ist ja auch im Sinne des Herstellers.

Text und Foto: Raphaela Willwerth

Info

Energiespar-Shop der Stadtwerke Herten

http://shop.hertener-stadtwerke.de/