Mit 31 Jahren zum Seepferdchen

Kinder-Schwimmkurs im Copa

Rau aber warm fühlt sich Startblock Nummer Zwei unter meinen Füßen an. Ich schaue nach unten auf das schaukelnde Wasser. Sieht doch höher aus als gedacht. Ist doch nur ein halber Meter. „Drei, zwei, eins!“ zählt Marc Klos. Ich halte mir aus Reflex die Nase zu und springe in das Schwimmerbecken. Schon vor 25 Jahren war ich in der gleichen Situation, in einem Kinder- Schwimmkurs. Das Wasser war mir damals viel zu tief, der Schwimmlehrer gar nicht nett und aus lauter Verzweiflung beim Tauchen habe ich versucht zu schummeln und den Ring auf mein Knie fallen lassen. Am Ende habe ich den Schwimmkurs ohne Seepferdchen verlassen. Meine ersten Schwimmzüge habe ich kurze Zeit später im Sommerurlaub gemacht – gemeinsam mit meiner Oma im Meer von Mallorca. Das mit mir und dem Schwimmen wurde also doch noch was, das Seepferdchen hatte ich aber trotzdem nie auf dem Badeanzug.

Am Anfang der Schwimmstunde gehen wir in das kleine Becken im Hallenbad. Nach und nach springen alle Kinder vom Rand ins Wasser. Auf bunten Schwimmnudeln paddeln Louis und Melina an mir vorbei. Bevor es in das große Becken geht, wird gespielt und geplanscht. Die beiden Sechsjährigen haben ihr Seepferdchen schon in der letzten Stunde gemacht. „Ich war aufgeregt, aber es war gar nicht so schwer“, sagt Melina. Die Beiden sind sich einig: Bronze und Silber wollen sie auf jeden Fall auch machen.

Mit dem Kopf über Wasser
Im großen Becken nebenan schwimmt Leo hinter Lehrer Marc Klos, der vorsichtig seine Hand unter den Körper hält und dafür sorgt, dass der Sechsjährige keine Angst bekommt. „Super, du schaffst das! Weiter den Kopf über Wasser halten, die Fingerspitzen unter Wasser“, sagt er ruhig. Um seinen Schülern die Angst zu nehmen, hat der 51-jährige gelernte Sonderschullehrer und Pädagoge ein eigenes Konzept entwickelt. Seit 1998 gibt er im Copa Ca Backum Schwimmunterricht, hat in seinem Beruf seitdem über 4000 Prüfungen zum Seepferdchen abgenommen. Das Schwimmen beigebracht hat er aber nicht nur Kindern. „Meine älteste Schülerin war 72, hatte in ihrer Jugend nie schwimmen gelernt und immer das Gefühl, Lebensqualität verpasst zu haben“, erzählt er. „Das wollte sie ändern und es hat geklappt.“ Immer mehr Kinder kommen zu seinen Kursen, für den Hertener liegt das vor allem am Zeitmangel bei den Eltern. Viele hätten keine Zeit, ihren Kindern das Schwimmen selbst beizubringen, geben es lieber in professionelle Hände.

Auch die Kinder bräuchten teilweise länger, um erstmal ihre Angst vor dem Wasser zu bewältigen. „Der Weg zum schwimmen lernen dauert heute oft länger als früher“, sagt er. Damit der Schwimmkurs ein Erfolg wird, sieht er aber auch die Eltern in der Pflicht, schon Babys und Kleinkinder an das Wasser zu gewöhnen und nach dem Schwimmkurs regelmäßig zu üben.

Regelmäßig schwimmen? Habe ich die vergangenen 25 Jahre gemacht, zumindest im Freibad oder Meer. Jetzt bin ich im Copa dran: 25 Meter ohne Pause. Meine linke Hand löst sich von der Leiter am Beckenrand, die Füße gleiten von der letzten Treppenstufe. Meine Arme bewegen sich durch das Wasser, dann die Beine, Stück für Stück. Der Beckenrand kommt näher, meine rechte Hand greift zuerst nach vorne – geschafft! „Herzlichen Glückwunsch!“, ruft Marc und lacht. „Du hast dein Seepferdchen!“ Wenige Minuten später halte ich das orangefarbene Abzeichen dann in den Händen. Ein bisschen stolz bin ich schon. Und wenn auch nicht auf meinem Bikini: Einen Ehrenplatz bekommt das Seepferdchen auf jeden Fall.

Text: Lisa Mathofer • Fotos: Markus Mucha

Info

Anfänger-Schwimmkurse im Copa Ca Backum
Alter: 5 bis 15 Jahre
Dauer: 10 Tage, jeweils nachmittags 45 Min.
Kosten: 75 Euro
Kurstermine und Anmeldung: service.copacabackum.de