Liebe Die Liebe hört niemals auf

Spuren hinterlassen, Erinnerungen leben lassen — warum das so wichtig ist, weiß Bestatter Peter Hann-Wenner

„Der Mensch hat einen berechtigten Platz im Herzen seiner Angehörigen. Der bleibt auch nach dem Tod erhalten“, sagt Peter Hann-Wenner. Mit diesem Selbstverständnis berät er seit 20 Jahren Menschen, die ihre Verstorbenen liebevoll bestatten möchten: Bei Behördengängen, der Blumen- und Bestattungsauswahl, den richtigen Worten bei der Trauerfeier. 2014 hat er mit einem kleinen Team aus Bestattern, Theologen und Trauerrednern das Bestattungsunternehmen Götza am Resser Weg übernommen.

Durch die hohen Fenster des Gebäudes strahlt viel Licht in den hölzernen Ausstellungssaal, die Trauerhalle und die Beratungsräume. Auf der linken Seite des Saals reihen sich Holzsärge aneinander: Eiche, Kiefer, Nussbaum, Linde. Geschnitzte Verzierungen an den Seiten, verschnörkelte oder schlichte Griffe. Was der Kunde wünscht, kann fast immer erfüllt werden. Auch bei der Trauerfeier und der Beerdigung ist der persönliche Wunsch der Angehörigen besonders wichtig. „Viele Leute wünschen sich Lieblingslieder des Verstorbenen, da ist von Schlager bis Hardrock alles dabei“, sagt der Bestattermeister. Einige spielen und singen sogar selbst, um den Verstorbenen noch einmal sehr persönlich zu gedenken.

Zeigen, dass man weiter liebt

Für Hann-Wenner sind solche Rituale vor allem in dem Wunsch begründet, zu handeln: „Die Menschen haben einfach das Bedürfnis etwas zu tun.“ Denn wichtig sei nach einer Beerdigung vor allem das Erinnern, die Liebe auch nach dem Tod nicht zu verdrängen. Spuren hinterlassen. Eine Kerze anzünden. Zeigen, dass man weiter liebt. Solche kleinen Zeichen tragen einige Kunden auch im Alltag mit sich. Hann-Wenner zeigt auf eine gläserne Vitrine. Moderne Silberanhänger und Schmuckstücke liegen dort. Ein kleiner Ascherest oder eine Haarlocke lassen sich darin ver­stecken. „Erst vor Kurzem hat sich eine Frau aus der Asche ihres Mannes einen Diamanten anfertigen lassen“, erzählt der Bestattermeister.

Der Wunsch, die Asche der Verstorbenen sehr persönlich zu verwahren oder verstreuen, beschäftige viele Kunden. Die Totenasche auf privatem oder öffentlichem Gelände zu verstreuen, ist in Deutschland allerdings gesetzlich verboten. „Ich wünsche mir, dass es bald auch hier möglich ist, diesem Wunsch der Angehörigen nachzukommen“, sagt Peter Hann-Wenner. Er ist sich sicher: In Zukunft wird es so kommen.

Für ihn ist kein Wunsch sonderbar oder besonders außergewöhnlich, aber so einige sind ihm doch in Erinnerung geblieben. „Es gibt Leute, die gestalten den Sarg für den Verstorbenen gerne selbst und bemalen ihn. Oder töpfern die Urne oder basteln sie aus anderen Materialien wie Filz.“ Das hölzerne Regal in der Ausstellungshalle zeigt: Urnen – ob aus Stahl, Kupfer, Holz, Ton oder Biomaterial – dürfen auch bunt sein, handbemalt, mit Blumen, nachtblau mit Silbersternen oder leuchtenden Rändern. Auf einem kleinen Podest in der Ausstellungshalle stehen einige schwarze Urnen. In der Mitte der Gefäße leuchtet ein goldener Schlägel mit Eisen. Eine Grubenlampe auf einem Holzschild steht davor. Dahinter eine Leinwand: Die Zeche Ewald im Sonnenuntergang. „Viele ehemalige Bergmänner der Hertener Zechen lassen sich in einer solchen Urne bestatten“, sagt Hann-­Wenner. Die Liebe über den Tod hinaus: Sie ist vielfältig und persönlich – ob zum Ehepartner, den Familienmitgliedern oder eben dem Kohle­bergbau im Ruhrgebiet

Text: Lisa Mathofer • Foto: André Chrost

Info

Götza Bestattungen

Resser Weg 16-18
45699 Herten

Tel. 02366 33033
www.goetza-bestattungen.de