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Markus Mucha

„Engagierte Ideen unterstützen“

Lesedauer: ca. 3 Min. | Text: Sandrine Seth

Titelfoto: Markus Mucha


Bürgermeister Matthias Müller spricht im Interview mit HERTEN ERLEBEN über Zukunftsperspektiven für Herten.

Was hat Sie bewogen, bei der Kommunalwahl für das Bürger­meisteramt zu kandidieren und welche Rolle spielte Ihre berufliche Erfahrung in einem Wohlfahrtsverband bei diesem Entschluss?

Der Grundgedanke war eigentlich: Ich lebe und wohne in dieser Stadt seit Anfang der 80er Jahre. Hier ist mein Zuhause. Ich kenne die Stadt und die Menschen. Und ich wollte etwas für die Stadt tun. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich nur für einen Wohlfahrtsverband arbeite, sondern immer für unsere ganze Stadt. Ich hätte auch nie bei einem anderen Verband arbeiten wollen als in Herten, oder mich nie in einer anderen Stadt als Herten als Bürgermeister­kandidat aufstellen lassen. Es sind die Bürgerinnen und Bürger, die die Stadt so lebenswert machen. Hier kennen sich die Menschen untereinander.

Wie sehen Sie die gesamtpolitischen Entwicklungen nach der Wahl im Rat als unabhängiger Bürgermeister?

Ich kenne viele Ratsmitglieder seit Jahren und alle haben etwas gemeinsam: Sie brennen für Herten. Mit all den Unterschieden der Parteien im Rat gibt es doch ein Ziel: Das Wohl der Stadt und das Wohl der Bürgerinnen und Bürger, die hier leben, arbeiten und wohnen wollen. In dem Zusammenhang ist es zum Beispiel wichtig, dass wir politisch integrativ denken und handeln.

Wo können Sie sich einen partei­übergreifenden Konsens vorstellen?

Gut leben und gut arbeiten bedeutet beispielsweise, dass wir dem Thema „Mobilität“ parteiübergreifend eine besondere Bedeutung als Querschnittsaufgabe beimessen. Wir wollen, dass junge Menschen Herten als ihre Heimat verstehen und erleben, auch wenn sie in einer Stadt der Region arbeiten. Um die parteiübergreifende Kommunikation zu fördern, habe ich mich als unabhän­giger Kandidat um das Amt des Bürgermeisters beworben. Wir wollen eine Stadt, in der sich die Menschen entwickeln können, wo sich Hertenerinnen und Hertener wohlfühlen, wo man arbeiten und wohnen kann. Diesen Konsens sollten wir uns im Rat immer ins Bewusstsein rufen.

Was bedeutet das konkret?

Das erste, was uns gelingen muss, ist eine Schnittstelle zu finden zwischen den Positionierungen – und dafür müssen die Parteien miteinander reden. Das war auch die Überlegung, mich als unabhängigen Kandidaten aufstellen zu lassen, um zu signalisieren: Ich spreche mit allen.

Könnte die Hertener Erklärung ein guter Ansatz für die zukünftige politische Entwicklung Hertens sein?

Absolut. In der Hertener Erklärung geht es um Demokratie, Vielfalt, Miteinander und Teilhabe. Alle Menschen sollten die gleichen Chancen haben. Es geht um Gerechtigkeit — Bildungsgerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Integrationsgerechtigkeit. Zum Beispiel soll Wohnraum in Herten für alle zugänglich und bezahlbar sein. Das wünsche ich mir und das werde ich immer wieder thematisieren.

Wie wollen Sie die Stadt für Familien attraktiver machen?

Wir wollen familienfreundlichste Stadt im Kreis Recklinghausen werden. Was braucht es, dass Familien sagen, das ist meine Heimat? Arbeits-, Schul- und Kindergartenversorgung sind ganz wichtig, aber auch die Qualität der Schulen und der Betreuung zeigt Eltern: Hier haben meine Kinder einen guten Start in die Zukunft. Doch es soll nicht bei einer kinderfreundlichen Stadt bleiben, sondern es geht auch um die Versorgung und Pflege der Eltern. Familie muss über mehrere Generationen hinweg gedacht werden. Dafür müssen sich die Aufenthalts­qualität und gemeinschaftsfördernde Kontexte verbessern.

In dieser Ausgabe von HERTEN ERLEBEN stellen wir Menschen vor, die sich ehrenamtlich engagieren. Welche Rolle spielt das Ehrenamt in Herten?

Ich glaube, dass viele Bürgerinnen und Bürger etwas für die Gemeinschaft außerhalb ihrer bezahlten Arbeit tun. Das Ehrenamt in Herten ist überpro­portional stark. Es sind unzählige Menschen ehrenamtlich aktiv. Das ist unbezahlbar, weil das so viel Energie und Hilfe freisetzt. Mir gefällt der Begriff Mitwirkung besser als Ehrenamt. Bei Ehrenamt hat man direkt ein Bild im Kopf, meist von einer Vereinsstruktur und Vorstandssitzungen. Aber Mitwirkung ist so viel mehr. Ich denke, dass wir den Begriff weiterfassen und zukunftsgerichteter denken müssen. Es gibt so viel mehr jenseits des „Amtes“. Wir müssen eine Mit­wirkungskultur entwickeln, damit sich Engagement generiert.

Wie kann die Stadt das Ehrenamt noch mehr fördern?

Ich habe einen Grundsatz: Menschen vor Geld. Wenn ein Bürger oder eine Bürgerin helfen oder ein Projekt auf die Beine stellen will, dann schafft er/ sie das auch ohne großes Budget. Wir wollen in den nächsten Jahren Vereine und Initiativen verstärkt dabei begleiten, neue Aktivitäten umzusetzen, zum Beispiel durch organisatorische Hilfen oder durch die Vermittlung von neuen Kooperationspartnern. So wollen wir innovative Ideen in den Fluss bringen und Mitwirkungen aktivieren.


Matthias Müller, Bürgermeister der Stadt Herten | Foto: Markus Mucha
Matthias Müller, Bürgermeister der Stadt Herten | Foto: Markus Mucha
Matthias Müller, Bürgermeister der Stadt Herten | Foto: Markus Mucha

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