Hof und Hoffnung

Drei Hertener Landwirte machen sich fit für die Zukunft.

Einkaufen im ländlichen Ambiente mit Lebensmitteln frisch vom Hof: Das wünschen sich viele Verbraucher. Doch die Landwirtschaft hat mit sinkenden Abnahmepreisen und verschärften Auflagen zu kämpfen – und das schon seit Jahrzehnten. Im Kreis Recklinghausen betreibt nur noch die Hälfte der rund 700 landwirtschaftlichen Betriebe ihre Profession im Haupterwerb. Drei Hertener Landwirte machen sich fit für die Zukunft.

200 Zuchtsauen im Stall

Josef Balzer hat die landwirtschaftliche Arbeit noch ohne Maschinen kennengelernt. Auf dem elterlichen Hof an der Elper Straße hat er im Winter schon vor der Schule beim Schweineschlachten geholfen. „Mein Vater wollte aber, dassich einen eigenen Beruf ergreife.“ Also ging der gelernte Landmaschinenschlosser zur Feuerwehr. Und packte nach Feierabend weiter mit an. Als der Vater in den Ruhestand ging, gab er das Pachtland zurück. „Wir hätten uns auf einen Zweig spezialisieren müssen“,weiß Tochter Jutta Smits, „dafür war unser Hof aber viel zu klein.“

Hubert Stoffers hat den Schritt in die Spezialisierung gewagt. Er setzt bis heute auf Ferkelzucht, 200 Zuchtsauen stehen in Langenbochum im Stall. „Ich bin Bauer mit Leib und Seele“,sagt Hubert Stoffers. Als Betriebsleiter verkauft er seine Ferkel an andere Bauern. Im Direktvertrieb gibt es bei ihm, was auf den eigenen Ländereien wächst: Kartoffeln und Heu.

Das ist auf dem Hof Godde anders: Unter anderem aus Personalmangel hat der Milchbetrieb seinen Hofladen auf Automatik umgerüstet. Täglich von 7 bis 21 Uhr können Kunden hier Milchzapfen und Lebensmittel von Höfen aus der Region aus dem Automaten ziehen. „Seit der Umstellung wächst der Kundenkreis kontinuierlich“, sagt Frauke Godde. Ein paar Meter weiter bietet die Milchhütte Spaziergängern Snacks und Getränke an.

Milch frisch von der Tanke

Die 115 Kühe sind nach wie vor das Herzstück des Familienbetriebs. Nach und nach erobern sich Karl und Frauke Godde aber weitere Geschäftsfelder: Im Sommer gibt‘s Erdbeeren aus eigener Produktion, im März sind 550 Hühner auf dem Hof eingezogen. Noch frischer geht es nur mit „Meine Ernte“: Bei Bauer Godde können Kunden ein fertig eingesätes Stück Nutzgarten mieten und die Fläche selbst beackern. In solche Modelle möchte Hubert Stoffers nicht mehr selbst investieren. Er hat den Betrieb seiner Tochter Magdalena überschrieben. „Die nächste Generation soll selbst entscheiden, welche Maßnahmen für die Zukunft getroffen werden sollen.“ Er hat allerdings seine Zweifel, ob Landlust und Bioanbau verlässliche Trends bleiben. Viele Kunden, so seine Erfahrung, haben einen romantisch verklärten Blick auf die Landwirtschaft. „Früher war vielleicht einiges schöner“, erklärt er, „aber sicher nicht alles besser.“ Seine Sauen hätten heute optimiertes Futter und mehr Platz im Stall.

Vom Schwein aufs Pferd umgesattelt

Josef Balzer hat die Errungenschaften der Technik zu schätzen gelernt. 1954 hat sein Vater den ersten Trecker angeschafft. Das Fahrzeug gibt es immernoch. Es steht unter dem Vordach der Scheune, in der jetzt Pferde eingemietet sind. Die Versorgung der Tiere erledigt zurzeit noch eine externe Kraft. Zukünftig wollen Jutta Smits und ihr Mann Jörg das neben ihren Jobs in der Gastronomie wieder selbst übernehmen. Zudem wollen die beiden den Kunden dann auch ein bisschen Landromantik bieten: Ihre eigenen Pferde ziehen ab Januar Hochzeitskutschen und Planwagen.

Text: Stefanie Hasler

Fotos: Marco Stepniak

Info und Kontakt

Reitstall Hof Balzer

Elper Straße 21

745701 Herten

 

Hof Stoffers

Langenbochumer Str. 33

445701 Herten

 

SB-Hofladen bei Bauer Godde

Marpenstraße 29

45699 Herten