Das CityCafé: Drinnen nur Kännchen

Das City-Café von Patricia Hudovernik und Felicitas Koch lockt nach Herten

Was heißt hier Kalorien? Der Windbeutelist ein Traum! Sein neuer Besitzer strahlt in Vorfreude auf das bevorstehende Kaffeetrinken daheim. Sorgfältig verpackt Felicitas Koch das sahnige Gebäck. An der Kuchentheke locken Eierlikörtorte, Frankfurter Kranz, Schwarzwälder-Kirsch und mehr – alles selbstgemacht. Aus der Backstube bringt Patricia Hudovernik frische Erdbeerschnitten. Seit mehr als zwei Jahren betreiben die beiden Frauen das CityCafé: „In der Hochsaison haben wir mehr als 50 Sorten Torte.“ Im Herbst und Winter sitzen die Menschenam liebsten im Café, wissen die zwei. Was im City Café immer Saison hat, ist die Gemütlichkeit. Beim Renovieren haben Felicitas und Patricia den nostalgischen Charme des Lokals beibehalten. Dunkle Vertäfelung, ein alter Leuchter, warmes Licht. Eigenhändig hat Felicitas Koch die alten Holzstühle neu bezogen und passende Gardinen genäht. Das Highlight des Hauses jedoch füllt die Regale und verdoppelt sich in den verspiegelten Wänden: Kaffeekannen aus vergangenen Tagen, die manchmal kleine Geschichtenerzählen. „Diese Kanne hat der Vater der Spenderin der Mutter zur Verlobung geschenkt“, weiß Felicitas Koch, „die Hochzeit war 1939.“ In vielen Kannen stecken Zettel, bei neuen Spendenmacht die 54-Jährige sich Notizen.

Mehr als 300 antike Kännchen gibt es im CityCafé

„Ein Witwer brachte das Lieblings-Milchkännchen und die Zuckerdose seiner Frau“, erinnert sie sich gerührt, „er sagte: Sie wissen so etwas zu schätzen! “Seitdem komme der ältere Herr gerne zum Kaffee her, „er schaut dann immer nach dem Porzellan.“ In der Holzvitrine steht das komplette Service einer alten Dame, weiß mit goldenem Rand, „wenn sie mit ihren Freundinnen hier ist, bekommt sie ihre Tafel damit gedeckt. "Mehr als 300 Kannen gehören inzwischen zum Inventar und nostalgische Neuzugänge sind nach wie vor willkommen. „Seit 1960 gibtes das Café, die Kaffeekannenspenden haben im Haus seit Jahrzehnten Tradition“, erzählt Patricia Hudovernik. Mit dem eigenen Café hat sich die 46-Jährige einen Traum erfüllt. Fertigmasse und Vorgebackenes kommen für die kreative Konditorin nicht in Frage.

Nun lebt sie sich in der eigenen Backstube aus. Ihre langjährige Freundin Felicitas Koch konnte sie für die Existenzgründung begeistern. Die Marketing-Fachfrau hat Verkauf und Service übernommen:„Die Kinder sind aus dem Haus, der Ton im Jobwurde rauer – Zeit für etwas Neues!“ Felicitas Koch bereitet das Gericht für den täglichen Mittagstisch zu. Hausmannskost mit Frischem aus dem eigenen Garten. „Wie die Tomaten für die Tomatensuppe.“ Wer sich bis halbelf anmeldet, wird beim Kochen berücksichtigt. Die Gäste in einer der gemütlichen Nischenkommen fast täglich zum Mittagessen.

Heute lassen sie sich bunte Platten für eine Geburtstagsfeieranfertigen. Patricia Hudovernik kommt aus der Backstube, zu zweit geht alles schneller. Ein eingespieltes Team, das sich seit mehr als 20 Jahren kennt: „Unsere Mütter waren Arbeitskolleginnen.“ Sonntags hilft Kochs Tochter Loredanaden Powerfrauen, alles andere schaffen sie allein – bis hin zum Torten ausliefern. Beide Frauen lieben Kuchen.

Jeden Tag ein Stück Kuchen macht glücklich

„Ich esse jeden Tag ein Stück, sonst bin ich nicht zufrieden“,verrät Patricia Hudovernik. Am liebsten KäsekuchenNatur: „Er muss so locker sein, dass man ihn ganz ohne Kaffee genießen kann“ – übrigens,es gibt auch Leute, die holen sich „Kuchento go“, dafür gibt es Plastikgeschirr. Es ist Nachmittag, die gute Stube füllt sich. „Frauentreff,Kegelverein, Schwimmgruppe – viele kommenregelmäßig her“, sagt Felicitas Koch, die jeden Gast mit einem unnachahmlichen Strahlen begrüßt. „Ich koche eine ganze Kanne Kaffee und bringe ein Stövchen“, bietet sie drei Damen an,die noch auf ein paar Freundinnen warten, „sobleibt er heiß und frisch!“Nicht alle Gäste gehören zur älteren Generation. „Omas werden von ihren Enkelinnen begleiten,ganze Familien kommen zum Kaffee“,zählt die Frontfrau auf, „nicht zu vergessen unsereApfelkuchenspezialisten, zwei junge Männer,die regelmäßig Pattis Apfeltorte im Caféessen.“

Ein Kunde fährt aus Bochum her, weil erdie Rumkugeln so mag. Mundpropaganda durchzufriedene Gäste wirkt. Oft hat das Café-Duogehört: „Sie sind uns empfohlen worden!“ Etwavon Bürgermeister Uli Paetzel. „Er bietet Stadtrundfahrtenan und macht dabei auf unser Caféaufmerksam“, freuen sich die beiden. Zu gernemöchten sie einmal live dabei sein. Inkognito,versteht sich. Aber dafür fehlte bisher die Zeit.Oft steht Patricia Hudovernik bereits nachtsauf, um Torten zuzubereiten. Ihre Rezepte weißsie aus dem Kopf. Ausspannen? Da muss manchmaleine Stunde Schlaf in der Mittagszeit oderein Spaziergang mit ihrer quirligen Jack-Russel-Hündin Cathy reichen, meint sie. Oder eine Pauseauf der Terrasse, ergänzt Felicitas Koch. Wegender kurzen Wege sind die Bochumerin und die Gelsenkirchenerin nach Westerholt gezogen –längst fühlen sie sich hier richtig wohl: „Wir sind die Windbeutelprinzessinnen von Westerholt!“

Text und Fotos: Dr. Ramona Vauseweh

Verwandte Themen:
Info

City-Café
Patricia Hudovernik und Felicitas Koch
Geschwisterstraße 5
45701 Herten-Westerholt
0209 35631

Öffnungszeiten:
Di - Sa: 10 bis 18 Uhr
So: 11.30 bis 18 Uhr
Mo: Ruhetag