Der Hahn im Korb

Erzieher Frank Drewa ist eine Rarität in Herten

Die Kommentare zu seiner Berufswahl waren höchst unterschiedlich: Es ging von „Ich zieh‘ den Hut!“ bis „Als Mann wirst du da nie Fuß fassen“. Fest steht: Fuß gefasst hat er. „Wenn man Spaß an der Arbeit hat, ist das leicht“, sagt Frank Drewa. Seit August 2015 leitet der 49-Jährige die Kita Clemensstraße und ist auch mit dem Herzen voll bei der Sache. „Kinder von klein an auf einen guten Weg bringen“, das ist ihm wichtig.

Ein ganz normaler Vormittag in Herten-Süd, gerade sind die Kita-Kinder mit ihrem Frühstück fertig. Frank Drewa schaut in den Gruppen vorbei. „Los, komm, vorlesen“, heißt es sofort. Gemeinsam geht’s mit dem Lieblingsbuch in die Kuschelecke, es wird geblättert und gelacht. An sich ist Frank Drewa inzwischen überwiegend mit administrativen Aufgaben beschäftigt, „bis hin zur Unterstützung der Eltern, wenn sie Fördermaßnahmen beantragen können.“ Aber er nutzt jede Möglichkeit, Zeit mit den Kleinen zu verbringen: „Es ist einfach toll, die Entwicklung von Kindern zu erleben und zu begleiten“ findet er. Seine derzeitige Hauptaufgabe allerdings: „Den Umzug an unsere neue Adresse planen!“

Denn seine Wirkungsstätte wechselt den Ort. Ende November sollen die Räume in der Ewaldstraße 113 schlüsselfertig sein, die Möbel sind bereits ausgesucht. „Wir haben Glück, dass wir nicht umbauen, sondern eine ganz neue Kita bekommen“, sagt der Kita-Leiter. Am bewährten Konzept ändert sich nichts.

Viele Ausflüge ins Freie nennt Frank Drewa als einen der Schwerpunkte „seiner“ Kita. Für die Großen unter den Kleinen gibt es den Maxi-Club, eine Art Vorschule. Einen Stift richtig halten und Zahlenreihen aufsagen – „Kinder werden auf spielerische Weise auf die Schule vorbereitet“, erklärt der Erzieher, „wenn uns das gemeinsam gelingt, sind wir zufrieden.“

Männliche Bezugsperson ist wichtig

Laut Statistischem Bundesamt waren im März 2016 in Deutschland 5,2 Prozent der Beschäftigten in der Kindertages­betreuung männlich – Tendenz steigend. Nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes waren im Frühjahr 2016 in Deutschland 30.500 Männer unmittelbar in der Betreuung von Kindern beschäftigt. In NRW waren 4,18 Prozent der Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung männlich, das ist relativ wenig im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern. Im Berufsalltag ist Frank Drewa sozusagen allein unter Frauen. „Von aktuell 1.313 pädagogischen Fachkräften in unserem AWO-Unter­bezirk sind derzeit 28 männliche Erzieher“, gibt Kerstin Schäfer, Fach­bereichsleitung Kitas Süd, Auskunft.

In Herten ist Frank Drewa der Einzige. Eigentlich ist er gelernter Einzelhandelskaufmann, „dann kam die Bundeswehr.“ Für zwölf Jahre hatte er sich verpflichtet. „Ich habe dort während meiner Laufbahn immer mit jungen Wehrpflichtigen gearbeitet“, erzählt er – sozusagen sein erster Berührungspunkt mit erzieherischer Arbeit. Von 1999 bis 2001 machte er die Ausbildung zum Erzieher, arbeitete anschließend in Außenwohngruppen von Kinder- und Jugendheimen. „Auch in Kitas und Familienzentren ist es wichtig, dass Kinder von klein auf männliche Bezugspersonen haben“, betont Kerstin Schäfer, „das wird sogar vermehrt von den Eltern so gewünscht!“

2009 wurde Frank Drewa selbst Vater – „Zeit, sich beruflich zu verändern“, entschied er, „bei 24-Stunden-Diensten und Wochenendschichten im Heimbereich hätte ich von der Entwicklung meines eigenen Sohnes nicht viel mitbekommen.“ Die Reaktionen von Müttern und Vätern auf ihn und seine Arbeit seien durchweg positiv, freut sich der Erzieher. Auf den Kita-Leiter und sein Team warten derzeit ganz neue Herausforderungen: „Mit unserem Umzug in die Ewaldstraße erweitern wir von drei auf fünf Gruppen,“ sagt Frank Drewa, „dann werden wir endlich eine U2-Gruppe für die ganz Kleinen anbieten!“

Text und Fotos: Dr. Ramona Vauseweh

Info

AWO Kindertageseinrichtung und Familienzentrum Clemensstraße

Leitung: Frank Drewa

Ewaldstraße 113
45699 Herten

Tel. 02366 10910
f.drewa@remove-this.awo-msl-re.de

www.awo-msl-re.de