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Editorial
von Otto Lerchenmüller, Herausgeber
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Otto Lerchenmüller
Herausgeber

Die letzte Begegnung

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Liebe Leserinnen, liebe Leser, war es Wirklichkeit, hatte ich Fieber, träumte ich? Sprachlosigkeit ergriff mich, als mich ein Mitarbeiter von Klaus Bechtel morgens kurz nach sechs Uhr anrief. „Wissen Sie schon von dem unfassbaren Ereignis aus Herten?“ Natürlich nicht. Ich hatte Herten am Samstagnachmittag verlassen, leicht vergrippt und verbrachte den Sonntag in Bad Honnef im Bett. Ohne Telefon.

Ich hatte keine Worte, als mich Dr. Wesselmann anrief. Er auch nicht. Es war ein Sprechen mehr durch Schweigen. „Sie waren doch am Freitag bei ihm.“ Ja, war ich. Deshalb war ich in diesem Moment auch so besonders sprachlos. Unfassbar.

Begegnungen 2004
mit Klaus Bechtel
  

Freitagnachmittag, 15.30 Uhr. Ich hatte mich mit Klaus Bechtel verabredet. Der Termin wurde etliche Male verschoben. Am Freitag klappte es. Und er nahm sich viel Zeit. Fast anderthalb Stunden haben wir miteinander gesprochen, Vergangenes betrachtet, Aktuelles bestaunt und viel über Zukünftiges geredet, geplant und Ideen entwickelt. Er zählte mir auf, was unbedingt aus seiner Sicht realisiert werden müsse und wo er auch weiterhin mithelfen wolle. Blauer Turm, Zauberberg, presse-service, Aquarec – ich hatte diese Hertener Firma auf der Messe in Stuttgart begleitet und er war darüber genauestens informiert. Und vor allem sprachen wir über Herten erleben.

Als ich in sein Büro kam, hatte er noch Besuch von einer Mitarbeiterin. Dann, alleine, waren seine ersten Worte: „Die letzte Ausgabe hat mir wieder sehr gut gefallen. Und Sie müssen mir sagen, wo ich helfen kann. Wir brauchen dieses Magazin nach innen und außen.“ Ich freute mich über so viel Lob. Und dann haben wir sehr, sehr lange über ALG II und Hartz IV gesprochen. Er war sehr stolz auf sein Programmiererteam. Ich erzählte ihm, dass wir eine Geschichte dazu veröffentlichen wollen, „die Leidensgeschichte eines Programmierers“. Gefiel ihm. „Über den Inhalt des Programmierens dürfen Sie aber nicht berichten, da haben wir uns verpflichtet.“ Nein, tun wir nicht. Wir wollen über die Menschen berichten, die fast Tag und Nacht Lösungen herbeizaubern müssen. Eigentlich nicht zu schaffen. „Doch, die schaffen es.“

Um andere Dinge künftig schaffen zu können, wollte Klaus Bechtel mehr Fachleute von außen ans Unternehmen Prosoz binden. „Haben Sie noch Ressourcen frei?“ So ging es hin und her. Bis zum Zauberberg. „Den Namen finde ich gut, könnte von mir sein, jetzt müssen wir den Zauberberg nur noch hinkriegen.“
Immer wieder kam er auf die Bundesagentur zu sprechen. „Eine Geschichte in Herten erleben, aber zu einem späteren Zeitpunkt“.

Wir haben uns noch gegenseitig Hausaufgaben gegeben. In zehn Tagen bin ich zurück. Ich muss Entwürfe mitbringen. Er wollte bis dahin andere Dinge regeln. „Jetzt muss ich sie rauswerfen, lieber Herr Lerchenmüller. Eigentlich wollten wir ja nur eine halbe Stunde. Wann fahren Sie?“ Morgen. „Viele Grüße zu Hause, bis nächste Woche, dann hab ich das erste Konzept und Sie die Entwürfe.“ Am Montag fuhr ich weiter nach München. Und wurde richtig krank. Kann ihm meine Entwürfe nicht mehr zeigen. Er nicht mehr seine Konzepte. Ich habe Klaus Bechtel schätzen gelernt. Nicht nur bei gelegentlichen Arbeiten am Samstag oder Sonntag im Rathaus. Ich habe gerne mit ihm gesprochen. Manchmal auch über Politik. Jetzt fehlt er mir – wie allen, die ihn kannten und mit ihm gearbeitet haben.

Wir trauern alle mit seiner Frau Juliane und seinen Söhnen Martin und Lutz.


Otto Lerchenmüller
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