Kindheit früher Toben im letzten Paradies

Dr. Claudia Fründ wohnte als Kind im Schlosspark

Im historischen Teil unseres Schwerpunktes lassen wir Hertenerinnen und Hertener darüber berichten, wie sie das Kindsein früher erlebt haben.Wie fühlen sich Neuankömmlinge? Wie ist das Kindsein auf dem Bauernhof? Wie erlebten die Kleinen den Krieg in Herten? Wir zeigen alte Fotos und berichten von liebgewonnenen Erinnerungen – damit die schönste Zeit bleibt!

Toben im „letzten Paradies“: Dr. Claudia Fründ

20 Jahre lang hatte Dr. Claudia Fründ ihren privaten Abenteuerspielplatz vor der Haustür: den Schlosspark, damals noch für Besucher geschlossen. Als Tochter des Försters gehörte Claudia Fründ zu den wenigen Menschen, die das botanische Kleinod ihr Zuhause nennen durften. Mit ihrer Familie bewohnte sie die jahrhundertealten Zwillingshäuser gegenüber der heutigen Musikschule. „Der Schlosspark war ein Paradies, verwunschen und verwildert“, erinnert sich Claudia Fründ. Das Schloss eine unbewohnte Ruine, halb eingesackt, die Orangerie hingegen noch fast gänzlich erhalten. Ein Freilichtmuseum, in dem sich Klein-Claudia und ihr älterer Bruder Norbert nach Herzenslust austoben konnten.

Die Geschwister bauten Boote und Flöße, mit denen sie über die Teiche fuhren. Sie fingen Salamander und Wühlmäuse und brachten sie mit ins Haus. Durch Lücken im Mauerwerk kletterte Claudia bis in den Dachstuhl des Schlosses. „Das war für mich das Spannendste. Schon damals hatte ich ein Faible für Greifvögel, und oben im Gebälk nisteten Eulen und Falken.“ Wenn Claudia von ihren Streifzügen nach Hause kam, pflegte ihre Mutter zu sagen: „Das einzig Weiße an ihr ist das in den Augen.“ Dreckige Kleidung, glückliches Kind: Schon damals habe sie eine große Wertschätzung dafür gehabt, hier aufwachsen zu dürfen, sagt Claudia Fründ. „Bis heute empfinde ich viel Wehmut, wenn ich im Schlosspark spazieren gehe.“

Text: Raphaela Willwerth

Fotos: André Chrost/ privat