Auf dem Dach des Ruhrgebiets

Ein kleines Abenteuer - die Vollmondwanderung auf der Halde Hoheward

Der Herbst klopft an. Es ist kalt und ungemütlich. Die Wolkendecke am Himmel sorgt dafür, dass es noch schneller dunkel wird. Dabei ist es erst 18 Uhr. Nach einem stressigen Arbeitstag wünscht sich jeder noch einmal frische Luft zu schnappen. Einmal den Sternen zum greifen nah sein. Mit diesem Traum macht sich die Gruppe auf den Weg. Noch weiß niemand, wohin der Weg sie führt, aber alle erwarten am Ende ein kleines Abenteuer im Alltag, mit atemberaubendem Ausblick. Hierfür ist kein Ausflug in die Berge nötig. Das Glück ist oft näher als man denkt – um genau zu sein auf der Halde Hoheward. Hier findet heute eine Vollmondwanderung statt. Brigitte Kolberg (60), Gästeführerin der Halde Hoheward verteilt Leuchtstäbe. Sie lassen die Gruppe als ein Lichtermeer erscheinen. Los geht’s! Die Vollmondwanderung auf der Halde startet genau jetzt.

Weitblick über das Ruhrgebiet

Schritt für Schritt geht es nun steil bergauf, wodurch einige ins Schwitzen geraten, trotz des beißenden Windes. „Seht ihr die runden Stahlbögen vom Horizont- Observatorium?“, fragt die Gästeführerin. Tatsächlich, alle haben den beeindruckenden Blickfänger entdeckt und können es kaum erwarten, die Aussicht von dort oben auf sich wirken zu lassen. „Die Stahlbögen bilden auf der Halden-Plattform den Ortsmeridian, sodass ihr von dort den Lauf der Sonne, des Mondes und der Sterne optimal beobachten könnt. Und noch ein Highlight auf der Halde ist die Horizontal- Sonnenuhr mit dem großen Obelisken“, verrät Brigitte Kolberg. Mit dem Ziel vor Augen nähert sich die Gruppe der Halden- Plattform. Wer einen Blick zur Seite wirft, erkennt eine funkelnde Stadt. So langsam ist ein Druck auf den Ohren spürbar. Der Wind weht hier oben heftiger, sodass es sich direkt zehn Grad kälter anfühlt. Die Haare fliegen.

Es ist schwierig klar zu sehen, durch die brennende Kälte in den Augen und die Windböen. Die Wandergruppe lässt sich davon nicht abhalten. Schließlich trennen sie nur noch wenige hundert Meter von der Halden-Plattform. Es ist geschafft. Die Gruppe ist oben angekommen. Ein Jubeln kommt auf. Alle sind verzaubert von dem ausgezeichneten Panorama-Blick. „Von hier aus sieht man fast das gesamte Ruhrgebiet“. Brigitte Kolberg zeigt den Teilnehmern bekannte Orte: „Das ist der Gasometer in Oberhausen und dort hinten steht der Dortmunder Fernsehturm. Leider ist der Himmel heute wolkenverhangen, aber bei klarer Sicht erkennt man sogar den Düsseldorfer Rheinturm, obwohl er 50 Kilometer entfernt ist“.

Bis zum Mond...

Wow - immer wieder ist dieser Ausdruck zu hören. Vielleicht ist die Gruppe ein Stück weit angekommen. Angekommen bei sich und in ihrer Heimat, dem Ruhrgebiet. Eine traumhafte dennoch wahre Aussicht. Über der Stadt leuchtet der Vollmond. „Und wir haben ihn trotz Wolken doch noch gesehen“, freut sich ein Junge. So nah kommt man dem Mond nicht alle Tage. Der weite Weg und die elf Euro für die Führung haben sich gelohnt. Das Ruhrgebiet erzählt seine Gute-Nacht-Geschichte auf der Halde Hoheward.

Text: Katharina Bischoff • Fotos: Markus Mucha

 

 

 

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Termine unter www.bit.ly/2AdkWvE