Smartes Herten Zwischen Teddy und Tablet

Medienbildung für die Kleinsten: landesweites Pilotprojekt startet in der Hertener Kita Distelpink

Es blitzt im Sportraum der Kita Distelpink. Saliou (5) hat auf den Auslöser der Digitalkamera gedrückt. Luis steht ihm grinsend Modell, nur Holly hält sich lieber im Hintergrund und umklammert den Musiktrolley. Der portable Lautsprecher mit Mikrofon ist ein alter Bekannter der Vierjährigen: Die Kita Distelpink nutzt die Medien, um Singspiele zu machen oder ein paar Sätze einzusprechen. Bald werden Holly, Saliou und Luis auch im Umgang mit Tablets geübt sein.

Die Kita Distelpink ist eine von insgesamt zwölf Kitas in der Emscher-Lippe-Region, die über das Projekt „Medienbildung in der Kita" gefördert wird. Das Projekt vom NRW-Familienministerium, dem Institut für Soziale Arbeit e.V. und dem medien­pädagogischen Verein Blickwechsel erprobt und dokumentiert über zwei Jahre hinweg den Einsatz von Medien im Kita-Alltag – und stattet die Modell-Kitas mit eben solchen aus. Sybille Huber-Varenholz, Leiterin der Kita Distelpink, wünschte sich Tablets: „Die Geräte vereinen viele Funktionen und erlauben, auch draußen kreativ zu sein." Drei Stück bekommt die Kita im Herbst – dann heißt es an die Touchscreens, fertig, los.

Herten macht Erfahrungen für ganz NRW

„Ziel des Projektes ist es, herauszufinden, wie Medien im Kita-Alltag sinnvoll und altersgerecht eingesetzt werden können", sagt Medienpädagogin Claudia Wierz vom Verein Blickwechsel. Dafür werden sich Kinder und Erzieher unter Begleitung der Initiatoren spielerisch mit den Geräten auseinandersetzen. Geräusche aufnehmen und diese anschließend erraten, kleine Trickfilme drehen, Fotos machen und bearbeiten – all das wird mit den Tablets umgesetzt. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Universität Vechta: Sie dokumentiert den Verlauf sowie Beispiele, wie Medienbildung in der Kita aussehen kann. „Aus den Erfahrungen wird dann ein Handbuch entwickelt, das allen Kitas in NRW zur Verfügung gestellt wird", sagt Milena Bücken vom Institut für soziale Arbeit e.V. „Die meisten Kinder bringen schon Medienkompetenz von Zuhause mit", sagt Sybille Huber- Varenholz, „auch wenn die Erfahrungen zum Teil unterschiedlich sind, weil die Eltern die Mediennutzung ihrer Kinder verschieden handhaben." Um auch die medienkritischen Eltern anzusprechen, wird das Projekt in einer Infoveranstaltung vorgestellt und im engen Dialog mit den Eltern umgesetzt. „Wir machen deutlich, dass wir nicht einfach die Tablets auf den Tisch legen und die Kinder YouTube-Videos schauen lassen. Wir erarbeiten, filtern, begleiten. Uns ist wichtig, die Medien bewusst zu nutzen – und nicht zu verteufeln", betont die Kita-Leitung.

Kritische Haltung üben

Mithilfe der Tablets wird zum Beispiel die Frage gestellt, wieso die Serienhelden der Kinder so heldenhaft wirken. Dass Kameraperspektiven viel dazu beitragen, können die Kleinen selbst erfahren – oder per Greenscreen gleich selbst über den Bildschirm fliegen. Auch die kritische Haltung lässt sich üben: „Wir lassen die Kinder den Satz ,Ich gehe nicht gern in die Schule‘ einsprechen. Dann schneiden wir das ,nicht‘ heraus – und plötzlich ist die Aussage eine ganz andere. Die Kinder lachen erst, aber daran kann man gut andocken und erklären, wie Medien auch funktionieren können“, erklärt Claudia Wierz. Vorerst nicht in die digitalen Medien einbezogen werden die Kinder in der U3-Betreuung: „Bei den ganz Kleinen fangen wir mit den klassischen Medien wie Büchern an, um sie ganz sanft ins Thema einzuführen“, sagt Sybille Huber-Varenholz.

Text: Raphaela Willwerth • Fotos: Markus Mucha

Info

Distelpink
Städtischer Kindergarten Herten-Disteln

Zum Nonnenkamp 16
45699 Herten

Tel. 9306960

Weitere Infos zum Projekt unter www.blickwechsel.org