Typisch Mann?! Teilzeit bereit

Kevin Schlöder setzt für Töchterchen Maja den Job beim ZBH Herten aus

Kevin Schlöder hat sich mit Maja (4 Monate) auf den Stuhl gesetzt. Genauso, wie es der Fotograf gewünscht hat. Da füllt seine Tochter in diesem Moment die Pampers. Völlig unaufgeregt, breit grinsend kommentiert der Vater doppeldeutig: „Das ist auch mein Geschäft.“ Die Einweg-Windel zu wechseln, zählt zu seinen ganz leichten Übungen. Der Elektrotechniker-Meister gehört zu dem Drittel jener Väter in Deutschland, die die Elternzeit nutzen. Als sich die Chance eröffnete, galten Elternzeit-Väter noch als Exoten. Gefangen im tradierten Rollendenken, wonach die Versorgung von Kindern alleiniger Job der Mutter sei.

Teilzeit ist flexibel

Kevin Schlöder lobt die Mitarbeiter vom Zentralen Betriebshof (ZBH). „Die Kollegen haben meine Entscheidung positiv aufgenommen und mich super unterstützt“. Majas Mutter Vivian hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie ist beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beschäftigt. Die 33-Jährige gibt zu bedenken: „Wir im öffentlichen Dienst sind privilegiert und werden meist unterstützt. Wenn wir uns aber einen kleinen Baubetrieb vorstellen, wo dann der Maurer im Sommer in Elternzeit gehen will, da wird‘s schwierig. Das gehört zur Wahrheit, auch wenn ein Rechtsanspruch auf Elternzeit und Elterngeld besteht.“ Sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit ist dieses Ansinnen schriftlich beim Arbeitgeber anzumelden. Die Zeitphasen lassen sich splitten. Teilzeitarbeit ist möglich. Wie komplex das Regelwerk und wie bunt die Modelle sein können, davon zeugt der Ratgeber des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die Ministeriellen brauchten 138 Seiten, um die Möglichkeiten und Voraussetzungen zu erklären. Die Schlöders haben sich dafür entschieden: Mutter Vivian nimmt ein Jahr Elternzeit. Papa Kevin blieb den ersten Monat daheim und wird den zehnten Lebensmonat mit Töchterchen Maja verbringen. „Ich denke, im zehnten Monat kriegt sie das bewusster mit.“ Die Eheleute sind bereits erprobt. Beim Erstling Tom (jetzt 2 Jahre alt) haben sie die Elternzeit ebenfalls genutzt.

Als Vater die Chance nutzen

Kevin Schlöder berichtet, dass es beim zweiten Kind deutlich gelassener zugeht. „Wenn Maja mal weint, dann springe ich nicht in der ersten Sekunde hoch.“ Der 38jährige gibt allerdings zu: „Die Kleine ist entspannter. Tom war viel, viel anstrengender. Manchmal wäre die Arbeit einfacher gewesen.“ Respekt habe er vor den Vätern, die die Elternzeit alleine wahrnehmen, weil die Mutter wieder arbeiten geht. Wichtig wäre, dass sich die Eltern sorgfältig überlegen, welche Erwartungen sie an die Elternzeit haben und wie sie diese gemeinsam nutzen wollen. Nach seinen Erfahrungen und Gefühlen befragt, gerät Kevin Schlöder ins Schwärmen: „Elternzeit fördert die Bindung zum Kind und stärkt den Zusammenhalt in der Familie. Mit dem Kind zu kuscheln, es intensiv aufwachsen zu sehen, das ist einfach großartig.“ Vätern rät er: „Nutzt die Chance. Sie kommt nicht wieder!“

Text: Michael Polubinski • Fotos: André Chrost