Quartett mit Kontrasten

Besucher entdecken die Zeche Schlägel & Eisen

Das eine strebt filigran, das andere eher kompakt in den Himmel von Herten-Langenbochum. Bedeutsam sind sie trotz der Kontraste alle beide. Die Rede ist von den Fördergerüsten Schacht 3 und Schacht 4 auf der Zeche Schlägel & Eisen, die in Gemeinschaft mit den beiden Grubenlüftern ein besonderes Industriedenkmal darstellen. Am dritten Advent (17.12.) haben interessierte Besucher wieder Gelegenheit, das Denkmalensemble bei einer Führung der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur aus der Nähe kennenzulernen. Sie erfahren Wissenswertes rund um die Geschichte des Bergwerks, über Technik, die frühere Arbeit und den Alltag der Kumpel.

Wer das Gelände der Zeche durch das Werkstor betritt, benötigt nicht allzu viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie hier einst die Kumpel ihre Schicht begannen. Die ersten Bergleute förderten im Jahr 1877 auf Schlägel & Eisen Kohle. Schon 1883 brachten rund 400 Bergleute 100.000 Tonnen schwarzes Gold ans Tageslicht. 1892 ging Schacht 2 in Betrieb, es folgten Schacht 3 im Jahr 1896 und 1984/85 Schacht 4. Insgesamt acht Schächte entstanden. Jedoch im Jahr 2000 endeten die bergbaulichen Aktivitäten und die Zeche wurde stillgelegt.

Auch der Weg des Besuchers zum Treffpunkt führt vorbei am ehemaligen Pförtnerhaus und dem Lohn- und Belegschaftsbüro. Von hier aus kann man bereits die beiden Fördergerüste der beiden Schachtanlagen erkennen. Auf der rechten Seite das rostfarbene, dreibeinige Strebengerüst aus dem Jahr 1896, links das graue Kastengerüst mit seinen beiden markanten grauen Lüftern. Das Gerüst über Schacht 7 wurde 2013 gesprengt.

Liebhaber deutscher Fördergerüstbauten kommen auf der Zeche Schlägel & Eisen auf ihre Kosten. Denn das filigrane Gerüst über Schacht 3 ist, genau bezeichnet, ein eingeschossiges Deutsches Strebengerüst der Bauart Promnitz 3. Es zählt zu den ältesten, erhaltenen Fördergerüsten seiner Art in Nordrhein-Westfalen. Entworfen hat es der Bochumer Ingenieur Werner Gellhorn. Knapp 36,5 Meter hoch ist es bis zur Mitte der Seilscheiben. Das bestimmende Merkmal dieser Gerüstform ist, dass es dreibeinig ist - das Führungsgerüst dient gleichzeitig der Gestellführung und der Lastenabtragung. 

Später setzte sich auch die Vollwandkonstruktion bei Fördergerüsten durch. Im Gegensatz zur empfindlichen Eisenkonstruktion bietet die Vollwandbauweise kaum Angriffsfläche für Rost und Schmutz. Die Wartung an diesem Gerüsttyp ist also wesentlich einfacher. Zunächst war das Gerüst über Schacht 4 ein Vollwandstrebengerüst; es stand bis 1981. Als dann Mitte der 1980er Jahre Schacht 4 zum neuen Hauptförderschacht der Zeche wurde, erhielt er auch ein neues Fördergerüst. Diesmal war es ein Stahlkastenstrebengerüst, das heute zu sehen ist.

In den 1950er Jahren begann man wesentliche Bestandteile des Fördergerüsts in Kastenprofilen auszuführen. Im Gegensatz zur Vollwandbauweise sind die Kastenprofile hohl und erweisen sich gleich oder sogar besser in ihrer Stabilität. Der Materialaufwand konnte somit weiter reduziert werden.

Auch der Blick ins Maschinenhaus Schacht 3 darf nicht fehlen. Hier verbirgt sich eine über 100 Jahre alte Zwillingsdampffördermaschine. Noch gut erhalten sind die Räume und Ausstattung der Maschinenhalle mit dem Sitz des Fördermaschinisten. Wie hier gearbeitet wurde, ob es laut oder eher still zuging, all dies können Besucher von ihrem Gästeführer am Sonntag erfahren.

 

Führung Zeche Schlägel & Eisen, Herten-Langenbochum

Sonntag (17.12.) um 14 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Preis: 5 Euro pro Person

Kinder unter 12 Jahren haben freien Eintritt

Adresse: Glückauf-Ring 26, Herten-Langenbochum

 

 

Weitere Informationen unter Telefon 0231 – 93 11 22 33 und unter www.industriedenkmal-stiftung.de