Liebe Buchstäblich Buch-süchtig

Buchstäblich Buch-süchtig

Es soll Menschen geben, die nicht gerne lesen. Denen Buchstaben — Wörter, Sätze, Seiten, Kapitel, Bücher — nichts bedeuten. Ein Zustand, den zwei ganz besondere Frauen in Herten, nicht kennen. Marie-Luise Karla leitet die Stadtbibliothek Herten, Ruth Heine den dazugehörigen Förderverein. Beide haben eine tiefe Verbindung zum geschriebenen Wort.„Ich habe schon als Kind unglaublich gerne gelesen“, blickt die Bibliotheks- Chefin zurück. „In der Grundschule lernten wir nach der Ganzheitsmethode lesen und schreiben, also lernten wir nicht erst die Buchstaben des Alphabets kennen, sondern sofort ganze Wörter und Sätze. Um uns nicht zu verwirren, wurden die Eltern gebeten, uns zu hause möglichst nicht das Lesen beizubringen, schon gar nicht über einzelne Buchstaben.“ Das kam aber gar nicht in die Tüte. Nach einem Besuch einer Familienfreundin aus England — die zufällig eine Bibliothek leitete — stand fest: Marie-Luise lernt lesen. Und zwar richtig. „Ich fand es toll, das Wort auch von der Struktur her zu lernen —  so wusste ich immer, wie etwas geschrieben werden muss.“ Und was haben die Lehrer gesagt? „Die konnten nichts sagen, die haben mich machen lassen.“ Zu Recht, denn mittlerweile ist Marie-Luise Karla seit 38 Jahren Bibliothekarin und seit fast fünf Jahren Leiterin der Bibliothek in Herten.

 

 

„Bücher halten jung“, sagt Ruth Heine. Da ist was dran und sie ist der beste Beweis — voller Energie erzählt sie, was Buchstaben ihr bedeuten. Die 71-Jährige schätzt den Zauber des Buches sehr — auch sie erinnert sich daran, dass der Grundstein dazu schon früh in ihrer Kindheit gelegt wurde. „Wir mussten in der Sexta und Quinta (heute 5. und 6. Klasse am Gymnasium, Anm. d. Red.) ein Buch auf dem Kopf balancierend Texte rezitieren. Damit wir die Worte respektieren und selbstbewusst vortragen.“ Cooler Nebeneffekt: Nie Lampenfieber oder Nervosität auf den Bühnen des Lebens. Ruth Heine lacht bei der Erinnerung an ihre Jugend: „Wie oft habe ich mich vor der Hausarbeit gedrückt und mich mit einem Buch verkrochen. Das hat meistens funktioniert, meine Eltern haben das Lesen sehr respektiert.“

„Tipp: Lesen lieben lernen“
Ihre Leidenschaft für Bücher geben die beiden Frauen in ihrer Arbeit an alle weiter, die den Weg in die Bibliothek finden — und nicht nur die. Marie-Luise Karla: „Unsere Nutzerschaft umfasst alle Generationen, und wir haben schon Leser, die bereits in der zweiten Generation, oder mit ihren Enkel­kindern kommen.“ Zusammen mit dem Förderverein gibt es Büchermärkte, Kindertheater und lange Lesenächte — es gibt viele Wege, um zum geschriebenen Wort zu finden und es lieben zu lernen. Den Profi-Tipp an alle, die (noch) nicht gerne lesen, geben die beiden Frauen quasi unisono: „Einfach anfangen — wenn man erstmal entdeckt hat, was sich alles in Büchern versteckt, hört man nie wieder auf.“

Text: Mareike Graepel • Fotos: Markus Mucha

 

 

 

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